Zum internationalen Tag der Gebärdensprache am Mittwoch stellten Schülerinnen und Schüler im Media-Turm der Medienanstalt Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen das sogenannte "Visual Vernaculars" vor - eine expressive Erzählkunst mit den Händen, ganz ohne gesprochene Wörter.
Zu Beginn der Veranstaltung hat die Influencerin und Deaf Performerin Cindy Klink das hörende und gehörlose Publikum gleichermaßen auf das Thema eingestimmt. An ihrer Seite: eine Simultan-Übersetzerin, die Gesprochenes in Gebärdensprache übersetzt und Gebärdetes in Gesprochenes. Cindy Klink beherrscht beide Sprachen. Sie setzt sich seit Jahren für eine barrierefreie Kommunikation und eine inklusive Gesellschaft ein.
Influencerin Cindy Klink, die Stimme der Gehörlosen
Cindy Klink berichtet von ihren persönlichen Erfahrungen: "Viele Menschen denken: Sobald man gehörlos oder schwerhörig ist, ist das Leben vorbei", sagt sie. Das bekomme sie auch oft von Eltern oder Lehrern gehörloser Kinder zu hören. "Dabei fängt das Leben gerade erst an!"
Man könne ebenso erfolgreich sein, wie jeder andere auch, erklärt die junge Frau. Und weiter: "Ich versuche den Schülerinnen und Schülern auch mit meiner eigenen Geschichte Mut zu machen. Die sind genau so wertvoll, wie jeder andere."
Cindy Klink kam über Umwege zu Schauspiel und zur Deaf Performance. Außerdem tritt sie mit Bands wie den Fantastischen Vier oder Wincent Weiss auf und übersetzt deren Songs simultan in die Gebärdensprache. "Ich bin mit der Gebärdensprache aufgewachsen, das ist meine Muttersprache", sagt sie.
Erzählen für Gehörlose in Frankenthal: eine Kunst
Auch in der Frankenthaler Innenstadt ging es am Mittwoch um Gehörlosigkeit. An einem Infostand des Fachdienstes für Hörgeschädigte konnten Passanten die Gebärdensprache kennenlernen – zum Beispiel in einem kurzen Schnupperkurs oder in einem Gebärdenquiz. Das ist auch online auf der Webseite der Fachdienste für Hörgeschädigte verfügbar.
Das Ziel ist laut Britta Schönfelder, der stellvertretenden Leiterin der Fachdienste: Menschen – ob hörend oder gehörlos – für Gebärdensprache begeistern und gleichzeitig auf Sprachbarrieren aufmerksam machen, denen Gehörlose im Alltag oft begegnen. Dabei können schon einfache Gebärden, wie essen, schlafen oder schwimmen hilfreich sein. Deshalb sei es wichtig, dass auch hörende Menschen einige grundlegende Gebärden kennen.
"Die Erzählkunst ähnelt ein bisschen der Pantomime", erklärt eine Sprecherin des Medienanstalt Rheinland-Pfalz, die das Event mitveranstaltet hat. Nur wer Gebärdensprache kann, verstehe Visual Vernaculars, aber auch für alle anderen sehe es total toll aus, so die Sprecherin weiter.
Veranstaltungen für Gehörlose oft nicht zugänglich Zu wenige Gebärdendolmetscher in der Politik in Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz gibt es viel zu wenige Dolmetscher für Gebärdensprache. Viele politische Veranstaltungen bleiben deswegen für gehörlose Menschen unzugänglich.
Schüler zeigen in Ludwigshafen Ergebnisse eines Workshops
Die Schülerinnen und Schüler kamen vom Pfalzinstitut für Hören und Kommunikationen, einer Schule für Kinder und Jugendliche mit Hörschädigung. Sie zeigten in Ludwigshafen die Ergebnisse aus einem Workshop, der im Sommer unter Anleitung eines gehörlosen Künstlers und Moderators in den Räumen der Medienanstalt Rheinland-Pfalz stattgefunden hat.
Orte der Begegnung Gottesdienste für Gehörlose: Raum für Austausch in eigener Sprache
In Koblenz findet einmal im Monat ein evangelischer Gottesdienst für gehörlose Menschen statt. Geleitet wird er von Pfarrer Detlef Kogge. Wie läuft der Gottesdienst ab?
Der Workshop wurde von den Ohrenspitzern mitorganisiert, einem medienpädagogischen Projekt zur Förderung des Zuhörens bei Kindern und Jugendlichen.