Am Freitagnachmittag haben Tierschützerinnen, Tierschützer und Mitglieder der Grünen in Bad Neuenahr-Ahrweiler in der Nähe des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau demonstriert. Der Protest richtete sich gegen den Verband selbst. Genauer gesagt, gegen den Umgang mit einem Skandal in einem Schweinezuchtbetrieb in NRW, dessen Eigentümer ein hoher Funktionär des Bauernverbands im Kreis Ahrweiler ist.
Hintergrund: Missstände in Schweinezuchtbetrieb aufgedeckt
Auslöser des Skandals waren Videoaufnahmen einer Tierschutzorganisation, die vor drei Wochen schwere Verstöße gegen das Tierwohl in dem Betrieb dokumentierten. Die Aufnahmen zeigen verletzte Tiere, verdreckte Stallungen und verendete Ferkel.
Missstände in Schweinezuchtbetrieb Tierquälerei-Vorwürfe gegen Bauernfunktionär im Kreis Ahrweiler - Prüfsiegel entzogen
Verweste Ferkel, verletzte Tiere, Dreck im Stall: Einem Bauernfunktionär im Kreis Ahrweiler werfen Tierschützer Tierquälerei vor - seine Schweinezucht verlor das Prüfsiegel.
Ausschnitte aus dem Material hatten die Tierschützer auch auf Instagram gestellt. Das Video sorgte bundesweit für Empörung: Innerhalb von zehn Tagen erhielt es knapp eine Million Aufrufe und wurde vielfach geteilt und kommentiert. Der betroffene Landwirt steht seitdem massiv in der Kritik. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat bestätigt, dass im Zusammenhang mit der Schweinezucht in Halver auch eine Anzeige eingegangen ist.
Demonstrierende fordern personelle Konsequenzen
Die Demonstrierenden fordern personelle Konsequenzen und werfen dem Bauernverband vor, sich seiner Verantwortung zu entziehen. Grünen-Fraktionschef Mathias Heeb kritisiert das Schweigen scharf: "Das ist die schlechteste Variante, die man wählen kann. Wer Verantwortung trägt, muss sie auch übernehmen." Mit der Aktion wolle man ein "Signal gegen das Wegsehen" setzen, sagte Heeb dem SWR.
Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau will sich zu dem Fall nicht äußern. Auf Anfrage teilte ein Sprecher mit, dass der betroffene Schweinezuchtbetrieb außerhalb des eigenen Verbandsgebiets liege und man aus Datenschutzgründen keine Angaben zu Personalfragen machen könne. Auch zu der Demonstration wollte sich der Verband nicht äußern.
Westfleisch beendet Zusammenarbeit
Nach Veröffentlichung der Videos führte das Prüfunternehmen Qualität und Sicherheit (QS) eine eigene Sonderkontrolle in dem Schweinezuchtbetrieb durch - und stellte dabei "untragbare Zustände" fest. Der Betrieb ist laut dem Unternehmen daraufhin mit sofortiger Wirkung aus dem QS-System ausgeschlossen worden. Fast alle großen Supermarktketten in Deutschland bieten nur Fleisch aus QS-zertifizierten Betrieben an.
Dem SWR liegen außerdem interne Prüfberichte vor. Darin wird deutlich, dass der Schlachtkonzern Westfleisch die Qualitätssicherung und Hygieneprüfungen auf dem Bauernhof in NRW organisierte. Nach Bekanntwerden des Skandals distanzierte sich Westfleisch von dem Betrieb und teilte mit, dass das Unternehmen nicht mehr mit dem Landwirt zusammenarbeite. Außerdem bezieht Westfleisch nach eigenen Angaben schon seit 2022 keine Tiere mehr von dem Schweinezüchter.
Prüfer beurlaubt: Interne Untersuchung läuft
Auch bei den Prüfinstitutionen hat der Fall Konsequenzen. Denn der Betrieb wurde kurz bevor die Tierschützer ihre Aufnahmen in dem Stall machten, auf Sauberkeit und Tierwohl kontrolliert. Bei der regulären QS-Betriebskontrolle seien offensichtliche Misstände aber nicht dokumentiert worden, teilte das Prüfunternehmen mit. Deshalb sei der zuständige Kontrolleur "bis auf Weiteres beurlaubt", eine interne Untersuchung sei eingeleitet worden.
Für zusätzliche Kritik sorgen die unterschiedlichen Einschätzungen von QS und des Veterinäramts des Märkischen Kreises. Beide hatten den Betrieb am 14. Oktober nach Bekanntwerden der Vorwürfe kontrolliert - jedoch kamen sie zu unterschiedlichen Bewertungen. Während QS von "verendeten Ferkeln in den Stallungen" sprach und den Betrieb sofort sperrte, bewertete das Veterinäramt die Lage deutlich milder und sah keine Hinweise auf strafbare Tierquälerei.