Die erste Ernte sei sehr gut verlaufen, berichtet Daniel Ehrlich vom "Cannabis Social Club Rhoihesse" in Wörrstadt (Kreis Alzey-Worms). Ehrlich ist bei dem Verein für den Anbau der Pflanzen zuständig. Eigentlich ist der 32-Jährige im IT-Bereich tätig. Der Cannabis-Club sei ein Nebenprojekt von ihm, sagt er.
"Es war aber deutlich mehr Arbeitsaufwand, als wir uns vorgestellt haben. Wir haben so mit drei, vier Stunden Arbeit gerechnet." Am Ende waren er und sein Team aber etwa zwölf Stunden beschäftigt, bis sie alle Pflanzen abgeschnitten und zum Trocknen aufgehängt hatten.
Rund 360 Pflanzen im Cannabis-Club in Wörrstadt
Im Social Club in Wörrstadt wachsen in insgesamt drei Räumen Cannabis-Pflanzen, die mit einem elektronischen Türschließsystem gesichert sind. In jedem Raum stehen jeweils rund 120 Pflanzen. Außerdem gibt es einen großen öffentlichen Raum, in dem das Gras dann an die Mitglieder verteilt werden soll.
Was von den geernteten Pflanzen abfällt, also wie groß die Ernte am Ende war, kann Ehrlich noch nicht konkret beziffern. Ende des Monats oder spätestens Anfang März will der Verein aber in Wörrstadt das erste Cannabis an seine Vereinsmitglieder ausgeben.
Rund 170 Mitglieder im "CSC Rhoihesse"
Mittlerweile hat der "Cannabis Social Club Rhoihesse e.V." rund 170 aktive Mitglieder, die einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von 10 Euro bezahlen. Cannabis gibt's dafür aber noch nicht. "Es wird dann noch zusätzlich verschiedene Beitragsstufen geben", sagt Ehrlich. "Je nachdem, wie viel Cannabis die Person konsumieren will."
Die Betriebserlaubnis hatte der Cannabis-Club im September 2024 vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung erhalten. Damals habe der Verein seine Anlage noch aufgebaut, sodass sich die Ereignisse damals laut Ehrlich etwas überschlagen haben. "Für die Zukunft des Vereins mussten wir uns eingestehen, dass wir schnellstmöglich den ersten Raum in Betrieb nehmen müssen."
Deshalb habe der Verein praktisch in einer Baustelle begonnen, die ersten Cannabis-Pflanzen anzubauen, sagt der 32-Jährige schmunzelnd. "Aber - Stand jetzt - sind wird auf einem guten Weg, dass die Baustelle demnächst abgeschlossen ist und wir in den Regelbetrieb gehen können."
Zusammenarbeit mit Kommune "läuft super"
Die Zusammenarbeit mit der Stadt und Verbandsgemeinde Wörrstadt sei bisher super gelaufen, berichtet Ehrlich. "Wir sind von vornherein offen mit dem Thema umgegangen und haben, nachdem wir die ersten rechtlichen Hürden überwunden haben, auch direkt den Kontakt zum Bürgermeister gesucht und ihm unser Anliegen vorgetragen. Es ist auf jeden Fall gut angenommen worden."
Verein glaubt, dass Cannabis weiter legal bleibt
Dass sich die CDU/CSU im Bundestagswahlkampf dafür ausgesprochen hat, die Cannabis-Legalisierung wieder abzuschaffen, beschäftigt auch den Verein. "Natürlich wäre es ein großes Problem für uns", sagt Ehrlich. Schließlich habe der Verein auch bereits eine sechsstellige Summe in den Club investiert. "Es ist aber mein Gefühl, dass es populistisches Gerede ist."
Bei einer Großen Koalition oder einer schwarz-grünen Koalition wäre schließlich auch weiterhin jeweils eine Partei in der Regierung, die sich für die Entkriminalisierung von Cannabis eingesetzt hatte, so Ehrlich. "Eventuell werden die Regeln dann etwas verschärft. Aber wir denken nicht, dass es eine Komplett-Rückabwicklung des Gesetzes geben wird."
Auf mögliche Verschärfungen sieht sich der Verein auch gut vorbereitet. "Wir machen schon mehr als wir müssten", sagt Daniel Ehrlich. "Wir dokumentieren alles sehr genau, wir haben ein elektronisches Türsystem, eine Alarmanlage und 16 Kameras rund um das Gebäude." Mehr könne man erstmal nicht tun, sagt Ehrlich.