Das Westpfalz-Klinikum macht künftig beim landesweiten Projekt "Vertrauliche Hilfe nach Gewalt" mit. Betroffene können sich ab sofort vertraulich untersuchen und behandeln lassen – ganz ohne Anzeige. Wer möchte, bekommt seine Verletzungen dokumentiert, und Spuren der Tat werden so gesichert, dass sie später vor Gericht Bestand haben. Verpflichtend ist das aber nicht. An anderen Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz gibt es das Angebot bereits.
"Für Menschen, die Gewalt erfahren haben, ist es entscheidend, dass sie selbst über die nächsten Schritte bestimmen können", sagt Prof. Dr. med. Karlheinz Seidl, Ärztlicher Direktor am Westpfalz-Klinikum. Wer sich später doch für eine Anzeige entscheidet, soll diese Möglichkeit dann noch haben.
Dokumentationsset in RLP erfasst auch häusliche Gewalt
Ganz neu ist das Thema für das Klinikum nicht: Seit Ende 2023 hilft es bereits Betroffenen von Vergewaltigungen, im Rahmen eines anderen Landesprojekts. Das wird jetzt ausgebaut. Bisher ging es dabei nur um sexualisierte Gewalt, künftig kommt häusliche Gewalt dazu.
Möglich macht das unter anderem ein neues, landesweit einheitliches Dokumentationsset: eine Art standardisierter Werkzeugkasten, mit dem Ärztinnen und Ärzte Spuren nicht nur nach sexualisierter, sondern auch nach häuslicher Gewalt gerichtsfest sichern können. Zusätzlich werden die Teams am Klinikum im einfühlsamen Umgang mit Betroffenen genauso wie in der rechtssicheren Dokumentation gezielt geschult. "Unsere Teams an allen Standorten werden gezielt geschult, um Betroffene kompetent und einfühlsam zu unterstützen", sagt Pflegedirektorin Andrea Bergsträßer.
Nach häuslicher Gewalt: Befunde bleiben jahrelang gesichert
Die gesicherten Befunde/Spuren kommen ans Institut für Rechtsmedizin der Uni-Medizin Mainz und werden dort mehrere Jahre aufbewahrt. Erst wenn Betroffene sich später für eine Anzeige entscheiden und ihre Ärztinnen und Ärzte von der Schweigepflicht entbinden, gehen die Unterlagen an die Polizei.
Beratung, Prävention und Aufklärung unter einem Dach Sexualisierte Gewalt: So hilft der neue Frauennotruf Kaiserslautern
Ein Signal gegen sexualisierte Gewalt: Der neue Frauennotruf bietet Frauen und Mädchen Sicherheit und Unterstützung. So sieht das Angebot in Kaiserslautern aus.
Das Angebot gilt für Erwachsene ab 18 Jahren und steht rund um die Uhr über die Zentrale Notaufnahme des Westpfalz-Klinikums zur Verfügung. Auf Wunsch vermittelt das Klinikum auch den Kontakt zu einer Frauenunterstützungseinrichtung in der Region.