Ukrainer aus der Pfalz sprechen über ihre Gedanken zu einem möglichen Frieden, ihre Hoffnungen auf ein Ende des Krieges und ihre Sorgen.
Die deutsch-ukrainische Filmemacherin Sofia Samoylova aus Ludwigshafen
Sofia Samoylova ist Fotografin und Filmemacherin. Sie ist in der Ukraine aufgewachsen, kam mit zehn Jahren nach Deutschland, nach Ludwigshafen. Bereits im Jahr 2015 war sie für einen Dokumentarfilm im Osten der Ukraine unterwegs, als dort schon Bürgerkrieg herrschte. Regelmäßig reist sie trotz des Kriegs mit dem Bus in den Osten ihrer alten Heimat, denn dort wohnen ihre Großeltern.
Auf die angekündigten Friedensgespräche zwischen Selenskyj und Putin reagiert sie positiv. "Es ist schon längst überfällig, dass sie sich treffen", so Samoylova. "Wenn die beiden sich persönlich treffen würden, hätte das eine ganz andere Dimension." Vielleicht könne dadurch ein bedeutenderes Ergebnis zu Stande kommen. Die Filmemacherin sagt von sich, sie sei ein optimistischer Mensch. "Ich habe auf jeden Fall einen Funken Hoffnung", so Samoylova. Doch die Erfahrung seit 2014 zeige, dass Ergebnisse von Friedensgesprächen nicht lange halten - so wie die Ergebnisse damals beim Ukraine-Gipfel in Paris mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Sie hält es für wahrscheinlich, dass sich Russlands Präsident Putin an diesem Donnerstag tatsächlich mit dem ukrainischen Präsidenten Selensky treffen wird. "Ich kann mir schon vorstellen, dass sie sich treffen", so Samoylova und findet: "So einen Schritt in die richtige Richtung traue ich Russland zu, mit vielen Schleichwegen, so dass man am Ende wieder zurückrudern kann."
Sie hält es für denkbar, dass die Ukraine in einem Friedensprozess auf eigene Gebiete verzichten. "Ich kann mir schon vorstellen, dass am Ende solche Kompromisse gefunden werden." Für sie ist klar, für die Ukraine gehe es um unglaublich viel. "Es geht nicht nur darum, Leben zu retten, sondern um eine Demokratie und Freiheit in diesem Land", so die Filmemacherin. "Dafür zahlen die Menschen dort gerade einen unfairen Preis, das tut so weh."
Natalia Burova: Vor drei Jahren aus der Ukraine nach Ludwigshafen gekommen
Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern lebt inzwischen seit drei Jahren in Ludwigshafen. Sie ist wegen des Ukraine-Krieges aus ihrer Heimat im Osten der Ukraine, im Gebiet Donezk, geflogen. Die Situation in der Ukraine bereitet ihr große Sorgen. Ihr 29-jähriger Sohn ist noch vor Ort. Mit ihrer Tochter baut sie sich seit drei Jahren ein neues Leben in Deutschland auf. Inzwischen hat sie einen Job als Köchin in Mannheim gefunden.
Falls es Friedensgespräche geben sollte, fände sie es sehr positiv. "Direkter Dialog ist die Voraussetzung für Frieden, auch wenn er schwierig ist." Solche Gespräche könnten ein Zeichen dafür sein, dass beide Seiten Interesse an einer Deeskalalation haben. "Das wäre ein Hoffnungsschimmer in einem sehr brutalen und langen Krieg", so Burova. Doch die Wahrscheinlichkeit dafür hält sie für gering.
Falls es zu Gesprächen kommen sollte, hofft sie, dass es zu einem dauerhaften Waffenstillstand kommen wird und einem Truppenabzug Russlands. Ein Friedensabkommen sollte beschlossen werden - mit Sicherheitsgarantien für die Ukraine - so ihr Wunsch. Zumindest einen ersten Schritt in diese Richtung würde sich die 48-Jährige wünschen.