Anlaufstelle für Betroffene

Heinrich-Egli-Haus in Mainz kämpft mit steigender Zahl von Wohnungslosen

Steigende Mietpreise, fehlender sozialer Wohnraum oder persönliche Schicksalsschläge: Immer mehr Menschen verlieren ihr Dach über dem Kopf. Einrichtungen wie das Heinrich-Egli-Haus in Mainz helfen diesen Wohnungslosen, stoßen aber an Grenzen.

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Stand

Von Autor/in Stefan Schmelzer

Erstmals waren in Deutschland im vergangenen Jahr mehr als eine Million Menschen wohnungslos. Diese Statistik präsentierte die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe am 17. November.

Diese Zahlen sind nicht repräsentativ, da sie auf Hochrechnungen basieren. Außerdem liefern auch nicht alle Hilfseinrichtungen und Kommunen ihre aktuellen Zahlen. "Trotzdem ist es ein deutliches Zeichen", sagt Francesca Beyer. Sie ist stellvertretende Leiterin des Heinrich-Egli-Hauses in Mainz.

Diese Einrichtung betreut bereits seit 1875 Wohnungslose. Sie gehört zur gemeinnützigen Organisation "Mission Leben", Träger ist die Diakonie. Betreut werden derzeit Männer im Alter von 20 bis 72 Jahren. Im Durchschnitt bleiben sie drei bis fünf Jahre in der Einrichtung.

Wir haben momentan eine Warteliste, was ich sehr erschreckend finde.

Zum ersten Mal überhaupt müsse eine Warteliste geführt werden, das sei sehr erschreckend, so Beyer. "Wir haben 50 Plätze in unserem Haus, derzeit sind wir mit 51 Personen schon überbelegt. Und dann gibt es noch zwei Männer, die wir momentan vertrösten müssen". Die Zahl der Bedürftigen habe spürbar zugenommen. Das, so Beyer, gelte auch für anderen Hilfseinrichtungen in Mainz.

Francesca Beyer betreut im Heinrich-Egli-Haus in Mainz Menschen ohne Wohnungen.
Francesca Beyer ist die stellvertretende Leiterin im Heinrich-Egli-Haus in Mainz und betreut seit dreieinhalb Jahren Menschen ohne Wohnung.

Viele Gründe für steigende Zahlen im Heinrich-Egli-Haus

"Die Gründe, warum Menschen zu uns kommen, sind sehr vielfältig." Laut Francesca Beyer kommen Menschen aus der Psychiatrie, der Kinderjugendhilfe oder auch aus dem Gefängnis. "Aber es gibt natürlich auch einige, die zum Beispiel durch Schicksalsschläge in Notsituationen gekommen sind. Oder Mietverhältnisse, die gekündigt wurden und die Betroffenen nicht weiter wissen."

Das klassische Stereotyp: Mann ist Alkoholiker und wird von seiner Frau rausgeschmissen, bezeichnet Beyer aber als veraltet. Hauptsächlich seien die Menschen schlichtweg überfordert. Und ein großes Problem seien auch fehlende Plätze in anderen Bereichen.

Ein Mann in der Gemeinschaftsküche im Heinrich-Egli-Haus in Mainz, hier gibt es Hilfe für Wohnungslose
Die Gemeinschaftsküche dient wohnungslosen Menschen auch als Treffpunkt, sie haben im Heinrich-Egli-Haus in Mainz zumindest für eine Weile eine Unterkunft gefunden.

"In psychiatrischen Einrichtungen oder auch in der Kinderjugendhilfe fehlen Betreuungsplätze. Die Betroffenen kommen dann im Zweifel zu uns", erklärt Beyer. Im Heinrich-Egli-Haus würden derzeit fast 80 Prozent psychisch Erkrankte betreut und nur noch 20 Prozent der klassischen Wohnungslosen. Das erfordere natürlich ein ganz andere Betreuung.

In Mainz wird viel getan

Generell ist die Situation in Mainz laut Beyer aber noch besser als anderswo. Es werde viel gemacht, ganz viele Angebote seien entstanden. Als Beispiel nennt sie das gerade erst eröffnete Genesungszimmer für Obdach- oder Wohnungslose.

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Oder auch die sogenannte Unterkunft Plus, die es seit September vergangenen Jahres gibt. Dabei handelt es sich um eine Unterkunft für obdachlose Menschen mit psychischen Erkrankungen. Sie war die erste ihrer Art in Rheinland-Pfalz. Aber die neuen Angebote, so Beyer weiter, würden nicht ausreichen.

Politik nicht schuldlos an Situation der Wohnungslosen

Das bezieht sie auch auf die Politik. "Wenn man sich anschaut, in welche Richtung es geht, dann geht es nicht in Richtung der sozial Schwachen", erklärt Beyer. Das würden viele Beschäftigte in den sozialen Bereichen so sehen.

Wohnungslose sind nicht alle Sozial-Schmarotzer!

Problematisch sei vor allem, wie auf die Menschen geschaut würde. "Welches Menschenbild haben? Häufig wird der Eindruck vermittelt, Wohnungslose sind alle Sozial-Schmarotzer." Aber dieses Vorurteil, sagt Francesca Beyer, könne sie auf keinen Fall so unterschreiben.

"Die Menschen hier sind für mich sehr beeindruckend, weil sie jeder für sich sehr besonders sind. Wie sie sich trotz aller Widrigkeiten durch den sozialen Dschungel kämpfen, dafür habe ich tiefsten Respekt." Und daraus ziehe sie auch ihre persönliche Motivation. "Wir haben hier ein Haus mit unglaublich besonderen Menschen. Und mit denen macht es einfach Spaß, zu arbeiten."

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Autor/in
Stefan Schmelzer
Stefan Schmelzer ist Reporter im SWR Studio Mainz

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