Der Bolzplatz in Ludwigshafen-Mundenheim ist an diesem Dienstag ungewöhnlich voll. Es läuft alles ein bisschen chaotisch: Rund 50 Kinder und Jugendliche sind auf und um den Platz. Jeweils 20 Kids sind auf dem Spielfeld. Hier läuft gerade ein Turnier von "buntkicktgut", gut zu sehen an den bunten Transparenten der Initiative, die an den Zäunen des Bolzplatzes aufgehängt sind. Seit 2018 gibt es "buntkicktgut" auch in Ludwigshafen. Die Projektidee kommt aus München.
Ein paar Eltern verfolgen die Szene vom Spielfeldrand aus. Deutsch-Rap tönt über den Platz. Das Projekt in Ludwigshafen wird von Streetworkern unterstützt. "buntkicktgut" hat eine eigene Liga ins Leben gerufen. Das soll sportliches Miteinander fördern – unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund.
Beim Fußball sollen Werte vermittelt werden
"Toleranz, Fairplay, gegenseitiger Respekt, Verantwortung" – das sind laut Projektkoordinator Yasin Uddin die zentralen Werte. Der sportliche Erfolg steht nicht im Vordergrund. Viele Teilnehmende schätzen vor allem das Gemeinschaftsgefühl und den Spaß am Spiel. Yasin war früher selbst Trainer bei "buntkicktgut" in Ludwigshafen und leitet heute die Organisation vor Ort. Seit 2021 betreut er Teams, organisiert Spieltage und begleitet die Jugendlichen.
Kids organisieren sich selbst statt im Verein
In Ludwigshafen funktioniert es so: Jugendliche gründen eigene Mannschaften – meist direkt auf den Bolzplätzen der Stadtteile. Dann melden sie sich bei "buntkicktgut" an. Es gibt keine Vereinsbindung, keinen Mitgliedsbeitrag. Gespielt wird in mehreren Altersgruppen: U13, U16, Ü16 sowie in einer eigenen Mädchenliga.
Rund 350 Jugendliche sind aktuell dabei, nach Angaben der Organisatoren aus etwa 20 verschiedenen Nationen. Alle, die die Liga mitgestalten möchten, können das auch als Trainer oder Trainerinnen oder als sogenannte Streetfootballworker. Koordinatoren und Streetworker der Stadt Ludwigshafen begleiten sie und greifen bei Problemen auch mal ein.
Unterstützung durch Stadt und Fördermittel
Das Projekt wird über Spenden, Sponsoren, Fördermittel und kurzfristige Partnerschaften finanziert. Davon wird nicht nur die Organisation der Ligaspiele bezahlt, sondern auch Sommercamps oder Ausflüge ermöglicht, damit auch Jugendliche aus ärmeren Familien mitfahren können. Die Stadt Ludwigshafen unterstützt das Projekt: Sie stellt Räume oder Sporthallen für das Wintertraining zur Verfügung oder städtische Busse - außerdem die Mitarbeit der städtischen Streetworker. Die Initiative in München bezahlt den Jugendlichen vor Ort eine Aufwandsentschädigung für ihr Engagement. Außerdem stellt sie Mitarbeiter wie Yasin als Werkstudenten ein.
"Ludwigshafen war perfekt – es gab viele Bolzplätze und viele Jugendliche", sagt André Ulrich dem SWR. Er war städtischer Sozialarbeiter in Ludwigshafen und brachte das Konzept 2017 aus München mit. Er baute das Projekt vor Ort auf. Laut Ulrich war das Interesse schnell groß und verbreitete sich wie ein Lauffeuer über die Bolzplätze der Stadt. Ihn fasziniert besonders, dass sich die Jugendlichen ihr Wissen gegenseitig weitergeben - sei es auf dem Spielfeld oder bei der Organisation.
Klare Regeln, auch bei informellem Rahmen
Gespielt wird nach festen Regeln – auch wenn der Rahmen informell ist. Verstöße gegen Fairplay oder Absprachen werden geahndet. Über Konsequenzen entscheidet der sogenannte Ligarat. Dort sitzen auch Jugendliche, die selbst mitgestalten und mitentscheiden. Werden Spieler oder ganze Mannschaften gesperrt, müssen sie sich schriftlich für ihr Fehlverhalten entschuldigen. "Man kann sein Team nicht einfach wechseln – das lehrt, gemeinsam Lösungen zu finden", sagt Yasin Uddin, der Projektkoordinator in Ludwigshafen.
Für viele Jugendliche ist "buntkicktgut" ein Ort, an dem sie ernst genommen werden und Verantwortung übernehmen können. Es geht um mehr als nur Tore.