Das "Café Seewies" war über viele Jahre ein beliebtes Ausflugsziel am Wiesensee. An Wochenenden mit gutem Wetter stand man dort schon mal Schlange, um ein Stück Kuchen oder einen Kaffee zu bekommen. Seit der See trocken liegt, ist das aber anders. Laut Eigentümer Markus Mühlenhaupt kommen kaum noch Gäste.
"Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, aber ich werde das Café am 3. August dauerhaft schließen", sagt Mühlenhaupt. Das Café sei pleite. Außerdem fehle ihm die Perspektive, weil unklar sei, wann der Wiesensee tatsächlich wieder angestaut wird. Er kritisiert die Verbandsgemeinde Westerburg und die zuständigen Behörden, dass die ganze Sanierung nur so langsam vorangeht.
Mühlenhaupt hat neben dem Café noch einen Imbiss am Ufer des Wiesensees betrieben, den hat er bereits geschlossen. Das Gebäude des Cafés will er zwar erstmal nicht verkaufen. "Ich glaube aber nicht, dass ich hier nochmal Fuß fassen werde", so Mühlenhaupt.
Campingplatz kommt trotz weniger Gästen klar
Maurice Mühlenhaupt, der Neffe von Markus Mühlenhaupt, hat Anfang letzten Jahres den Campingplatz am Wiesensee übernommen. Da lag der See schon trocken. Er hat damit gerechnet, dass die Sanierungsarbeiten am See so lange dauern werden. Er glaubt, dass der Wiesensee frühstens in drei Jahren wieder mit Wasser angestaut werden kann.
"Wir merken schon, dass wegen der aktuellen Situation weniger Kurzzeitcamper kommen. Wir haben hier aber viele Dauercamper auf dem Platz, deshalb kommen wir trotzdem über die Runden", erklärt Mühlenhaupt. Er werde deshalb weitermachen, die Arbeit mache ihm Spaß.
Segelclub am Wiesensee hat sich arrangiert
Der Segelclub "Wällerwind" in Pottum am Wiesensee hat sich mit der aktuellen Situation arrangiert. "Wir segeln seitdem an der nahegelegenen Krombachtalsperre und machen gemeinsame Segeltörns in den Niederlanden", sagt Felicia Schuld, die zweite Vorsitzende des Segelclubs.
Auch in diesem Jahr sei wieder ein Zeltlager für die Kinder und Jugendlichen geplant. "So pflegen wir weiterhin die gute Gemeinschaft im Club", so Schuld. Natürlich sehne der Club aber auch den Tag herbei, an dem sie wieder auf "ihrem" Wiesensee segeln können.
Kiosk am Wiesensee will trotz weniger Umsatz weitermachen
Der Kiosk am Wiesensee hat rund 60 Prozent weniger Einnahmen seit der See trockenliegt, sagt Daniel Müller, der den Kiosk mit seiner Familie nebenberuflich betreibt. "Wir haben zum Glück viele Stammkunden, die uns die Treue halten. Deswegen werden wir auch durchhalten und weitermachen", so Müller. Ohne die Stammkunden hätten sie aber längst schließen müssen.
Seine Familie betreibt den Kiosk bereits seit 41 Jahren, sagt er. "Das ist in der aktuellen Situation auch unser großer Vorteil: Wir haben dadurch keine Personalkosten." Er hat zwar Verständnis dafür, dass die Sanierungsarbeiten so lange dauern. Es tue ihm aber trotzdem immer noch weh, den Wiesensee so trocken zu sehen.
Wiesensee soll auch noch entschlammt werden
Bis der See wieder Wasser hat, kann es allerdings noch eine ganze Weile dauern. Denn die Sanierungsarbeiten ziehen sich weiter hin. Ein Teil der Stauanlage, der sogenannte Mönch, wurde in den vergangenen Monaten bereits saniert. Die Hochwasserentlastungsanlage im Damm muss jedoch noch erneuert werden. Außerdem soll der gesamte Grund des Sees noch ein zweites Mal mit Spezialmaschinen abgemäht werden, weil dort schon wieder Bäume und Büsche wachsen.
Im Herbst soll zudem das Bett des Sees vor der Ortsgemeinde Pottum (Pottumer Bucht) entwässert werden. Dafür sollen dort Entwässerungsgräben gezogen werden. "Das ist nötig, weil wir den Grund des Sees nächstes Jahr entschlammen wollen", erklärt Thomas Henritzi, Bauleiter der Verbandsgemeinde Westerburg. Spezialmaschinen sollen den Schlamm aus dem Bett des Sees dann ans Ufer schieben. Damit die Maschinen in der Pottumer Bucht überhaupt fahren können, sei vorher die Entwässerung nötig. Das Entschlammen selbst sei nötig, weil der See über die Jahrzehnte immer mehr verlandet sei.
Immerhin, eine gute Nachricht gab es in den letzten Wochen auch: Untersuchungen hatten ergeben, dass der Damm des Wiesensees stabil ist und somit nicht saniert werden muss. "Aktuell rechnen wir damit, dass der See Anfang 2027 wieder angestaut werden kann", sagt Henritzi.