Hat er schon Medikamente bekommen? War er schon auf Toilette? Ist der Arzttermin schon ausgemacht? Das sind Fragen, die sich Menschen häufig bei der Pflege ihrer Familienmitglieder stellen. Besonders, wenn sie sich die Pflege eines Angehörigen mit mehreren Personen teilen.
Tom Groß aus Betzdorf kennt das Problem gut. Er pflegt gemeinsam mit mehreren Familienmitgliedern seinen an Demenz erkrankten Opa. Als solche Probleme häufiger auftreten, beschließt er, das Ganze selbst in die Hand zu nehmen.
Projekt wurde neben der Schule gestartet
Obwohl Tom erst 17 Jahre alt ist und aktuell Abitur macht, nutzt er seine Freizeit für die Entwicklung eines Programms, das bei der Organisation häuslicher Pflege helfen soll. Neben Grundlagen aus dem Informatikunterricht hilft ihm beim Programmieren der Anwendung vor allem auch künstliche Intelligenz.
Wenn mir irgendwas in den Kopf kommt, dann versuche ich das immer umzusetzen.
Da er nachmittags nach der Schule viel Zeit gehabt habe und in den Wintermonaten sowieso viel zu Hause gewesen sei, habe er das Projekt begonnen, sagt Groß. Dabei hätten ihm auch seine Motivation und einige Energy Drinks geholfen. "Wenn mir irgendwas in den Kopf kommt, dann versuche ich das immer umzusetzen", sagt er.
Programm hilft vor allem bei der Organisation von Pflege
Mit dem Programm "HomePflegies" lässt sich unter anderem dokumentieren, wann welche Medikamente eingenommen wurden. Außerdem können die Pflegeeinsätze der Familienmitglieder geplant werden. Er plane jetzt, demnächst auch eine sogenannte Demenzwelt zu integrieren, um damit auch speziell Leuten wie seinem Opa zu helfen, sagt Tom Groß. Sie soll spielerisch der Demenz entgegenwirken, beispielsweise durch die Zuordnung von Bildern und Wörtern.
Das neue an dem Programm ist laut Groß der ganzheitlich Ansatz - also, dass sich die Funktionen nicht über mehrere Anwendungen verteilen, sondern in einem Programm gebündelt sind. Dabei spiele auch der Datenschutz eine wichtige Rolle. So sei beispielsweise technisch ausgeschlossen, dass Daten eines Pflegekreises durch einen anderen eingesehen werden. Und auch Passwörter werden laut Groß nach aktuellen Standards verschlüsselt.
Pflege des Opas ist durch das Programm einfacher geworden
Die Entwicklung des Programms habe vor allem dafür gesorgt, die Zettelwirtschaft bei der Pflege seines Opas zu reduzieren. "Wir sind auf jeden Fall sehr viel organiserter", sagt Tom Groß.
Als er sieht, wie viele Menschen auch in Deutschland ihre Familienangehörigen zu Hause pflegen, beschließt Groß, das Programm auch für die breite Masse verfügbar zu machen. "Wenn man sich die Zahlen anguckt, sieht man, es sind wirklich sehr viele Leute, die man damit entlasten könnte."
Etwa 100 Menschen nutzen das Angebot bisher
Die Anwendung ist aktuell nur über den Browser zu erreichen. Die Kosten variieren je nachdem, wie viele Personen sich um die zu pflegende Person kümmern. Bei insgesamt elf Personen liegen die Kosten beispielsweise bei 90 Cent pro Person im Monat. Die Kosten könnten aber in Zukunft noch sinken, je nachdem wie viele das Angebot nutzen. Aktuell wird die Anwendung laut Groß von circa 100 Personen genutzt.
Ziel sei es, möglichst viele Leute mit dem Angebot zu erreichen, sagt Tom Groß. Dabei sei das Programm für alle Menschen gedacht, die zuhause eine Person pflegen,, auch beispielsweise Menschen mit Behinderung. "Um einfach die Menschen zu entlasten, die sowieso schon so viel Arbeit Zuhause haben mit ihren zu Pflegenden."