Es ist wieder Museumstag in Rockenhausen. Für Luise Busch und ihre Mitstreiterinnen heißt das: Besucherinnen und Besucher empfangen, ihnen die Räume im Museum für Kunst zeigen, mal einen Film vorführen oder gerne auch mal Tipps geben, was man in Rockenhausen und der Nordpfalz generell noch so unternehmen kann.
Für die 86-Jährige ist das eine Herzensangelegenheit. "Ein ganz besonderer Gesichtspunkt beim Ehrenamt ist, dass man unter den Menschen ist, draußen ist. Ich arbeite gerne mit anderen Leuten zusammen." Ehrenamt funktioniere eben nur im Team. Und wenn es jemand weiß, was es bedeutet, sich ehrenamtlich für die Gemeinschaft zu engagieren, dann ist das Luise Busch. Gefühlt gibt es nur wenig, das sie nicht gemacht hat.
Mutter mit Kind an Weihnachten im Frauenhaus Donnersberg
Da ist zum Beispiel ihr Engagement im Verein "Frauen helfen Frauen". Er ist der Trägerverein des Frauenhauses Donnersbergkreis. 33 Jahre lang war sie Vorsitzende und war auch Mitbegründerin des Frauenhauses. Luise Busch kann sich noch gut an den Heiligabend 1989 erinnern, als die erste Frau in die Einrichtung kam. Es war eine junge Frau mit ihrem kleinen Jungen.
Ich habe großes Vertrauen, dass die Menschheit doch nicht so schlecht ist.
Für Busch war es damals ein Alptraum, dass eine Frau und ihr Kind ausgerechnet an Weihnachten wegen Gewalt in der Familie ihr Zuhause verlieren. "Irgendwo war der Heilige Abend überhaupt nicht mehr so stimmungsvoll zu gestalten, auch in meiner eigenen Familie, weil ich fürchterlich berührt war davon, wie die Frau da jetzt alleine leben muss im Frauenhaus mit ihrem Kind", erinnert sich Busch - und fügt an: "Sie erlebte eine ganz andere Weihnachtszeit, als sie es verdient hatte."
Einsatz für eine "lebendige Demokratie"
Immer wieder klingelte über Jahrzehnte hinweg nachts das Telefon. Am anderen Ende der Leitung: die Polizei. Sie informierte Luise Busch, dass sie jemanden ins Frauenhaus bringt. Und die Rockenhausenerin zog sich daraufhin an, setzte sich in ihr Auto und fuhr ins Frauenhaus, um anderen zu helfen.
"Luise ist eine faszinierende Frau. Sie identifiziert sich mit dem, was sie tut. Sie hat Rückgrat, Mut und Entschlossenheit", sagt Gerd Fuhrmann, ein langjähriger Weggefährte und ehemaliger Stadtbeigeordneter von Rockenhausen. Sich wegzuducken, das war für Luise Busch nie eine Option, wie sie erzählt. So engagiert sie sich seit Jahrzehnten in einem Arbeitskreis "Aktiv gegen Rechts". Für eine "lebendige Demokratie".
Mit deutsch-französischer Freundschaft fing alles an
Angst habe sie bei so mancher Demonstration keine gehabt. "Vielleicht habe ich im Nachhinein manchmal gedacht, 'da war es ein bisschen gefährlicher, als sonst'. Ich gehe eigentlich auch erst einmal auf die Leute zu ohne Bedenken, ohne Ängste, und habe großes Vertrauen, dass die Menschheit doch nicht so schlecht ist", sagte sie.
Nach wie vor bringt sie sich ehrenamtlich auch in der Stadtbücherei ein oder in einem Team, das sich um die Entwicklung von Rockenhausen kümmert. Sie liest auch mal Kindern vor, steht bei der "Tafel" hinter der Theke, engagiert sich im Museumskreis des Nordpfälzer Geschichtsvereins und liebt bei alldem den Kontakt zu den Menschen. Das gilt auch für eine Städtepartnerschaft von Rockenhausen und Rognac in Frankreich. Es ist kaum verwunderlich, dass sie auch da von Beginn an seit 50 Jahren dabei ist. Gleichzeitig war das auch der Startschuss ihres ehrenamtlichen Engagements.
Flüchtlingen beim Start in Deutschland geholfen
Auch nach ihrer langen Zeit als ehrenamtliche Integrationsbeauftragte kümmert sich die ehemalige Leiterin einer Grundschule in Winnweiler um Flüchtlinge, hat sie immer wieder zu Behörden begleitet und war ihnen somit eine Hilfe beim Start in einem fremden Land. Für die SPD war sie zudem Jahrzehnte im Kreistag und im Stadtrat, war Kreis- und Stadtbeigeordnete.
Ihr langjähriger Weggefährte Gerd Fuhrmann hat sie kürzlich als Vorbild bezeichnet. Da hatte er eine Laudatio auf Luise Busch gehalten. Sie wurde mit dem Ehrenzeichen in Gold der Stadt Rockenhausen gewürdigt. Längst nicht die einzige Auszeichnung, die Luise Busch in ihrer langen Zeit als Ehrenamtlerin erhalten hat. So wurden ihr unter anderem auch schon die Bundesverdienstmedaille und der Landesverdienstorden verliehen.
Weggefährte: "Sie ist ein Gesicht der Nordpfalz"
"Was sie geleistet hat und leistet ist beispiellos. Wir wissen, was wir an ihr haben. Sie ist ein Gesicht der Stadt Rockenhausen, aber auch der Nordpfalz und des Donnersbergkreises", würdigt Gerd Fuhrmann die 86-Jährige im Gespräch mit dem SWR.
"Ehrenamt hält jung, hält rege, hält einen in Schwung, in Gang. Man muss schon beweglich bleiben, auch geistig beweglich bleiben."
Luise Busch betont, dass all dieses Engagement auch nicht ohne die Unterstützung ihres Mannes Egon möglich gewesen wäre. "Wir sind im 63. Jahr verheiratet. Jeder hatte seine Bereiche und Verständnis für die Hobbys des anderen", beschreibt es die Rockenhausenerin. Für sie steht fest: "Ehrenamt hält jung, hält rege, hält einen in Schwung, in Gang. Man muss schon beweglich bleiben, auch geistig beweglich bleiben. Und es gefällt mir auch sehr gut, dass ich weitgehend mit viel jüngeren Leuten als mir zusammenarbeiten kann."
Kunst spielt eine besondere Rolle für Ehrenamtlerin aus der Nordpfalz
Und dann ist da eben noch die Liebe zur Kunst. Seit 40 Jahren leitet Busch den Kahnweiler-Arbeitskreis, hat Preisverleihungen miterlebt und mitbetreut. Die Vorfahren des Kunsthändlers Daniel-Henry Kahnweiler lebten in Rockenhausen. Kahnweiler galt als Entdecker, Förderer und Freund von Pablo Picasso.
Luise Busch initiiert mit viel Herzblut Ausstellungen im Museum für Kunst in Rockenhausen und hat dort über die Jahre zahlreiche Verbindungen aufgebaut. Oder, wie es Gerd Fuhrmann beschreibt: "Sie hat dem Museum ein Gesicht gegeben." Man könnte getrost noch hinzufügen: nicht nur diesem. Luise Busch lebt eben Ehrenamt.