Für die Archäologen war der Fund etwas Besonderes: Denn bei der Sanierung einer Mauerkrone entdeckten sie in etwa zehn Metern Höhe unerwartet mehrere Schuhabdrücke. Sie stammen sehr wahrscheinlich von Bauarbeitern, die vor mehr als 600 Jahren auf der Burgmauer einen sogenannten Wehrgang angelegt haben, erklärt Timo Lang, der Leiter der Landesarchäologie in Koblenz: "Das ist im Prinzip der Bereich auf der Mauer, von wo aus man theoretisch Angreifer abwehren könnte, wenn es zu einer Kampfhandlung kommt."
Nachlässigkeit von damals ist heute kleine Sensation
Die Bauarbeiter haben dort offenbar den Boden mit einer Art Estrich vorbereitet und waren mit ihren nagelbesetzten Sandalensohlen über den noch nicht ausgehärteten Untergrund gelaufen. Timo Lang geht davon aus, dass sie sich nicht die Mühe gemacht hatten, den feuchten Estrich abzudecken, weil darüber später ohnehin noch ein Holzfußboden verlegt wurde. "Na ja, es musste wohl nicht zu ansehnlich sein. Deswegen konnten die da auch einfach drüber laufen."
"Dass man so eine Spur vom Baubetrieb in der noch erhaltenen Bausubstanz findet, das ist wirklich selten", sagt Lang. Solche Abdrücke seien sonst eher von römischen Ziegeln bekannt: "Da hat man so große Plattenziegel hergestellt und dann ausgelegt, damit sie an der Luft trocknen. Und in der Zeit liefen da ganz viele Tiere drüber, aber auch die Arbeiter. Und es gibt auch relativ viele Spuren von Kindern, die da wahrscheinlich gespielt haben."
Moderne Technik soll Funde Besuchern zugänglich machen
Die Archäologen haben die Fußabdrücke auf der Burgmauer vermessen und mittels 3D-Fotografie dokumentiert. Timo Lang sagt, dadurch sei es möglich, 3D-Modelle zu drucken, um sie später ausstellen zu können. Denn für Besucher sind die Originale auf der Mauer nicht zugänglich. Aber es wurde auch ein kleineres Stück der Fläche mit mehreren Abdrücken geborgen. Der Rest bleibe auf der Mauerkrone erhalten und werde mit einer Schutzschicht bedeckt, sodass sie auch später wieder freigelegt werden kann.
Die Relikte und Erkenntnisse sollen auch während der Bundesgartenschau 2029 und später im Burgmuseum ausgestellt werden. Über die außergewöhnlichen Funde hatte zuerst die Rhein-Zeitung berichtet.
Archäologen graben weitere Artefakte aus
Im Zuge der Sanierungsarbeiten der Burg Rheinfels wurden im oberen Burghof auch die Fundamente von Säulen eines Gebäudes und das Burgpflaster freigelegt. Die Archäologen schätzen, dass das Pflaster aus der Zeit um 1500 stammt. Hier werde auch noch weiter geforscht, sagt Lang: "Da werden wir noch mal schauen, ob da drunter vielleicht noch Spuren von einer älteren Bebauung sind."
Die Landesarchäolgie plant in den kommenden Monaten weitere Ausgrabungen, unter anderem in der Kapelle im Nordtrakt der Kernburg. Außerdem wollen die Forscher auch im Bereich des nur noch teilweise vorhandenen Bergfrieds graben. Nach seiner Sprengung im 18. Jahrhundert steht dort heute nur noch ein Stumpf von etwa vier Metern Höhe. Ursprünglich war er 54 Meter hoch. Die Archäologen wollen herausfinden, ob unter den Trümmern vielleicht noch das Fundament erhalten ist.