In den Sommerferien ist es an der Volkshochschule Pirmasens deutlich voller als sonst: Zahlreiche Kinder kommen hier in kleinen Gruppen zusammen, um freiwillig und kostenlos zu lernen. Im Mittelpunkt stehen zwei Angebote, die eng mit den Schulen vor Ort verzahnt sind: das Lernprogramm "Lernen in den Ferien" und Feriensprachkurse für Kinder mit Migrationshintergrund.
Feriensprachkurse: Deutsch im geschützten Rahmen
VHS-Leiter Stanislaw Bayer berichtet, dass aktuell rund 65 Kinder an den Feriensprachkursen teilnehmen, verteilt auf fünf Kurse. Jeder Kurs läuft zwei Wochen am Stück, pro Gruppe sind höchstens 15 Kinder vorgesehen, in Pirmasens sind es meist sogar weniger. Das sei ein Vorteil, weil die Lehrkräfte so individueller auf die Kinder eingehen können.
Ein zentrales Merkmal der Sprachkurse: Die Kinder können ihre Deutschkenntnisse, insbesondere die mündliche Sprache, in einem geschützten Rahmen entwickeln. Bayer sagt, die Kinder seien vom Sprachniveau in einer Gruppe relativ ähnlich. Viele kämen mit Unsicherheiten oder Schamgefühlen, weil sie Deutsch noch nicht sprechen. In den Kursen hätten sie die Möglichkeit, ohne Druck zu üben und sich frei zu beteiligen, das falle deutlich auf.
Die Feriensprachkurse richten sich an schulpflichtige Kinder mit Migrationshintergrund, die noch gar keine oder nur sehr geringe Deutschkenntnisse haben. Der Schwerpunkt liegt auf Alltagssprache: Höflich fragen ("Darf ich bitte Wasser trinken?"), sich vorstellen, sagen können, wie es einem geht oder im Supermarkt zurechtfinden. Spiele, Lieder, Bewegung und Handpuppen helfen dabei, Hemmungen abzubauen.
Unterrichtet werden die Kurse von aktiven Lehrerinnen und Lehrern, Lehramtsstudierenden sowie Lehrkräften im Ruhestand. So ist pädagogische Erfahrung vorhanden, um auf sehr unterschiedliche Kinder eingehen zu können.
Die Teilnahme ist freiwillig, für die Familien kostenlos. Für die Feriensprachkurse braucht es eine Empfehlung der Schule, weil die Lehrkräfte das Sprachniveau und den Bedarf am besten einschätzen können.
"Lernen in den Ferien": Schulstoff nachholen und sichern
Neben den Sprachkursen bietet die VHS Pirmasens das Programm "Lernen in den Ferien" an. Es ist aus der Sommerschule in der Corona-Pandemie entstanden und soll Lernlücken schließen oder Verbesserungsbedarf im Schulstoff angehen.
Hier sind die Gruppen noch kleiner: Bis zu zehn Kinder werden von zwei Kursleitenden betreut. Bayer betont, dass dies notwendig sei, weil die Kinder mit unterschiedlichen Wissenslücken und Unterrichtsbedarfen kommen. In den Kursen wird vor allem der Stoff aus dem vergangenen Schuljahr wiederholt und vertieft – in Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen. Manche bringen vorbereitete Materialien ihrer Lehrkräfte mit, ergänzend setzt die VHS auf Tablets mit Lern-Apps.
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Mülltrennung, Ruhezeiten und Arzt-Termine. Das steht auf dem Stundenplan im Integrationskurs in Pirmasens. Dafür gab es nun den Integrationspreis des Landes.
Auch "Lernen in den Ferien" ist freiwillig und kostenlos. Die Anmeldung läuft hier in der Regel über die Eltern, häufig mit Unterstützung der Lehrkräfte, die den Bedarf sehen. Das Angebot soll die Kinder gezielt auf das kommende Schuljahr vorbereiten.
Lehrkräfte engagieren sich freiwillig in den Ferien
In den Feriensprachkursen an der VHS Pirmasens unterrichten ganz unterschiedliche pädagogische Fachkräfte: Lehramtsstudierende, aktive Lehrerinnen und Lehrer aus der Region sowie Lehrkräfte im Ruhestand. Viele engagieren sich zusätzlich zu ihrem regulären Schulalltag in den Ferien.
Förderschullehrerin Monika Kindler arbeitet sonst an einer Förderschule und übernimmt in den Ferien einen Sprachkurs. In ihrem Kurs wird nicht nur gesprochen, sondern auch gesungen und gespielt: Die Kinder lernen zum Beispiel ein Wochentags-Lied mit Bewegungen, "Montag bin ich in dem Haus…" und verbinden so deutsche Wörter mit Gesten und Rhythmus. Dazu kommen einfache Lerntexte, kleine Spiele mit Bällen oder Karten und Übungen, in denen sie höfliche Sätze wie "Darf ich bitte Wasser trinken?" oder "Darf ich bitte auf Toilette?" immer wieder laut üben.
Kindler ist wichtig, dass die Methoden zu den Kindern passen:
„Man merkt: den einen kann man über Musik, Lieder, Lerntexte begeistern, [...] also verschiedene Kanäle ansprechen,
und dann funktioniert das ganz gut.“
Berufsschullehrerin Lena Hettrich, die an der Meisterschule unterrichtet und ebenfalls einen Feriensprachkurs leitet, sieht eine zentrale Herausforderung in den unterschiedlichen Sprachniveaus der Kinder. Sie sagt, die Klassenstufe verrate oft wenig über das tatsächliche Deutschniveau: Eine erste Klasse könne sprachlich genauso anspruchsvoll sein wie eine vierte – je nachdem, wie lange die Kinder schon in Deutschland sind und wie viel Deutsch sie bisher gelernt haben.
Um trotzdem alle mitzunehmen, arbeitet sie mit Aufgaben in verschiedenen Schwierigkeitsgraden, zusätzlichen Hilfekarten und kurzen, wiederholten Sprachübungen, damit sowohl Kinder mit wenig Deutsch als auch diejenigen, die schon mehr können, immer wieder Erfolgserlebnisse haben.
Zukunft der Stadt: Pirmasens setzt bewusst auf Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen
Sowohl "Lernen in den Ferien" als auch die Feriensprachkurse werden über Landesmittel finanziert. Das Bildungsministerium Rheinland-Pfalz setzt "Lernen in den Ferien" gemeinsam mit dem Verband der Volkshochschulen um; die Sprachkurse werden ebenfalls aus Fördermitteln gespeist. Für Familien sind beide Angebote kostenlos.
17. SWR Medienforum Migration Teilhabe in der Einwanderungsgesellschaft
Wo stehen Menschen mit Migrationshintergrund und welchen Platz am Tisch nehmen sie ein? Das war das Thema des diesjährigen SWR Medienforums Migration am 15. und 16. Juni 2021. Corona-bedingt digital.
Für die Stadt Pirmasens sind solche Bildungsangebote angesichts knapper Kassen ein bewusst gesetzter Schwerpunkt. Oberbürgermeister Markus Zwick verweist darauf, dass die Kommune wie viele andere finanzielle Engpässe und Haushaltsdefizite habe. Trotzdem setze Pirmasens gezielt auf Investitionen in Bildung: Es sei "teurer, nicht in Bildung zu investieren". Geld fließe in Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen, weil das unmittelbar die Zukunft der Stadt betreffe. Starke Kinder mit guten Bildungserfolgen würden später zu starken Erwachsenen und könnten langfristig auch die Fachkräfteproblematik abmildern.