2024 waren die Galloway-Rinder aus prekären Verhältnissen gerettet worden. Unterstützt durch eine Spendenaktion und Tierpatenschaften kamen sie auf einem Gnadenhof im Rhein-Lahn-Kreis unter. Dort sollten sie ihren Lebensabend verbringen - daraus ist jedoch nichts geworden. Nach SWR-Informationen sind die Rinder heute tot und Tierpaten wütend. Sie sagen, sie seien vorab nicht über diesen Schritt informiert worden. Zuerst hatte der BEN-Kurier darüber berichtet.
Schreiben Anfang Juni: Gnadenhof wird aufgelöst
Am 3. Juni hatte der Tierschutzverein, der den Gnadenhof betreibt, ein Schreiben an die Tierpaten verschickt. Darin heißt es, der Gnadenhof solle zum 30. Juni geschlossen und der Verein aufgelöst werden. Man stehe vor "nicht zu bewältigenden Herausforderungen", aufgrund steigender Kosten in der Tierhaltung und einer sinkenden Zahl an Tierpaten. Es sei das Ziel, "die Tiere lebend abzugeben".
"Wir haben daraufhin alles in Bewegung gesetzt, um Höfe in der Nähe zu finden, die alle Tiere aufnehmen", berichtet eine der Tierpatinnen. Da es sich schwierig gestaltete, alle Tiere auf nur einem Hof in der Region unterzubringen, haben die Tierpaten nach eigenen Angaben auch den Kontakt zum Zuchtverein Galloway Interessengemeinschaft Nord mit Sitz in Schleswig-Holstein gesucht.
Tiere waren wenige Tage später tot
Der Zuchtverein hat dem SWR den Kontakt und eigene Vermittlungsversuche bestätigt. Demnach habe es bereits einen Hof in Berlin gegeben, der die Tiere übernehmen wollte. Lediglich Gesundheitsnachweise hätten dafür noch gefehlt. "Wir hätten die Kosten für die Untersuchung übernommen", schildert eine der Tierpatinnen dem SWR. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Denn schon kurz nach der Info, dass Tierschutzverein und Gnadenhof aufgelöst werden sollen, waren die Tiere tot.
Wie das zuständige Kreis-Veterinäramt des Rhein-Lahn-Kreises auf SWR-Anfrage mitteilt, seien die Galloway-Rinder durch einen Transporteur vom Gnadenhof abgeholt worden. Am 5. Juni erfolgte demnach die Schlachtung aller Tiere in Nordrhein-Westfalen. Warum, ist unklar. Zu den Beweggründen äußerte sich der Tierschutzverein auf SWR-Anfrage bislang nicht.
Nach Angaben des BEN-Kurier hatte sich der Vereinsvorsitzende offenbar noch am 9. Juni gegenüber der Redaktion geäußert. Demnach sprach er weiterhin von Interessenten für die Tiere. Gleichzeitig erklärte er gegenüber dem BEN-Kurier, dass man mögliche Übernahmen nicht durch eine Berichterstattung gefährden wolle.
Tierpaten wollen rechtliche Schritte prüfen
Die Tierpaten gingen zu dem Zeitpunkt noch davon aus, dass alle Tiere bis Ende des Monats ein neues Zuhause bekommen. Die Spender wollen jetzt rechtliche Schritte prüfen - sie hätten viel in das Leben der Galloways investiert und monatlich für die Patenschaften gezahlt.
Gnadenhof heißt eigentlich Leben bis zum Ende und nicht zum Schlachter innerhalb von drei Tagen.
"Gnadenhof heißt eigentlich Leben bis zum Ende und nicht zum Schlachter innerhalb von drei Tagen", ärgert sich eine der Patinnen im SWR-Gespräch. Sie interessiert vor allem, ob der Tierschutzverein durch die Schlachtung der Tiere einen Gewinn erwirtschaftet hat.
Satzung macht Vorgaben für Vereinsauflösung
In der Satzung des Tierschutzvereins heißt es, dass im Falle einer Auflösung das verbliebene Vermögen an eine gemeinnützige Einrichtung abgeführt werden soll, die sich für den Tierschutz einsetzt. Auch den Tierpaten hatte der Verein geschrieben, dass so mit übrigen Kassenbeständen verfahren werden soll. "Wir werden gerichtlich überprüfen lassen, ob das der Fall war", so eine der Tierpatinnen gegenüber dem SWR.
Internet-Präsenzen des Vereins nicht mehr zu finden
Nachfragen zu etwaigen Überschüssen in der Vereinskasse beantwortete der Vorsitzende und Betreiber des Gnadenhofs dem SWR gegenüber bislang nicht. Er verwies lediglich auf die Facebookseite des Vereins. Dort fänden sich "die einzigen Stellungnahmen, die wir derzeit geben." Die Facebook-Seite liefert jedoch keine weiteren Erkenntnisse. Sie ist nach SWR-Informationen schon seit mindestens 10 Tagen nicht mehr zu erreichen.
Gleiches gilt für die Internetseite des Gnadenhofs. Auf E-Mails folgt lediglich eine Standardantwort: "Dieses Postfach wird nicht mehr unterstützt, da der Verein in Auflösung ist." Der Betreiber des Gnadenhofs ließ einen ausführlichen Fragenkatalog des SWR unbeantwortet. Er hat nach SWR-Informationen mittlerweile eine andere Tätigkeit in der Schweiz aufgenommen.