Bedarf steigt, Geld fehlt

Schulsozialarbeit in Rheinland-Pfalz unter Druck: Kreise fordern Hilfe vom Land

Jugendlichen und Kindern zuhören und helfen: Das ist die Aufgabe von Schulsozialarbeitern. Der Bedarf steigt, das Geld aber fehlt. Die Landkreise in RLP fordern Hilfe vom Land.

Teilen

Stand

In der Georg-von-Neumayer-Schule in Kirchheimbolanden (Donnersbergkreis) herrscht reges Schultreiben. Kinder und Jugendliche laufen durchs Treppenhaus. Nach einer kurzen Pause zwischen den Stunden geht es für sie zurück ins Klassenzimmer. Die Kinder wirken fröhlich. Das ist aber nicht bei allen so, sagt Schulsozialarbeiterin Annkatrin Zimmer, die mit ihrer Kollegin Andrea Sältzer im regelmäßigen Austausch mit den Schülern steht.

Die Georg-von-Neumayer-Schule hat zwei Schulsozialarbeiterinnen: Andrea Sältzer (links) und Annkatrin Zimmer (rechts).
Die Georg-von-Neumayer-Schule hat zwei Schulsozialarbeiterinnen: Andrea Sältzer (links) und Annkatrin Zimmer (rechts).

"Letztes Schuljahr hatte ich mit einer Schülerin zu tun, die nicht mehr nach Hause gehen wollte, weil die Umstände dort schwierig waren", erzählt Zimmer. "Ich habe die Schülerin dann zum Jugendamt begleitet, wo sie in Obhut genommen wurde."

Lange Wartezeiten für Therapieplatz

Andrea Sältzer ist ebenfalls Schulsozialarbeiterin an der Realschule Plus in Kirchheimbolanden. Sie ergänzt, dass die Sorgen immer größer werden. "Das Nutzen von Sozialen Medien ist belastender für Schüler geworden." Auch der zunehmende Leistungsdruck sei ein Grund. Daneben gebe es Konflikte unter den Schülern oder mit den Lehrern.

Die Kinder und Jugendliche müssten zudem oft lange auf Termine bei Therapeuten warten, was die Lage erschwere.

Schulsozialarbeiterinnen direkt vor Ort

An der Georg-von-Neumayer-Schule ist aber im Schulalltag immer mindestens eine Schulsozialarbeiterin ansprechbar. Andrea Sältzer und Annkatrin Zimmer haben dafür ein Büro in der Schule. Sie führen bei Problemen Gespräche mit Schülern, Eltern und Lehrern und suchen gemeinsam nach Lösungen für die Schüler der Schule in Kirchheimbolanden.

Die Georg-von-Neumayer Realschule plus in Kirchheimboladen kann sich glücklich schätzen. Denn hier arbeiten zwei Schulsozialarbeiterinnen.
Die Georg-von-Neumayer Realschule plus in Kirchheimboladen kann sich glücklich schätzen. Denn hier arbeiten zwei Schulsozialarbeiterinnen. Sie teilen sich eine Vollzeitstelle.

Der Blick ins Land zeigt aber auch, dass Menschen wie Annkatrin Zimmer und Andrea Sältzer an allen Schulen in Rheinland-Pfalz gebraucht werden.

Landkreise fordern mehr Geld vom Land

Schulsozialarbeiter werden von den Landkreisen finanziert, die wiederum vom Land Geld dafür bekommen. Doch das Geld bei den Kommunen ist knapp. Das Problem: Nach Angaben der befragten Landkreise werden derzeit nur etwa 20 bis 25 Prozent der Kosten für die Schulsozialarbeit vom Land gefördert.

Das sei zu wenig, heißt es beispielsweise aus dem Landkreis Neuwied. "Wenn es Steigerungen im Personalaufwand gibt, dann gehen diese Steigerungen zu hundert Prozent zu Lasten der Kommunen." Im Landkreis Germersheim sehen die Verantwortlichen das ähnlich. "Insbesondere Lohnsteigerungen, aber auch zunehmende Bedarfe können nicht alleine vom Landkreis getragen werden."

Der Landkreis Bernkastel-Wittlich zeigt sich ebenfalls mit der Förderung "nicht zufrieden". Von 1,7 Millionen Euro, die in die Schulsozialarbeit pro Jahr fließen, würden nur rund 300.000 Euro vom Land gefördert.

Grafschaft

Schüler leiden noch immer unter Folgen der Flut Zuschüsse für Schulsozialarbeit: Warum das Are-Gymnasium profitiert und andere nicht

Schulangst, Streit mit Mitschülern, Stress zuhause - jeden Tag kümmern sich Schulsozialarbeiterinnen am Are-Gymnasium um die Probleme der Schüler. Aber bald damit könnte Schluss sein.

Land hat Förderung über Jahre ausgebaut

Die Landesregierung kennt die Nöte der Kommunen. Auf SWR-Anfrage teilt das Bildungsministerium mit, dass in den vergangenen Jahren die Landesförderung Stück für Stück ausgeweitet worden sei. Laut aktuellen Zahlen stehen im Haushalt rund 12 Millionen Euro für die Förderung von Schulsozialarbeit bereit - vier Millionen Euro mehr als noch 2016.

Schulsozialarbeiterinnen setzen auf Gesellschaft

Annkatrin Zimmer und Andrea Sältzer sehen darin gut investiertes Geld. Die beiden jedenfalls werden auch weiterhin genau hinschauen, um den Kindern und Jugendlichen an der Georg-von-Neumayer-Schule in Kirchheimbolanden zu helfen.

Manchmal ist es auch einfach nur Zuneigung zeigen [...]

Andrea Sältzer sieht auch die Gesellschaft in der Pflicht, dass diese mehr Rücksicht auf die Kinder nimmt. "Manchmal ist es auch einfach nur Zuneigung zeigen oder Interesse am Leben des Kindes. Das würde ich mir wünschen."

RLP

Ergebnisse so schlecht wie nie PISA-Studie: RLP-Bildungsministerin setzt auf Handyverbot an Schulen

Für die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) ist das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler bei der jüngsten PISA-Studie ein "klarer Weckruf". Ein Handyverbot an Schulen sei unerlässlich.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

RLP

INSM-Bildungsmonitor 2026 Bildung: Rheinland-Pfalz bleibt im unteren Mittelfeld der Bundesländer

Englisch top - digital noch Nachholjob: Rheinland-Pfalz bleibt im Bildungsmonitor 2026 auf Rang 12. Stärken sieht die Studie bei Fremdsprachen und Ausbildung.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Lars-Henrik Wacker
Multimediareporter Lars Henrik Wacker
Sarah Mauer
Foto von Multimediareporterin Sarah Mauer
Sebastian Grauer
Foto von Sebastian Gauer, Redakteur bei SWR Aktuell und im SWR Studio Trier

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!