Maria-Ruh-Pächter planen Winterbetrieb

Zu viel Bürokratie: Gastronomen aus Urbar kritisieren Behörden

Die Pächter des Ausflugslokals Maria Ruh bei Urbar im Mittelrheintal wollen ihre Gastronomie auf den Winter ausdehnen. Eigentlich sollten sie mit EU-Fördergeldern unterstützt werden. Doch jetzt haben sie ihren Antrag zurückgezogen.

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Das Ausflugslokal "Maria Ruh" in Urbar ist ein Sommer-Saisonbetrieb, ein Café mit einer Verantaltungsbühne im Garten. Das wollen die Pächter Niklas Melchior und Michèle Ripp ändern. Sie planen mit "Maria Alm" ein Winterangebot mit Eisstockschießbahn, Glühwein und Skigondeln. Dazu wurde ihnen EU-Fördergeld aus dem Leaderprogramm in Aussicht gestellt.

Antrag auf Fördergeld zurückgezogen

Nach Auskunft der Betreiber geht es um eine Fördersumme von 20.000 Euro. Doch das Genehmigungsverfahren dafür lässt sie verzweifeln. Der ganze Prozess sei lähmend, zeitintensiv und letztlich wirtschaftsschädigend, sagen sie.

Seinen Antrag auf Fördergeld hat das junge Unternehmerpaar jetzt zurückgezogen. Die beiden verzichten auf die Fördersumme und zahlen alles lieber aus eigener Tasche, berichten sie dem SWR.

Die Gastronomie am Aussichtspunkt "Maria Ruh" - die Pächter wollen es im Winter zu "Maria Alm" umwandeln. Der Aussichtspunkt gehört zu den schönsten am Mittelrhein -mit Blick auf den Loreleyfelsen.
Die Gastronomie am Aussichtspunkt Maria Ruh. Die Pächter wollen es im Winter zu "Maria Alm" umwandeln. Der Aussichtspunkt gehört zu den schönsten am Mittelrhein - mit Blick auf den Loreley-Felsen. Pressestelle Loreleyblick Maria Ruh GbR

Unternehmerpaar schreibt Brief an Behörden

Ein entsprechender Brief ging nicht nur an die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Nord (ADD), die für die Bewilligung zuständig gewesen wäre, sondern auch an den Bürokratiebeauftragen des Landes, an den Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal und an die Verbandsgemeinden Hunsrück-Mittelrhein und Loreley.

Pächter halten Anforderungen der ADD für überzogen

Die Pächter halten die Anforderungen der ADD für überzogen. So sei zum Beispiel für ihr Winterkonzept eine Wirtschaftlichkeitsrechnung über einen Zeitraum von bis zu zwölf Jahren gefordert worden. "Dies entspricht weder dem Umfang noch der Dynamik eines saisonalen Gastronomiekonzepts und steht aus unserer Sicht auch nicht im Verhältnis zu den üblichen Planungszeiträumen der freien Wirtschaft", heißt es in dem Brief.

Maria-Alm-Konzept ab November geplant

Außerdem sei das ganze Verfahren mit zu viel Bürokratie verbunden. Verträge, Auszüge und Lizenzen, die bereits anderen Behörden vorliegen - wie zum Beispiel eine Schanklizenz - müssten erneut eingereicht werden, bemängeln Ripp und Melchior: "Dies zeugt aus unserer Sicht von fehlenden Schnittstellen, mangelnder Digitalisierung und unzureichender Kommunikation zwischen den beteiligten Stellen."

Unser unternehmerischer Mut ist nicht belohnt, sondern durch Bürokratie ausgebremst worden.

Die Anforderungen der Behörde seien erst vor wenigen Tagen bei Ripp und Melchior per Post eingegangen, erklären die jungen Unternehmer. Da sie ihr Winterkonzept aber schon im November starten wollen, haben sie nun die Reißleine gezogen.

Gastronomen setzen neues Konzept in Eigenregie um

Selbstkritisch merken die Maria-Ruh-Pächter an, dass sie ihren Antrag erst im Juni dieses Jahres eingereicht hätten. Dennoch monieren sie, dass es zwei Monate bis zur ersten Reaktion der ADD gedauert habe.

Ihnen gehe es darum, etwas Neues am Mittelrhein zu schaffen und auch Arbeitsplätze ganzjährig zu sichern. Ihr unternehmerischer Mut sei aber nicht belohnt, sondern durch Bürokratie ausgebremst worden, sagt Niklas Melchior. Jetzt möchte das junge Unternehmerpaar alles in Eigenregie stemmen.

Viele Anträge im Juni sollen Bearbeitung verlängert haben

Die Bewilligungsbehörde (ADD) bestätigte gegenüber dem SWR, dass die Prüfung des Antrags knapp zwei Monate gedauert hat. Im Juni sind nach Angaben der Behörde verstärkt Förderanträge eingegangen, dadurch habe sich die Bearbeitung der Anträge verlängert. Die Rückfragen dazu hätten demnach durch die Antragsteller ohne erheblichen Aufwand kurzfristig beantwortet werden können - zudem sei auch Unterstützung angeboten worden.

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SWR

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