Fotos, die von der Kriminalpolizei am Tatort gemacht wurden, zeichnen ein Bild der Verwüstung. In jedem Raum des kleinen Einfamilienhauses der 85-jährigen Seniorin waren der Inhalt von Schränken, Kommoden und Schubladen herausgerissen, durchwühlt und auf dem Boden der Räume verteilt worden. "Ich dachte, wir sind in einem Messie-Haus gelandet. Aber dann wurde mir klar, dass jemand den gesamten Inhalt der Möbel umher geworfen hatte", kommentierte ein Streifenpolizist bei seiner Zeugenaussage vor Gericht die Beweisfotos. Er war einer der ersten vor Ort.
Fotos am Tatort zeigen Ausmaß der Verwüstung
Am zweiten Prozesstag stieg das Gericht in die Beweisaufnahme ein, vernahm daher die an den Ermittlungen beteiligten Polizisten und Kripobeamten und zeigte unter anderem Fotos vom Tatort. Doch das Ausmaß der Zerstörung war noch gewaltiger, wie sich ein Kriminalpolizist erinnerte. Nahezu jedes Fenster im Haus sei eingeschlagen gewesen, die Haustür komplett demoliert.
Die 85-jährige Frau wirkte gefasst, als die Polizeibeamten am Tatort ankamen, erklärten die Polizisten am Dienstag vor Gericht. Sie hatte die Polizei selbst verständigt mit einem Nothandy, das sie versteckt hatte. Denn ihr Haupthandy hatte der mutmaßliche Täter, ein 37-jähriger Mann, der aus Polen stammt, mitgenommen. Das Festnetztelefon hatte er, nachdem er stundenlang die Frau schlug, vergewaltigte und das Haus durchwühlte, aus der Verankerung gerissen mit der Warnung, sie solle nach seinem Gehen bloß nicht die Polizei rufen. Dies hatte die Seniorin in der ersten Vernehmung erzählt, sagte einer der Kripobeamten am Dienstag vor Gericht aus.
85-jährige Seniorin tapfer und gefasst
Eine ganze Weile musste die 85-Jährige in einem herbeigerufenen Rettungswagen ausharren, bevor sie dann am zweiten Weihnachtsfeiertag im Stadtklinikum Ludwigshafen behandelt wurde. Kripo-Beamte vernahmen die Seniorin noch im Rettungswagen. Und dann immer wieder in den kommenden Tagen und Wochen. Die Senioren musste nach dem Vorfall mehrere Male am Auge operiert werden, nachdem der mutmaßliche Täter ihr durch heftige Schläge eine Augenhöhle gebrochen hatte.
Die Kriminalbeamten erzählten am zweiten Prozesstag auch, wie sie den mutmaßlichen Täter am Silvestertag dann in einem Ludwigshafener Parkhaus fanden - im gestohlenen Auto der Seniorin. Offenbar lebte er seit mehreren Tagen darin, es war zugemüllt mit Essensresten und anderen Gegenständen.
Auswertung des Handys des mutmaßlichen Täters
In ersten Ermittlungen werteten die Beamten dann auch das Handy des 37-Jährigen aus. Textnachrichten wiesen auf eine enge Verbindung zu einem Mann, der bei der Polizei zwischendurch als möglicher Mittäter gehandelt wurde, so die Kripobeamten. Auch habe der Angeklagte diesem Mann eine Sprachnachricht geschickt, in der er die sexuellen Handlungen an der Seniorin bedaure.
Bislang kein Hinweis auf zweiten Täter
Doch eine Wohnungsdurchsuchung bei dem angeblichen Mittäter ergab keinerlei Hinweise darauf, dass er in der Tatnacht tatsächlich am Überfall auf die Seniorin beteiligt war, so die Ermittler. Ein Kripobeamter äußerte am zweiten Prozesstag generell Zweifel daran, dass ein zweiter Mann in jener Nacht die 85-Jährige mit überfallen hat.
Drei Wochen war die Seniorin laut Gericht stationär im Klinikum Ludwigshafen, so stark waren ihre multiplen Verletzungen nach dem Raub und der Vergewaltigung. Der mutmaßliche Täter hätte bei seiner Festnahme und anschließenden Vernehmung alles regungslos über sich ergehen lassen, so ein Beamter. "Er hat eigentlich kein Wort mit uns gesprochen", erklärte ein Kriminalpolizist.