Gemeinderat lehnt Bürgerbegehren ab

Tiefengeothermie in der Nähe von Speyer soll kommen

Der Rhein-Pfalz-Kreis soll ein Geothermie-Heizwerk bekommen. Im Winter 2027 könnten die Bohrungen in Neuhofen starten. Dagegen gibt es Proteste. Es gibt aber auch Befürworter.

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Von Autor/in Anna Flörchinger

Geothermie: Das ist ein technisches Thema, bei dem vieles durcheinanderkommt. Ein Thema, das die Gemüter erhitzt. In Neuhofen (Rhein-Pfalz-Kreis) ist das der Fall. Hier wurden Studien durchgeführt, hier wurde Wärme unter der Erde gefunden. Gebohrt wurde noch nicht, das könnte aber in gut einem Jahr der Fall sein. Dagegen gibt es Proteste, aber auch Befürworter.

Tiefengeothermie in Neuhofen kommt auf Ackerfläche

Aber, von vorn: 2023 wurde das kommunale Unternehmen "Geopfalz" gegründet. Dieses kümmert sich um das Geothermie-Heizwerk "Rhein-Pfalz". Bis vor einem Jahr sollte in Waldsee bei Speyer gebohrt werden. Doch seit August 2025 ist das nicht mehr der aktuelle Stand: Eine Bürgerinitiative hatte sich gewehrt.

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Nun gibt es seit etwa einem halben Jahr einen neuen Standort: Eine Ackerfläche von etwa 25.000 Quadratmetern in der Nähe des Baggersees Schlicht bei Neuhofen. Die Bohrziele unterhalb der Erdoberfläche sind gleichgeblieben, denn durch verschiedene Studien wisse man, dass in der Region besonders heiße Thermalwasservorkommen vorhanden sind, heißt es von der Geopfalz. Der Geopfalz gehört das Grundstück zum größten Teil bereits.

Geothermie als Teil der kommunalen Wärmeplanung

Geothermie ist eine Art der Wärmeversorgung, sie zählt zu den erneuerbaren Energien. Durch Bohrungen in das Erdinnere macht sie die dort vorhandene Wärme nutzbar. In Rheinland-Pfalz gibt es bereits in Landau und Insheim ein Geothermiekraftwerk.

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Der Fall in Neuhofen unterscheidet sich von anderen: Hier ist ein kommunales Unternehmen zuständig, andernorts sind es private Unternehmen. Die kommunale Projektgesellschaft "Geopfalz" hat die Stadtwerke Speyer GmbH und die Stadt Schifferstadt als Gesellschafter, im Frühling ist die neu gegründete Gesellschaft "Regenerative Energien Neuhofen AöR" dazugekommen.

Geothermieprojekt "Rhein-Pfalz" in Neuhofen: Wie ist der Stand?

In Neuhofen gibt es zwei Projekte, zwischen denen unterschieden werden muss. Zum einen geht es um das Geothermie-Heizwerk- Projekt "Rhein-Pfalz". Dafür ist die Geopfalz zuständig: Sie will südlich von Neuhofen ein Heizkraftwerk bauen. Die Geopfalz bekommt für die Bohrungen Fördermittel vom Bund, die weitere Finanzierung erfolgt durch die Gründungsgesellschafter. Der kommunale Haushalt von Neuhofen soll dabei nicht belastet werden.

Symbolbild: Geothermieprojekt in Neuruppin
Symboldbild: Bohrstart des Geothermieprojekts in Neuruppin Picture Alliance

Tiefengeothermiebohrungen in Neuhofen könnten im Herbst 2027 beginnen

Noch haben in Neuhofen die Bohrungen nicht begonnen. Claire Weihermüller, Geophysikerin und Geschäftsführerin der Geopfalz, erklärt den Zeitplan: Gerade bereitet die Geopfalz die Genehmigungsanträge für die Bohrungen und das Geothermie-Heizwerk vor. Man erhoffe sich, im Herbst oder Winter 2027 mit den Bohrungen zu beginnen. Bis dahin muss das kommunale Unternehmen Ausschreibungen veröffentlichen.

Wärmenetzversorgung in Neuhofen besonders günstig

Die aus der Tiefengeothermie gewonnene Wärme möchte Neuhofen nutzen. Deshalb gibt es ein zweites Projekt: das der Wärmeverteilung. Dieses Projekt, bei dem es um ein eigenes Wärmenetz für Neuhofen geht, ist bereits angestoßen, so Bürgermeister Marohn. Die Ortsgemeinde will dafür eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Das Ergebnis erwarte man bis zum Herbst 2027. Die Studie soll zeigen, wie die Wärme in die Haushalte verteilt werden kann und ob sich das finanziell lohnt. Von der Wärmegewinnung und -verteilung werde die Gemeinde Neuhofen durch einen stabilen Wärmepreis profitieren, hier sind sich Geopfalz und Bürgermeister einig.

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Gegen das Projekt gibt es in Neuhofen und Waldsee Proteste. Eine Bürgerinitiative hatte drei Bürgerbegehren dagegen gestellt. Ende Juli 2026 urteilte das Verwaltungsgericht in Neustadt, dass alle drei Bürgerbegehren unzulässig sind. Am 08.09.2026 stimmte auch der Gemeinderat Neuhofen in einer Gemeinderatssitzung einstimmig gegen die drei Bürgerbegehren.

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Risse in Häusern: Welche Risiken hat das Geothermieprojekt in Neuhofen?

Die Bürgerinitiative fürchtet zum Beispiel eine Umweltbelastung an der Schlicht in Neuhofen sowie Lärmbelastung. Die Geopfalz rechnet mit keiner erhöhten Lärmbelästigung - die Bohrungen finden unter der Erde statt. Zudem seien die Bohrtechniken erprobt.

Weiter fürchten Gegner des Geothermieprojekts, dass Risse an Häusern entstehen könnten, sagt Tamas Biro von der Bürgerinitiative. Davon geht die Geopfalz nicht aus. Ein Restrisiko könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, sagt Jörg Uhde von der Geopfalz. Sollte nachgewiesen werden, dass Risse an Häusern durch Bohrungen kommen, sei die Geopfalz umfassend versichert, um für die Schäden aufzukommen.

Proteste in Neuhofen: Spaltet das Thema Geothermie den Ort?

Neben der Bürgerinitiative gibt es auch Befürworter des Geothermie-Projekts. Jürgen Fink ist Anwohner und glaubt, dass es eine schweigende Mehrheit gebe, die nicht so laut wie Bürgerinitiative ist - aber hinter den Plänen steht. Fink sagt: "Wir brauchen die Energie für die Wärmewende und es ist gut, dass wir eine kommunale Wärmeplanung haben." Wärmepumpen seien zwar auch eine Alternative, aber: "Es ist unsozial, denn nicht jedes Grundstück hat den Platz für eine Wärmepumpe." Zudem glaubt er, dass die Gemeinde von der billigen Energie profitieren wird. Man könne sich nicht auf billiges Gas aus Russland verlassen, diese Zeiten seien ohnehin vorbei.

Die Bürgerinitiative aus Neuhofen glaubt hingegen, die Mehrheit des Orts sei gegen das Geothermie-Heizwerk. Sie wirft dem Gemeinderat vor, dass der politische Wille fehle, die Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden zu lassen. Man habe das Gefühl, das Projekt werde mit allen Mitteln durchgedrückt, sagt Tamas Biro von der Bürgerinitiative. Deshalb wollen sie weiter gegen das Geothermie-Projekt kämpfen. Die Bürgerinitiative hat Bedenken, ob die Gemeinde wirklich von der gewonnenen Wärme des Geothermie-Heizwerks profitieren würde, weil das Fernwärmenetz noch nicht ausgebaut sei.

Bürgerbüro für Informationen über Tiefengeothermie

Die Lage ist verzwickt, die Fronten verhärtet. Die Geopfalz bietet nach eigenen Angaben ein Bürgerbüro zur Wärmeversorgung an, in dem sich Bürgerinnen und Bürger persönlich informieren können. Weiter möchte das kommunale Unternehmen Informationsveranstaltungen anbieten.

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Anna Flörchinger
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