Die uralte Eiche in Endlichhofen ist am Sonntag von der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDG) zum Nationalerbe-Baum ausgerufen worden. Im Rahmen dieser Aktion sollen in ganz Deutschland hundert dieser Bäume geschützt werden, die bis zu tausend Jahre alt werden können und deshalb eine ganz besondere Bedeutung haben.
Die Eiche am Ortseingang von Endlichhofen ist ein lebendiges Stück Geschichte: Sie wurde vermutlich zur Zeit Martin Luthers in der Reformationszeit am Ortsrand gepflanzt. Experten schätzen ihr Alter auf bis zu 500 Jahre, aber ganz genau weiß man es nicht. Die Eiche hat seitdem die Jahrhunderte überdauert und einiges mitgemacht.
Schäden durch Feuer und Artilleriebeschuss
Besonders einschneidend war ein Brand im Jahr 1974: Damals kletterten Jugendliche durch ein großes Loch in den hohlen Stamm und rauchten. Sie lösten ein Feuer aus. Der Schaden war enorm, doch die Eiche überlebte. Auch im Ersten Weltkrieg blieb der Baum nicht verschont. Er wurde von Artillerie beschossen, was sichtbare Spuren hinterließ. Trotzdem wird der uralte Baum in Fachbüchern als "eine der schönsten Eichen Deutschlands" beschrieben.
Die "Dicke Eiche" ist das Wahrzeichen des Ortes
Für die etwa 150 Menschen, die in Endlichhofen leben, ist ihre Eiche vor allem ein Stück Heimat. Etwa für Ortsbürgermeister Ulrich Birkenstock (CDU). Jeden Morgen schaue er aus dem Fenster, erzählt er. Um zu wissen, ob alles in Ordnung ist. "Er ist nicht einfach irgendein Baum, sondern er ist ein Wahrzeichen", sagt er.
"Die Ausrufung unserer Eiche zum Nationalerbe-Baum von Deutschland ist für unsere kleine Gemeinde, das Blaue Ländchen und den Rhein-Lahn-Kreis etwas ganz Besonderes." Deshalb kümmern sich die Menschen auch darum. Gerade jetzt mit der großen Hitze wird sie etwa immer wieder von der örtlichen Feuerwehr gewässert.
Die Pflege eines so alten Baumes ist eine große Herausforderung, die wir alleine kaum stemmen können.
Pflege der Eiche ist eine Herausforderung
Nach der Ausrufung als Nationalerbe-Baum unterstützt die DDG den Ort in Zukunft dabei, den Baum zu pflegen. Das ist auch nötig, sagt Ulrich Birkenstock. Die Eiche leide beispielsweise unter einem Befall durch einen Pilz, der sie schwächt. "Die Pflege eines so alten Baumes ist eine große Herausforderung, die wir alleine kaum stemmen können", so der Ortsbürgermeister.
Titel als Nationalerbe-Baum bringt Schutz
Experten der DDG werden von jetzt an regelmäßig den Zustand der alten Eiche untersuchen und notwendige Pflegemaßnahmen vorschlagen. Sollte die Kreisverwaltung als zuständige Naturschutzbehörde dafür nicht genügend Geld bereitstellen, springt die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung ein.
Die "Dicke Eiche" ist Nummer 66 auf der Liste der Nationalerbe-Bäume und erst der vierte Baum in Rheinland-Pfalz. Die anderen drei sind in der Verbandsgemeinde Kastellaun, in der Verbandsgemeinde Südeifel und in der Verbandsgemeinde Edenkoben.