Verfolgt, gefoltert, ermordet

20 neue Stolpersteine – Kaiserslautern erinnert an Naziopfer

Stolpersteine machen in ganz Deutschland auf Schicksale während der Nazizeit aufmerksam – zum Beispiel jüdischer Mitbürger. In Kaiserslautern sind am Sonntag neue dazugekommen.

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Fein gekämmt, mit großen Augen und im Anzug blickt Alfred Brück in die Kamera. Es ist dieses Foto einer "jüdischen Sonderklasse" an der Röhmschule in Kaiserslautern aus dem Jahr 1938, das die "Initiative Stolpersteine" dazu bringt, das Leben und Schicksal von Alfred Brück zu recherchieren.

Sie finden heraus: Alfred wurde 1923 geboren, als Kind eines jüdischen Vaters und einer protestantischen Mutter. Als Kind einer sogenannten "Mischehe" wurde er in den 1940er-Jahren zur Zwangsarbeit in Oberschlesien und in der Nähe von Berlin herangezogen. Danach wurde er auf einem kleinen Bauernhof im heutigen Kreis Kaiserslautern als Zwangsarbeiter eingesetzt.

Zeitzeuge berichtet Stolperstein-Initiative über Alfred Brück

Um mehr über die Lebensgeschichte Alfred Brücks herauszufinden, haben die Mitglieder der Stolperstein-Initiative den Hof kurzer Hand besucht – und dort tatsächlich einen über 90-jährigen Zeitzeugen gefunden. Der Senior konnte sich an den jungen Alfred Brück erinnern, und daran, wie dieser kurz vor Kriegsende deportiert wurde. Brück kam in das KZ Theresienstadt und wurde dort von der US-Armee befreit. 1951 wanderte Alfred Brück in die USA aus, er starb 2001 im US-Bundesstaat Illinois.

Seiner Lebensgeschichte ist Georg Emme, ein Mitglied der Lauterer Stolperstein-Initiative, nachgegangen. Im SWR-Interview bestätigt er, dass es mitunter gar nicht so leicht ist, intensiv zu jüdischen Mitbürgern in Kaiserslautern zu forschen. Ein weiteres Beispiel ist laut Emme die Recherche zum Schicksal der jüdischen Familie Löwenstein:

20 Schicksale von Menschen in Kaiserslautern recherchiert

Nicht alle Schicksale, die die Stolperstein-Initiative in Kaiserslautern für die Verlegung der neuen Steine recherchiert hat, gingen so glimpflich aus. Von den 20 Menschen, an die ab jetzt auch in Kaiserslautern erinnert wird, wurden viele diskriminiert, verfolgt, verhaftet, gefoltert, manche sogar ermordet.

Für ihre Recherchen haben die Mitglieder der Initiative nicht nur das Kaiserslauterer Stadtarchiv durchforstet, sondern auch das internationale Arolsen-Archiv (es macht Dokumente aus der Nazizeit zugänglich) und in einigen Gedenkstätten in ganz Deutschland nachgefragt. Bei der Verlegung der Gedenksteine am Sonntag haben die Mitglieder die Biografien der Opfer vortragen, begleitet von Musik.

Nachkommen der Opfer sind in Kaiserslautern

Die Recherchen haben die Mitglieder der Initiative aber auch zu den Nachkommen der Opfer geführt. Einige von ihnen waren zur Zeremonie angereist – eine Familie sogar aus Großbritannien. Die Recherchen der Stolperstein-Initiative waren für die Familien der Anlass, sich genauer mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Menschen stehen auf einem Bürgersteig vor einem Haus und tragen Texte vor, währenddessen werden goldfarbene Steine im Boden verlegt. Vier der insgesamt 20 Stolpersteine sind für Familie Allmayer.
Die Stolpersteine werden immer vor dem letzten bekannten Wohnort einer jüdischen Familie aus Kaiserslautern verlegt.

Dass in ganz Deutschland Stolpersteine an das Schicksal von jüdischen Mitbürgern während der Zeit des Nationalsozialismus erinnern, geht auf eine Initiative des Künstlers Gunther Demnig aus dem Jahr 1992 zurück.

Zehntausende Stolpersteine wurden in Europa bereits verlegt

In ganz Deutschland wurden bisher weit über 90.000 verlegt, allein in Kaiserslautern sind es über 200.

Ein Mann mit Kippa und viele Passanten stehen in einer Fussgängerzone und verlegen goldfarbene Steine im Boden. In der Innenstadt wurden insgesamt 20 Stolpersteine für verfolgte Juden aus dem Nationalsozialismus verlegt.
Auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde haben die Verlegung der Stolpersteine in Kaiserslautern begleitet und mitgestaltet.

Im Mai hatten Unbekannte in der Kaiserslauterer Innenstadt vier Stolpersteine aus dem Boden gerissen. Die Tat hatte über die Stadtgrenzen hinaus für Bestürzung gesorgt. Die Steine wurden mittlerweile wieder ersetzt.

Ein eherenamtliches Mitglied der Stolperstein-Initiative zeigt ein Foto der jüdischen Sonderklasse in der Röhmschule 1938. Auf diesem sind mehrere Kinder mit Namen markiert.
An die eineinhalb Jahre haben die Mitglieder der Stolperstein-Initiative zu den Kaiserslauterer Juden recherchiert, Stadt- und Onlinearchive durchforstet und Kontakt zu Zeitzeugen und Nachfahren geknüpft.
Kaiserslautern
In Kaiserslautern sind die gestohlenen Stolpersteine für eine jüdische Familie ersetzt worden.

"Es gibt Mut, weiterzumachen" Stolpersteine für jüdische Familie in Kaiserslautern vorläufig ersetzt

Nachdem vorletzte Woche in Kaiserslautern sogenannte Stolpersteine gestohlen wurden, sind am Mittwoch an der gleichen Stelle provisorische Steine verlegt worden.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RP

Pirmasens
Die Schülerinnen und Schüler 10a der Käthe-Dassler-Realschule-plus Pirmasens haben in den vergangenen Monaten die Schicksale jüdischer Holocaust-Opfer aus Pirmasens recherchiert. Ihre Ergebnisse stellen sie im Januar in der Lutherkirche aus – anlässlich des Gedenktags "80 Jahre Befreiung des KZ Ausschwitz".

Schüler suchen Nachfahren Schulklasse stellt Schicksal von Pirmasenser Holocaust-Opfern vor

Die Befreiung des KZ Auschwitz jährt sich zum 80. Mal. Anlass für eine Schulklasse, den Schicksalen jüdischer Familien aus Pirmasens nachzugehen.

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Zeitgenossen Gunter Demnig: „Stolpersteine sind eine Verneigung vor den Opfern“

Gunter Demnig arbeitet seit etwa einem halben Jahrhundert als Künstler, doch bekannt ist er nur für ein einziges Werk: Die „Stolpersteine“ zur Erinnerung an NS-Opfer in Europa, das wohl größte dezentrale Mahnmal der Welt.

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eine Seniorin in Nahaufnahme

Rückkehr mit gemischten Gefühlen

Erna de Vries hat Auschwitz nur knapp überlebt. Nun ist sie in ihre Geburtsstadt Kaiserslautern zurückgekehrt - mit gemischten Gefühlen. Dort wurde sie geehrt. | video

8.12.2014 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
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SWR

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