Das europäische Naturschutzgebiet Mainzer Sand ist ein ökologischer Schatz. Das Gebiet besteht aus einer Art Steppenlandschaft - und das mitten in Deutschland. Hier leben hunderte vom Aussterben bedrohte Arten.
In diesen Dünen haben Tier- und Pflanzenarten überlebt, die seit der letzten Eiszeit in Mitteleuropa weitgehend ausgestorben sind. Entstanden ist der Mainzer Sand vor etwa 12.000 Jahren.
Große Artenvielfalt im Mainzer Sand
Das Klima und die Bodenbeschaffenheit dieses Gebiets kommen in dieser Art nur selten vor in Europa. "Dort haben wir Reste der mediterranen Zone und der sarmartischen Zone, wie sie beispielsweise in Westrussland und in dem Gebiet zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer vorkommt", erklärt Heinz Hesping vom Bündnis "Nix in den (Mainzer) Sand setzen".
Immer wenn sich Naturräume überschneiden, ist die Artenvielfalt besonders groß.
Seltene Arten fühlen sich im Mainzer Sand wohl
Es wird geschätzt, dass im Mainzer Sand mehr als 1.000 Arten heimisch sind. Darunter allein 250 verschiedene Arten von Wildbienen, von denen die Hälfte laut Hesping bestandsbedroht ist.
Außerdem finden sich dort 100 weitere Arten, die auf der Roten Liste der bedrohten Tiere stehen, darunter die Blauflügelige Ödlandschrecke, das Weinhähnchen (beides Heuschrecken) und der Ameisenbläuling (Schmetterling).
Zusätzlich gibt es eine große Anzahl an Laufkäfern, Eidechsen und Spinnen. "Im Mainzer Sand wimmelt es auf dem Boden nur so von Käfern und Spinnen", so Hesping. Aber auch Vögel wie der Wiedehopf, die Heidelerche und der Neuntöter sind dort zuhause.
Naturschutzgebiet voller vom Aussterben bedrohter Arten
Doch nicht nur Tiere fühlen sich in diesen klimatischen Bedingungen wohl. "Pflanzen wie der Sand-Lotwurz kommen in Deutschland nur noch hier vor", erklärt Hesping. Experten schätzen, dass es derzeit noch 200 bis 300 Exemplare von ihr gibt.
Auch das Windröschen und das Adonisröschen wachsen in dieser Umgebung gut. Die meisten Arten fühlen sich im Mainzer Sand wohl, weil er drei Bedingungen erfüllt: Die Böden sind nährstoffarm und das Gebiet ist wärme- und windoffen.
Naturschutzverbände gegen Ausbau der A643
Ein Eingriff des Menschen wie der Ausbau der A643 könnte diese sensible Balance aus dem Gleichgewicht bringen und sich auf die Vegetation auswirken - und das wiederum auf die Ansiedlung seltener Arten. Schon der Bau einer Lärmschutzwand hätte laut Hesping spürbare Folgen: Damit wäre die Windoffenheit eingeschränkt und das Klima im Mainzer Sand gestört.
Außerdem würden die Abgase gegen die Lärmschutzwand geschleudert, hochgewirbelt und lagerten sich dann hinter der Wand im Naturschutzgebiet ab. Deshalb kämpfen er und andere Naturschutzverbände gegen den Ausbau der A643.
Mehrere Gruppen pflegen Mainzer Sand
Aber auch andere setzen sich auf ihre Weise dafür ein, dass der Mainzer Sand in seiner jetzigen Form erhalten bleibt - und mit ihm die außergewöhnliche Artenvielfalt. Mehrere Gruppen pflegen den Mainzer Sand, indem sie beispielsweise regelmäßig invasive Pflanzen aus dem sandigen Boden entfernen.
Deren Samen werden unter anderem von der benachbarten Wohnbebauung und den dortigen Grünanlagen per Wind auf den Mainzer Sand getragen.
Führungen durch das Naturschutzgebiet
Auch machen sich unter anderem Schulklassen regelmäßig auf den Weg in das Naturschutzgebiet, um unter fachlicher Anleitung bei der Pflege zu helfen.
Rechen statt Englischbuch Schülerinnen und Schüler pflegen Mainzer Sand
Schülerinnen und Schüler haben das Naturschutzgebiet Mainzer Sand gepflegt. Damit wollen sie verhindern, dass seltene Pflanzen von invasiven Pflanzen verdrängt werden.
Wer sich intensiver für dieses europäische Naturschutzgebiet interessiert, kann sich weitere Details vor Ort zeigen und erklären lassen. Es finden immer wieder Führungen statt - organisiert von verschiedenen Veranstaltern, zum Beispiel vom Verein "Geografie für alle".