Es sind eklige, grünbraune Kothaufen und davon jeden Morgen jede Menge. Wer im Naturfreibad Otterberg eine Runde schwimmen will, verzichtet dieser Tage oft freiwillig aufs Sonne tanken danach. Schuld ist die afrikanische Nilgans und von ihr gibt es aktuell gleich sechs Exemplare im Schwimmbad. Sie finden es mitten im Grünen, am Beckenrand oder im Wasser mindestens genauso schön wie die Badegäste sonst. Leider hinterlassen die Tiere aber auch bis zu zwei Kilo Kot an einem Tag.
Es ist glitschig. Wenn die Kinder hier in der Kacke spielen müssen, das ist schon unangenehm.
Roger aus Otterberg nervt die Sauerei gewaltig. Man müsse bei jedem Schritt aufpassen, auch am Beckenrand, dass man nicht barfuß irgendwo rein tritt. "Es ist glitschig. Wenn die Kinder hier in der Kacke spielen müssen, das ist schon unangenehm", erzählt er. Die Gänse stören ihn "sehr, weil die das Bad und das Umfeld auch stark verschmutzen". Der Stammgast ist überzeugt davon, dass man das Nilgänse-Kot-Problem viel "früher hätte lösen müssen". Die Tiere fühlten sich im Freibad zu sicher, hätten keine Fressfeinde, betont er. Man hätte den Nachwuchs einfach umsiedeln müssen, als die Kleinen noch nicht fliegen konnten.
Abschuss von Nilgänsen einzige Lösung für Naturfreibad Otterberg?
Der Westpfälzer glaubt, dass man um den Abschuss der Nilgänse nicht herumkommen wird. Er hält die Lösung für sinnvoll, weil man den Tieren sonst nicht Herr würde. Fakt ist, die invasive Art paart sich mehrfach im Jahr.
Doch ein Abschuss ist nicht erlaubt, sagt die Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg. Werner Laubscher von den Technischen Betrieben erklärt es damit, dass das Naturfreibad in einem eingefriedeten Bezirk liegt. Es habe Kontakt mit der Jagd- und Naturschutzbehörde des Kreises gegeben. Was erlaubt sei: die Tiere zu vergrämen und ihnen das Leben schwer machen.
Wir dürfen sie verjagen, zum Beispiel mit Hunden. Sonst können wir nicht viel tun.
Bademeister sammeln eimerweise Kot im Naturfreibad Otterberg
Dass aktuell vormittags mehr Gänse als Badegäste im Freibad unterwegs sind, ist außerhalb der Sommerferien vermutlich normal. Nicht normal ist es aber, dass die Bademeister tägliche eimerweise Kot aufsammeln müssen, damit die verbliebenen Gäste eine saubere Liegewiese haben. Und auch am Beckenrand muss das Personal mit den Schaufeln immer wieder den Kot wegkratzen, damit die ekligen Hinterlassenschaften nicht am Fuß eines Badegastes kleben bleiben.
Immerhin, die Wasserqualität hat noch nicht gelitten. "Die ist einwandfrei", betont Werner Laubscher. Das Gesundheitsamt käme regelmäßig vorbei, um Proben zu nehmen, bislang "gab es keinerlei Beanstandungen".
Nilgänse und Kanadagänse sind vielerorts eine Plage in Rheinland-Pfalz
Nilgänse sind eine invasive Art, über etwa 20 Jahre ist man halbherzig dagegen vorgegangen, hat zugeschaut, wie sie sich in ganz Rheinland-Pfalz rasant vermehrt haben. In vielen Parks, Badeseen und Freibädern sind sie zur Plage geworden, sie verdrängen andere Vögel wie Blesshühner und Stockenten. In einigen Regionen in Deutschland wird die Jagd auf Nilgänse als Mittel zur Bestandsregulierung eingesetzt, während andere die Eier der Gänse unfruchtbar machen. Sie loszuwerden, eine Mission impossible?
Lösung des Kot-Problems in Otterberg: Hunde als Nilgans-Schreck?
Mitte September findet im Naturfreibad Otterberg zum wiederholten Male das Hundeschwimmen statt. Wer also nicht nur einen schönen Tag mit dem Haustier im Freibad genießen will, sondern vielleicht sogar zum Kämpfer gegen das Nilgänse-Kot-Problem werden möchte, der ist am 14. September eingeladen dabei zu sein.
Von 10 bis 17 Uhr können Hunde, die gegen Tollwut geimpft sind, ins knapp 100 Meter lange Schwimmbecken eintauchen und auf der großen Wiese mitten im Wald herumflitzen und nervige Nilgänse anbellen. Und im besten Fall auch für immer vertreiben, wenn es nach den Betreibern des Bades geht.