Vor genau zehn Jahren sprach die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Satz, der Deutschland prägen sollte: "Wir schaffen das." Gemeint war die Aufnahme von hunderttausenden Geflüchteten. Auch in Kaiserslautern sind die Auswirkungen bis heute spürbar. Wer durch die Fußgängerzone der Stadt geht, hört viele Sprachen: Arabisch vor einem Imbiss, Englisch von Studierenden, Spanisch am Straßencafé – und natürlich auch Deutsch. Die Stadt ist vielfältiger geworden, aber das Thema "Zuwanderung" sorgt gleichzeitig für Spannungen.
Integration in Kaiserslautern: Chancen und Herausforderungen
Seit 2015 sind viele Geflüchtete, vor allem aus Syrien und Afghanistan, nach Kaiserslautern gekommen. Alexander Pongrácz, Integrationsbeauftragter der Stadt, sieht seither viele Fortschritte im Zusammenleben. Zugleich merkt er aber auch, dass sich die gesellschaftliche Stimmung deutlich verändert habe: "Es sind leider Sachen salonfähig geworden, die vor wenigen Jahren noch unsagbar gewesen wären."
Für Pongrácz bleibt Integration ein andauernder Prozess, der von allen Seiten Arbeit verlangt.
Von Syrien nach Kaiserslautern: Eine Familie baut sich ein neues Leben auf
Wie Integration gelingen kann, zeigt das Beispiel von Lina Kaalo. Sie kam 2015 mit ihrer Familie aus Afrin, einer Stadt im Nordwesten Syriens, nach Kaiserslautern. Heute arbeitet sie als Erzieherin in einem Kindergarten und die Familie besitzt inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft. "Wir haben ein schönes Leben aufgebaut – die Kinder sind toll integriert. Ich hab jetzt das Gefühl, ich gehöre zu Deutschland."
Doch Kaalo spürt auch, dass die gesellschaftliche Stimmung heute kritischer ist als damals. "2025 kann man gar nicht mit 2015 vergleichen. Viele Menschen haben damals ehrenamtlich geholfen. Heutzutage ist es anders." Ihre Geschichte macht deutlich: Integration kann gelingen, braucht aber auch ein Umfeld, das Offenheit fördert.
Wir haben ein schönes Leben aufgebaut – die Kinder sind toll integriert. Ich hab jetzt das Gefühl, ich gehöre zu Deutschland.
Zuwanderung in Kaiserslautern: Zwischen Zustimmung und Kritik
Eine Straßenumfrage in der Innenstadt zeigt, wie unterschiedlich die Meinungen zum Thema sind. Während einige ältere Passanten rückblickend kritisch meinen, es sei ein Fehler gewesen, so viele Geflüchtete aufzunehmen, sehen andere in der Vielfalt eine Bereicherung.
Jüngere Menschen betonen, dass es richtig war, Schutzsuchenden eine Chance zu geben, und manche schätzen den Austausch mit anderen Kulturen im Alltag. Gleichzeitig gibt es Stimmen, die zwar das "Multi-Kulti"-Stadtbild begrüßen, aber auch klarstellen: Integration müsse konsequent gelebt und eingefordert werden.
Zehn Jahre nach Merkels Satz: "Wir schaffen das" Landauer Flüchtlingshelferin: "Vieles haben wir noch nicht geschafft"
Als die Flüchtlingskrise ihren Höhepunkt hatte, war die Landauerin Magdalena Schwarzmüller zur Stelle: Als Ehrenamtliche. Sie sagt: "Vieles haben wir noch nicht geschafft"
Politisch spiegelt sich diese Bandbreite wider: Kaiserslautern gilt heute als blauer Fleck im Westen – bei der letzten Bundestagswahl hat hier die AfD viele Stimmen geholt. Die Stadt spiegelt damit ein wenig das, was auch bundesweit diskutiert wird: Chancen einer vielfältigen Gesellschaft, aber auch Herausforderungen, die den politischen Rechtsruck verstärken.
Zehn Jahre nach "Wir schaffen das": Integration als Daueraufgabe
Kaiserslautern ist ein Beispiel dafür, wie Zuwanderung eine Stadt nachhaltig prägt – mit Erfolgen, aber auch Konflikten. Für den Integrationsbeauftragten Pongrácz ist klar: "Das Thema Integration hat man nie ganz geschafft. Man muss daran arbeiten. Alle müssen sich daran beteiligen, weil wir letztlich, wenn es gelingt, alle davon profitieren können."
Zehn Jahre nach Merkels Satz "Wir schaffen das" bleibt die Bilanz in Kaiserslautern also ambivalent: Es gibt Geschichten voller Hoffnung und gelungener Integration – aber auch Skepsis und politischen Streit, die zeigen, wie hart umkämpft das Thema "Zuwanderung" geworden ist.