Engagiert für Natur- und Umweltschutz

Freiwilliges Ökologisches Jahr in Mainz - Lisa hütet Schafe und Ziegen

Lisa macht ein FÖJ bei einem Schäfer und ist begeistert von ihrer Aufgabe. Das Zicklein Mokka und das Schäfchen Anakin hat sie mit der Flasche aufgepäppelt.

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Von Autor/in Sabine Steinbrecher

Wenn Lisa Pfleiderer mit ihrem Chef und dem Hütehund Polli auf die Koppel in Bodenheim kommt, kann es sein, dass sich die Schafe und Ziegen schon am Grün satt gefressen haben. Dann liegen sie im Schatten, haben sich ins Dickicht zwischen Büschen und Sträuchern zurückgezogen. Die 19-Jährige schaut nach, ob alle fit und munter sind. Die Tiere kämen weitgehend alleine klar, sagt Lisa. Sie sind eingezäunt mit einem Elektrozaun.

Ihr Chef, Gerhard Weitmann aus Mainz-Hechtsheim erklärt, dass es sich bei den Nutztieren um die Rassen Walliser Schwarzhalsziegen und Walliser Kupferhalsziegen handelt, die Schafe sind Skudden. 20 bis 30 Hektar bewirtschaften die Paarhufer. Sie seien nützlich für die ökologische Bewirtschaftung von Wiesen.

"Die Schafe und Ziegen werden ausschließlich zum Naturschutz und zur Landschaftspflege eingesetzt, damit die Artenvielfalt beibehalten wird.

Eine seiner beiden Herden ist hier derzeit hinter einem Damm, parallel zur B9 und dem Rhein. Wenn die Wiederkäuer alles abgegrast haben, müssen Lisa und ihr Chef mit ihnen weiterziehen, auf ein anderes Gelände.

Außerdem wird Lisa auch auf dem Hof in Mainz eingesetzt. Vor allem im Winter sind dort viele Tiere. "Die Muttertiere müssen mit Kraftfutter versorgt werden", sagt Lisa. Von acht bis 14 Uhr sei sie dann auf dem Hof, danach würde sie noch mit ihrem Chef zu den zwei Herden fahren.

Lisa päppelt Lämmchen bei sich zu Hause auf

Nach dem Abitur war das Freiwillige Ökologische Jahr für die tierliebe Lisa die perfekte Gelegenheit für eine Auszeit. Als sie im September begann, ahnte sie aber noch nicht, wie nah sie ihren Schützlingen kommen würde. Anfang Februar starb ein Mutterschaf beim Gebären. Lisa kümmerte sie kurzerhand um das neugeborene Lamm und übernahm die Mutterrolle.

Etwa eineinhalb Monate lang nahm sie das Lämmchen Anakin mit zu sich nach Hause. Es durfte sogar in ihrem Bett schlafen, damit es nicht auskühlt.

"Ich bin wirklich nachts alle drei Stunden aufgestanden, um ihm die Flasche zu geben.

Weil Anakin in Lisa seine Mutter sah, lief er ohne Leine immer hinter ihr her. Anakin begleitete sie so auch in ihren Verein oder in die Kletterhalle. Jetzt ist er selbstständig und lebt bei der Herde. "Diese Erfahrung ist natürlich das i-Tüpfelchen für einen FÖJler", sagt Schäfer Weitmann.

FÖJ ist ohne finanzielle Unterstützung der Eltern nicht machbar

Allerdings kann sich ein Freiwilliges Ökologisches Jahr nur der leisten, dessen Eltern weiterhin für den Unterhalt aufkommen. "289 Euro bekomme ich im Monat", sagt Lisa. Wenn man nicht mehr bei den Eltern wohnt, könne man noch knapp 200 Euro bekommen. Unrealistisch, dass man für dieses Geld ein Zimmer mieten könne.

Bundesweite Fahrradstaffel des FÖJ macht Station in Mainz

Deswegen unterstützt sie die Forderung des Bundesarbeitskreises des Freiwilligen Ökologischen Jahres: Die FÖJler wollen erreichen, dass sie zumindest einen Zuschuss zum Deutschlandticket bekommen. Auch Lisa kann sich keins von ihrem Taschengeld leisten, sie fährt sowohl jetzt als auch im Winter mit dem Fahrrad zur Arbeit.

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Autor/in
Sabine Steinbrecher
Sabine Steinbrecher ist Reporterin im SWR Studio Mainz