Keine Entlassungen geplant

Kurz vor der Pleite: Bistum Speyer rettet Caritas mit Millionenkredit

Dem Caritasverband für die Diözese Speyer geht es finanziell sehr schlecht. Am Donnerstag informierte die Caritas über ihre Millionenschulden und die Folgen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Paul Lütge, Florian Busch

Dass der Caritasverband Speyer große finanzielle Probleme hat, zeigt sich schon daran, dass der Jahresabschluss für 2024 nicht wie gewohnt im Juni war. Stattdessen ist er erst jetzt im Oktober da. Der Grund findet sich in den Bilanzen: 33,5 Millionen Euro schlagen für 2024 als Jahresverlust zu Buche. Und das bei einem Umsatz von 256 Millionen Euro. "Der Caritasverband Speyer durchlebt eine schwierige Situation", fasste es Theo Wieder, Vorsitzender des Caritasrates, zusammen.

Verantwortliche des Caritasverbands für das Bistum Speyer auf der Pressekonferenz am Donnerstag.
Verantwortliche des Caritasverbands für das Bistum Speyer auf der Pressekonferenz am Donnerstag.

Caritas Speyer hat 33,5 Millionen Minus gemacht

Laut Wirtschaftsprüfer machten der Caritasverband Speyer und seine Betriebsträgergesellschaft im vergangenen Jahr gemeinsam die Millionenschulden. Um diese Liquiditätslücke zu schließen, hatte die Caritas Markus Bennemann von der Beratungsfirma TMC aus Dortmund engagiert, der sich ab Mitte 2025 einen Überblick über die Zahlen verschaffte.

Wirtschaftsprüfer: Bistum rettet Caritas vor der Pleite

In den Jahren 2025 und 2026 bekommt der Caritasverband vom Bistum Speyer ein Darlehen in Höhe von insgesamt 11 Millionen Euro, das in zwei Tranchen ausbezahlt wird. Wie ernst die Lage ist, machte Wirtschaftsprüfer Dirk Riesenbeck-Müller von der Firma Solidaris deutlich: "Die Fortführung des Unternehmens ist nur möglich dank des Darlehens des Bistums." Ohne das Darlehen sei der Bestand des Verbands akut in Gefahr.

Was hilft der Caritas Speyer aus der Krise?

Berater Markus Bennemann ist inzwischen Interimsvorsitzender des Caritasverbands Speyer. Er hat eine Strategie entwickelt, wie der Verband wieder auf die Beine kommen könnte. Wie Bennemann sagte, habe die Caritas für ihre Leistungen in der Vergangenheit zu wenig Geld erhalten. Deshalb sollen Verhandlungen mit den Kostenträgern geführt werden. Das sind unter anderem Kommunen, Land oder Pflegekassen. Ziel sei, bessere Konditionen auszuhandeln.

Ende 2026 wieder schwarze Zahlen?

Außerdem konnten laut Bennemann etliche Einrichtungen der Caritas nicht voll belegt werden, weil es an Personal gefehlt habe. Beispielsweise standen Zimmer in Pflege- oder Alteneinrichtungen dann teilweise leer. Das führte dem Berater zufolge ebenfalls zu weniger Umsatz. Um Abhilfe zu schaffen, sollen nun mehr Mitarbeitende eingestellt werden. Einsparpotentzial sieht Bennemann auch bei Leiharbeitskräften. Die seien doppelt so teuer wie Festangestellte. Wenn es der Caritas gelinge, ihre Strategie umzusetzen, dann könnte Ende 2026 erstmals wieder ein positives Ergebnis von 2 Millionen Euro in der Bilanz stehen, so Bennemann.

Bistum Speyer will monatlichen Bericht von Caritas

"Der Dienst am Menschen ist ein zentrales Wesensmerkmal der Kirche“, erklärte der Generalvikar des Bistums, Markus Magin. "Kirche ist ohne die Caritas nicht denkbar." Die Finanzspritze von 11 Millionen Euro knüpft das Bistum aber an eine Bedingung: Monatlich muss die Caritas einen Report ablegen, wie das Geld eingesetzt wurde und wie die Sanierung voranschreitet.

Warum wurden Schulden lange verschwiegen?

Warum der Rat offenbar unzureichend über die eigentliche Lage der Caritas informiert wurde, soll laut Theo Wieder nun aufgearbeitet werden. Insgesamt "sind noch viele Schritte notwendig", meinte der Vorsitzende des Caritasrates. Er ist aber zuversichtlich, dass die Lage nun richtig erfasst wurde und es in Zukunft in die richtige Richtung geht.

Die Caritas hat im Bistum Speyer rund 3.500 Mitarbeiter und betreibt 40 Einrichtungen, darunter Altenheime, Wohnheime und Beratungsstellen. Sie ist eines der größten Sozialunternehmen in der Pfalz.

Landau
Mehr Kinder in der Pfalz brauchen Hilfe wegen Gewalt. Die Beratungsstellen sind überlastet. In Landau gibt es sogar einen Aufnahmestopp.

Kinderschutzdienste am Limit Mehr Kinder in der Pfalz brauchen Hilfe wegen Gewalt

Mehr Fälle, zu wenig Personal: Die Stellen, die sich nach sexueller, körperlicher oder seelischer Gewalt um Kinder kümmern, arbeiten am Anschlag - sie brauchen mehr Geld.

SWR4 am Montag SWR4

Speyer
Altkleidercontainer der Caritas

Für die Diözese Speyer Caritas lässt alle 165 Container für Altkleider in der Pfalz entfernen

Die Caritas in der Diözese Speyer steigt aus der Altkleider-Sammlung mit Containern aus. Deren Vertragspartner, die insolvente Texaid in Darmstadt, soll alle Container entfernen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Paul Lütge
Ein Bild von Paul Lütge
Florian Busch

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!