Der Naturschutzbund versucht seit Jahren über ein Meldesystem zu dokumentieren, inwieweit sich die Gottesanbeterinnen im Land ausbreiten. Und noch nie sind so viele in Rheinland-Pfalz gesichtet worden wie in diesem Jahr, heißt es von der NABU-Gruppe in Landau: Demnach waren es im vergangenen Jahr 49 Meldungen, in diesem Jahr bislang 688. Überrascht ist man trotz des enormen Anstiegs aber nicht: Gottesanbeterinnen lieben nun mal die Wärme und breiten sich im Zuge des Klimawandels auch in Deutschland immer weiter aus, sagt Cornelia Rühe von der Landauer Regionalstelle.
Blutige Hochzeitsnacht: die Gottesanbeterin neigt zum sexuellen Kannibalismus
Die Gottesanbeterin ist eine Fangschrecke. Berühmt und berüchtigt ist sie vor allem wegen ihres Paarungsverhaltens: dem sexuellen Kannibalismus. Nach der Paarung kann es durchaus vorkommen, dass das Weibchen das Männchen verspeist. Sonst stehen vor allem kleinere Insekte auf der Speisekarte.
"Die Gottesanbeterinnen fallen jetzt im August vor allem auf, weil sie gerade auf Partnersuche sind und die Weibchen auch schon eine ordentliche Größe haben", sagt Cornelia Rühe. Bis zu acht Zentimeter kann das Weibchen groß werden, das Männchen kommt auf etwas weniger. Und dennoch ist es kein Selbstläufer, eine Gottesanbeterin zu entdecken: "Sie sind sehr gut getarnt. Sie bewegen sich sehr langsam und haben ein großes Spektrum an Grün- und Brauntönen."
Was tun, wenn ich eine Gottesanbeterin in der Wohnung habe?
Wo die Gottesanbeterin auf jeden Fall auffällt: Wenn sie an der weißen Tapete in der eigenen Wohnung hängt. "Ruhe bewahren: Die haben keinen Giftstachel und können nicht beißen", rät Cornelia Rühe: "Einfach ein Blatt Papier nehmen und draufkrabbeln lassen. Oder vorsichtig ein großes Glas drüberstülpen, sodass das Tier sich nicht verletzt und dann erstmal in Ruhe anschauen: So eine Begegnung ist doch spannend!"
Danach trage man die sexuelle Kannibalin dann an einen geschützten Ort, setze sie vorsichtig aus, und freue sich, dass man so ein tolles Tier gesehen hat. Und der Naturschutzbund freut sich insbesondere über eine Meldung, vielleicht sogar mit Foto, unter nabu-naturgucker.de.