SWR Aktuell: Die Kurpfalzkaserne soll vermutlich an die Bundeswehr zurückgehen. Eigentlich wollte die Stadt da Wohnraum schaffen. Was sind die Pläne für die Kurpfalzkaserne?
Stefanie Seiler: Die Bundeswehr wird aller Voraussicht nach an den Standort Speyer zurückkommen. Im Moment finden noch Abstimmungsgespräche statt. Wir werden die Bundeswehr willkommen heißen, auch wenn wir natürlich in einer friedlicheren Welt diese Grundstücke gern für Wohnungen und Gewerbe ausgebaut hätten. Wir haben noch landwirtschaftliche Flächen, die wir schon vor Jahren ausbauen wollten. Dort wollen wir ein urbanes Gebiet entwickeln. Das ist der letzte Außenbereich, den wir ausbauen wollen, weil wir auch die Landwirtschaft in Speyer brauchen.
SWR Aktuell: Zuletzt hatten die Firmen Mann+Hummel und bei TE Connectivity angekündigt, dass sie über 1.000 Stellen abbauen wollen. Wie wollen Sie das kompensieren?
Seiler: Im Moment sind wir noch in der Diskussion beziehungsweise die Gewerkschaften im Arbeitskampf. Das ist wichtig. Die Entscheidungen wurden fernab von Speyer getroffen, wir wurden nicht gefragt, und es zeigt uns auch, dass wir uns überlegen müssen, welche Unternehmen wir nach Speyer holen wollen. Wenn Industrieunternehmen sagen, der Profit reicht uns nicht mehr am Standort Speyer oder in Deutschland, dann wird es auch schwierig für Städte, eingreifen zu können. Und wir werden selbstverständlich gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Perspektiven entwickeln.
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In Speyer hat ein weiteres Unternehmen angekündigt, seine Produktion am Standort einstellen zu wollen. 630 Beschäftigte bei TE Connectivity würden dadurch ihre Arbeit verlieren.
SWR Aktuell: Der Sommer in Deutschland war extrem heiß. Welche Hitzeschutzkonzepte haben Sie für Speyer?
Seiler: Wir haben erste Entwürfe, insbesondere für Kitas und Schulen. Wir haben ein Förderprogramm für die Kernstadt Mitte, für die Innenstadt, weil wir eine hoch versiegelte Stadt sind. Wir gehen das Ganze mehrgleisig an: Das eine ist die langfristige Strategie über den digitalen Zwilling mit dem Deutschen Wetterdienst. Das andere ist: Wir werden im Herbst jede Kita begehen, um dann zu schauen, welche Maßnahmen wir ergreifen können – vom Hitzeschutz im Außenbereich, Entsiegelung, Baumpflanzung, aber auch die Jalousien an den Gebäuden, bis hin zu kühlen Räumen durch Klimaanlagen.
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Mike Oehlmann will neuer Oberbürgermeister von Speyer werden. Er ist Einzelkandidat und wird von CDU, FWG und FDP unterstützt. Wir haben ihm Fragen zur Zukunft der Stadt gestellt.
SWR Aktuell: Thema Energieversorgung durch Geothermie: Was plant die Stadt und was ist der aktuelle Stand?
Seiler: Wir planen ein Großprojekt, ich glaube, bundesweit einmalig, weil wir als kommunales Unternehmen im Bereich der Geothermie investieren wollen. Wir sind hier in der Standortabstimmung mit einer der Umlandgemeinden. Wir haben das Unternehmen Geopfalz gegründet und sind überzeugt, dass wir insbesondere im Bereich der Energieerzeugung unabhängig sein wollen. Ich verstehe aber auch die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger. Deswegen ist Aufklärungsarbeit wichtig, und da haben wir schon viele Informationsveranstaltungen in den betroffenen Gemeinden gemacht. Unser Ziel ist Geothermie, um versorgungsunabhängig zu werden.
"Handvoll Standorte" in engerer Wahl Standortsuche für Geothermie in Speyer und Schifferstadt läuft
Bis Ende März soll feststehen, wo genau in Speyer oder Schifferstadt ein Geothermiekraftwerk gebaut werden könnte. Das sagen die Verantwortlichen des kommunalen Projekts.
Zu dem aktuellen Stand: Wir sind in der Standorteruierung. Wenn das abgeschlossen ist, kann es losgehen. Die große Herausforderung wird die Transporttrasse sein. Da sind wir in einer engen Abstimmung mit unseren kommunalen Stadtwerken. Ich finde, das muss man deutlich machen: Wir sind die einzige Kommune, die es so angeht. In den anderen Städten sind meistens Beteiligte aus anderen Ländern dabei. Und es ist für uns ganz wichtig, dass es in kommunaler Hand bleibt und wir auch Verantwortung übernehmen, Rede und Antwort stehen, aber auch das Zutrauen der Bevölkerung für dieses große Projekt bekommen.