Die Stellen sollen in Koblenz und Amsterdam wegfallen. Das hatte am Dienstag ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur dpa mitgeteilt. In einer Pressemitteilung von Canyon ist lediglich von "Kernstandorten" die Rede. "Die Fahrradbranche befindet sich in einer Phase der Konsolidierung, während globale Faktoren wie US-Zölle, geopolitische Spannungen und gedämpfte wirtschaftliche Prognosen zusätzliche Herausforderungen schaffen." So steht es in der Mitteilung des Unternehmens. Ein Interview wolle man zu diesem Thema nicht geben, informiert eine Pressesprecherin.
Unsicherheit bei Canyon-Beschäftigten
Canyon hat demnach den Betriebsrat bereits informiert und die Gespräche aufgenommen. Unter den Beschäftigten von Canyon sorgen die Pläne zum Stellenabbau für Unsicherheit. Eine Canyon-Mitarbeiterin am Standort in Koblenz-Rauental, die anonym bleiben möchte, erklärte gegenüber dem SWR, dass die Stimmung unter den Beschäftigten "nicht gut" sei im Moment. Es sei kein richtiger Plan kommuniziert worden, wer wo betroffen sei und wer nicht, teilt sie mit. Und schon im Dezember hätten viele Mitarbeitende Canyon verlassen. Sie selbst wisse nicht, ob sie ihren Job behalten werde oder nicht.
Zuerst hatte die "Rhein-Zeitung" über den geplanten Stellenabbau berichtet. Demnach hat der Unternehmensgründer Roman Arnold aus Koblenz das "Bekenntnis" des Unternehmens zum Hauptstandort Koblenz bekräftigt. Er sei Koblenzer, Canyon gehöre zu Koblenz und bleibe hier.
Stellenabbau soll Unternehmen an den Markt anpassen
Nach jahrelangem Wachstum, vor allem während der Corona-Zeit, passe sich das Unternehmen jetzt an eine veränderte Lage auf dem Markt an. Laut Arnold soll das Unternehmen durch den Stellenabbau schneller und effizienter werden, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Dieser Schritt falle schwer, solle aber fair und offen ablaufen.
In welchen Bereichen des Unternehmens Arbeitsplätze wegfallen, teilte Canyon nicht mit. Trotz der Kürzungen will der Fahrradhersteller nach eigenen Angaben in Koblenz weiter investieren, vor allem in ein neues E-Bike-Center, das in diesem Jahr eröffnet werden soll.
IG Metall: Werden Pläne mit dem Betriebsrat besprechen
Die Gewerkschaft IG Metall hat sich am Mittwochnachmittag zu den Stellenabbauplänen geäußert. Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, teilte mit, dass es gut sei, dass sich der Canyon-Gründer Arnold zu seiner Heimat Koblenz und dem Canyon-Standort Koblenz bekenne. Die Gewerkschaft müsse aber jetzt zunächst wissen, welche Ziele genau mit dem Stellenabbau verbunden sind.
Betriebsversammlung mit dem Betriebsrat und der IG Metall
Also ob es etwa um Rendite gehe. Oder darum, Canyon auf die aktuellen und erwartbaren Marktbedingungen einzustellen, so Yener. Markus Friedel, der IG Metall Betreuer bei Canyon teilte mit, die Gewerkschaft müsse nun wissen, wie die Zahl der 320 Stellen zustande komme und welche Bereiche betroffen sein sollen. Ziel sei es Alternativen zum Personalabbau und Perspektiven für die betroffenen Beschäftigten zu entwickeln. In der kommenden Woche gibt es laut IG Metall auf Einladung des Betriebsrates eine Betriebsversammlung für den gesamten Standort Koblenz.
Im September 2025 hatte die IG Metall erst Tarifverhandlungen mit Canyon abgeschlossen. Die neuen Tarifverträge gelten seit dem 1. Januar 2026. Unter anderem bekommen die Mitarbeitenden mehr Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Firmengründer Arnold kam 2025 zu Canyon zurück
Der Firmengründer Roman Arnold ist seit dem 1. September 2025 nach etwa 5 Jahren in das Unternehmen zurückkehrt und hat den damaligen CEO abgelöst. Arnold ist "Executive Chairman". In dieser Position werde er sich auf die "langfristige Vision und die zukünftige Strategie des Unternehmens konzentrieren", heißt es auf der Internetseite des Unternehmens.
Canyon ist nach eigenen Angaben ein weltweit führender Fahrradhersteller, der als kleines Familienunternehmen angefangen hat. Canyon konzipiert und verkauft Rennräder, Mountainbikes, Triathlonräder, Urban & Fitness Bikes und Elektrofahrräder.