Pfalz-Image unter der Lupe

Interview: Was Besucher an der Pfalz lieben und was Pfälzer kritisieren

Sehen Touristen die Pfalz durch die rosarote Brille und Pfälzer eher nüchtern? Eine Pfälzerin wollte das von über 1.000 Menschen wissen und hat das Image der Pfalz untersucht.

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Die Sommerferien stehen vor der Tür und damit kommen wieder tausende Urlauberinnen und Urlauber in die Pfalz. Kein Wunder: Die Pfalz ist die beliebteste Tourismusregion in Rheinland-Pfalz, die Gästezahlen steigen weiter. Doch wie sehen die Besucherinnen und Besucher die Region eigentlich? Und deckt sich das mit dem Bild, das die Menschen haben, die hier leben?

Die Pfälzerin Elisabeth Lehr aus Wachenheim an der Weinstraße hat sich das im fernen Österreich wissenschaftlich angeschaut: In ihrer Masterarbeit hat sie mehr als 1.000 Menschen dazu befragt. Touristen, aber auch Menschen, die in der Pfalz leben. SWR Aktuell hat mit ihr über die Ergebnisse gesprochen.

SWR Aktuell: Frau Lehr, Sie haben untersucht, wie Touristen und Pfälzer die Pfalz wahrnehmen. Was ist dabei die wichtigste Erkenntnis?

Elisabeth Lehr: Beide Gruppen blicken sehr positiv auf die Pfalz, das war schon mal eine gute Nachricht. Landschaft, Natur, Kulinarik und die Menschen vor Ort werden von Gästen wie Einheimischen als große Stärken genannt. Was mich auch überrascht hat: Das Image, das Touristen von der Pfalz haben, deckt sich weitgehend mit dem der Einheimischen. Das spricht dafür, dass die Region nach außen vermittelt, was sie wirklich ist – keine falschen Erwartungen, kein aufgesetztes Marketingbild.

SWR Aktuell: Was schätzen Touristen an der Pfalz besonders?

Lehr: Besonders beliebt sind Weinfeste und die Natur: Der Pfälzerwald mit seiner typischen Hüttenkultur zieht Menschen an, die Ruhe und Gemütlichkeit suchen. Auch die Atmosphäre der Pfalz kommt gut an. Viele haben beschrieben, dass sie sich sofort willkommen fühlen, dass die Menschen herzlich und offen sind. Diese Geselligkeit ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal der Pfalz. Das wird von Gästen sehr bewusst wahrgenommen und positiv bewertet.

SWR Aktuell: Wo liegt dann der größte Unterschied zwischen den beiden Gruppen?

Lehr: Touristen kommen in die Pfalz, wollen Erholung, kulinarische Erlebnisse, Atmosphäre und genau das bekommen sie. Weil sie nur kurz hier sind, haben sie kein Bild von den Alltagsrealitäten. Einheimische dagegen schauen durch eine Alltagslinse und sind entsprechend kritischer. Je stärker man mit einer Region in Berührung kommt, desto differenzierter wird das Bild. Das gilt generell für Destinationsforschung und das hat sich in meiner Arbeit über die Pfalz klar bestätigt.

SWR Aktuell: Was kritisieren Pfälzer konkret?

Lehr: Vor allem den öffentlichen Nahverkehr: unzureichende Bus- und Zugverbindungen, gerade in abgelegenen Ortschaften. Außerdem wünschen sich viele familienfreundlichere Angebote. Das sind strukturelle Themen, die Touristen schlicht nicht auffallen, weil sie mit dem Auto kommen und nur kurz bleiben.

SWR Aktuell: Und was stört Gäste?

Lehr: Auch hier taucht der ÖPNV auf. Dazu kommen die Fahrradinfrastruktur. Auch die Beschilderung von Radwegen wurde mehrfach genannt und die Öffnungszeiten in der Gastronomie. Dass Restaurants mittags oder sonntags geschlossen sind, fällt Gästen negativ auf, gerade wenn sie eigens wegen der Kulinarik in die Pfalz kommen.

SWR Aktuell: Fast 6,5 von 7 Punkten – so hoch war die Bereitschaft der Befragten, die Pfalz weiterzuempfehlen. Was bedeutet das für die Region als Tourismusort?

Lehr: Die Pfalz kann mit einem wirklich guten Selbstbewusstsein auftreten. Die Stärken sind real und werden von allen Seiten anerkannt. Ausruhen sollte sie sich trotzdem nicht. Die Schwächen sind bekannt und dazu lösbar. Was ich aus meiner Arbeit besonders mitnehme: Emotionen spielen für das Image einer Region eine entscheidende Rolle. Und genau da hat die Pfalz ein riesiges Potenzial, das sie noch stärker nutzen könnte.

SWR Aktuell: Wie könnte das beispielsweise aussehen?

Lehr: Einheimische sind oft der erste Kontaktpunkt für Gäste und ihr Stolz auf die Region überträgt sich. Der Pfälzerwald, die Hüttenkultur dort, die Weinfeste – das alles ist kein Marketing, das ist gelebte Realität. Wenn die Pfalz diesen Stolz gezielt in ihre Markenkommunikation einbindet, also Pfälzerinnen und Pfälzer selbst zu Botschafterinnen und Botschaftern macht, kann das das Image nach außen noch weiter stärken.

SWR Aktuell: Herzlichen Dank für das Gespräch!

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