Wer als Patient oder Patientin in Not ist, ruft für schnelle Hilfe den Rettungsdienst. Der muss innerhalb von 15 Minuten am Einsatzort sein – so ist es gesetzlich vorgeschrieben. Doch gerade in ländlicheren Gebieten wird diese Frist zu oft nicht eingehalten, auch im Raum Rheinhessen.
Rettungsdienst analysiert Einsätze der letzten Jahre
Daher hat die zuständige Rettungsdienstbehörde der Kreisverwaltung Mainz-Bingen die Arbeitsabläufe, Einsätze und Verfügbarkeiten von Rettungsfahrzeugen der letzten Jahre analysiert. Nun soll der Rettungsdienst neu aufgestellt und optimiert werden. Die Ergebnisse wurden heute im Kreistag vorstellt.
Ist-Zustand im Rettungsdienstbereich Mainz
Der Rettungsdienstbereich Mainz umfasst Mainz, Worms sowie die Landkreise Mainz-Bingen, Alzey-Worms und Bad Kreuznach. Hier gab es im vergangenen Jahr rund 140.000 Einsätze mit Rettungs- und Krankenwagen, etwa 100.000 Notfälle und 40.000 Krankentransporte, berichtet der ärztliche Rettungsdienstleiter Carsten Lott.
Dabei haben sich zwei Probleme gezeigt: Bei zu vielen Einsätzen dauert die Anfahrt zu lang – gerade auf dem Land. Außerdem werden zu viele einfache Krankentransporte mit einem Rettungswagen durchgeführt, der dann für echte Notfälle nicht mehr zur Verfügung steht, sagt Lott.
Rettungswagen wird von Mainz nach Nierstein verlegt
Deshalb werden ab September Einsatzfahrzeuge an andere Orte verlegt und Schichten zeitlich verändert, so die Kreisverwaltung Mainz-Bingen. So wird es am Standort Nierstein einen zweiten Rettungswagen geben. Der wird nicht neu gekauft, sondern kommt aus Mainz – dort war das Fahrzeug vorher stationiert.
Die neue Stationierung ist eine deutliche Verbesserung für den Standort Nierstein, aber keine Verschlechterung für den Standort Mainz.
Laut Lott sollen dadurch keine Nachteile für die Notfallversorgung entstehen. Viele Einsätze rund um Nierstein würden bisher ohnehin von Mainz aus angefahren werden. Durch die Stationierung in Nierstein sollen demnach Anfahrtswege kürzer und Patienten und Patientinnen schneller versorgt werden.
Umstrukturierung auch in Bingen, Alzey und anderen Orten
Neben dem neuen Standort Nierstein werde es in den kommenden Monaten auch Umstrukturierungen in den Regionen bei Gau-Bickelheim, Nieder-Olm, Bingen, Alzey und Osthofen geben.
Wie diese Neuordnungen dort konkret aussehen, werde derzeit noch genau erarbeitet.
Schichten für Krankenwagen-Besatzung werden geändert
Zusätzlich sollen die Schichtzeiten für das Personal der Krankenwagen und -transporte angepasst werden. Laut Lott könnte man so anstehende Fahrten besser planen und Rettungswagen könnten für tatsächliche Notfälle frei bleiben.
Die Kreisverwaltung Mainz-Bingen plant außerdem parallel weitere kleinere Maßnahmen. Vorgesehen sind unter anderem optimierte Leitstellenprozesse, verkürzte Übergabezeiten in Krankenhäusern, eine stärkere Vernetzung mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst sowie der Ausbau von Systemen, mit denen Ersthelfende alarmiert werden können.
Kritik aus den eigenen Reihen im Rettungsdienst
Kritik an der Neuordnung des Rettungsdienstes bleibt allerdings nicht aus. Laut SWR-Informationen sorgen sich Mitarbeitende im Rettungsdienst darum, dass bisher gut versorgte Gebiete durch die Verlagerungen von Fahrzeugen geschwächt werden könnten.
Wir evaluieren regelmäßig und würden natürlich entsprechend gegensteuern, wenn eine Veränderung nicht zum Guten erfolgt.
Lott nimmt die Kritik nach eigenen Angaben ernst. Er betont, dass die Neuordnungen zwar auf gut ausgearbeiteten Simulationen beruhen, man aber selbstverständlich die Änderungen genauestens im Auge hat.
Wenn sich zeigen sollte, dass die Veränderungen die Situation verschlechtern, werde man das Ganze rückgängig machen. Wenn man aber sehe, dass sich alles gut entwickelt und sogar weiterer Bedarf bestehe, könnte es auch noch mehr Änderungen geben.