Anfang des Jahres wurde das Archiv der jahrhundertelangen Schulgeschichte bei Heizungsarbeiten entdeckt - darunter beispielsweise Unterlagen zum Lehrerkollegium, zu Schülern sowie zum Bau und zur Entwicklung der Schule. Das Landeshauptarchiv in Koblenz rechnet nach eigenen Angaben mit einem mittleren sechsstelligen Betrag, um das historische Archiv des Görres-Gymnasiums zu sichern.
Für die Experten vom Landeshauptarchiv ist der Fund ein echter Gewinn, sagt die Leiterin der Abteilung historisches Archiv, Anja Ostrowitzki: "Für uns war das ein ganz überraschender Fund, es handelt sich ja um ein Archiv von über 440 Jahren Ausdehnung. Bisher war bekannt, dass sechs bis sieben Meter Archivgut hier im Hause befindlich waren." Niemand habe damit gerechnet, dass nochmal 30 Regalmeter archivwürdige Unterlagen aus mehreren hundert Jahren erhalten sein würden, so Ostrowitzki.
Landeshauptarchiv rechnet mit fünf Jahren Arbeit
Die Akten, Bücher und Fotos befinden sich den Angaben zufolge in einem schlechten Zustand. Die Unterlagen müssten gereinigt, restauriert und konserviert werden, heißt es. Dafür peilt das Archiv nach eigenen Angaben etwa fünf Jahre Zeit an.
Vertreter der Stiftung Görres-Gymnasium hatten die Jahrhunderte alten Schulunterlagen zufällig im Keller entdeckt. Um den Fund zu begutachten, mussten sich die Experten entsprechend ausrüsten, sagt Lutz Itschert, Vermögensverwalter der Stiftung: "Der Keller ist feucht und voller Ungeziefer. Die Bücher sind teilweise mit Schimmel belastet. Das heißt, wir haben uns komplett von den Schuhen über den Körper bis zum Kopf weiße Schutzanzüge angezogen."
Mit Kapuze, Schutzmaske, Schutzbrille und Handschuhen hätten sie dann die Bestände besichtigt und angefangen zu sortieren: 'Was ist erhaltenswert? Was ist Müll?'.
Teile des historischen Archivs irgendwann im Barbarastollen?
Das Landeshauptarchiv Rheinland-Pfalz will die Archivunterlagen nach eigenen Angaben auch digitalisieren lassen. Teile des Fundes könnten möglicherweise sogar in das unterirdische Langzeitarchiv der Bundesrepublik Deutschland gehen, schätzt Daniel Heimes, Leiter der Abteilung Dienste und Technik.
"Das sind Unterlagen, die sind so überragend wertvoll für die Geschichtsforschung und auch für das kulturelle Gedächtnis des Landes Rheinland-Pfalz, aber auch für ganz Deutschland, sodass wir hier davon ausgehen, dass zumindest Teile davon in die Bundessicherungsverfilmung kommen. Das heißt: Am Ende werden Kopien davon im Barbarastollen eingelagert."
Weil man einfach wissen wolle, dass diese Unterlagen - zumindest in Kopie - auch die Jahrhunderte überdauerten, falls es zu einer schweren Katastrophe kommen sollte, so Heimes weiter. Bevor es soweit ist, steht den Expertinnen und Experten aber erstmal noch viel Arbeit bevor.