Osterhasen? Die gibt es im Pfälzerwald tatsächlich – zumindest zoologisch betrachtet, denn der Urvater des Osterhasen ist der Feldhase (Lepus europaeus). Und wenn der Mensch Feierabend macht, legen die Tiere erst richtig los. Kurzstrecken!? Langweilig! Die Feldhasen rund um Trippstadt sind wahre Langstreckenmeister!
Wenn die Sonne im Pfälzerwald untergeht, beginnt das Hasen-Abenteuer
In wenigen Tagen mehrere Kilometer? Kein Problem für die Feldhasen in der Region. Wenn die Sonne untergeht, beginnt für die Tiere mit den bis zu 13 Zentimeter langen Ohren das Hasen-Abenteuer. Denn tief im dunklen Wald haben die Hasen dann offenbar wenig Spaß. "Feldhasen sind Offenlandtiere", sagt Ulf Hohmann. Ihr eigentliches Ziel seien immer offene Flächen, erklärt einer der Projektleiter der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt. "Offene Wiesen sind Habitate, wie es sich ein Hase wohl erträumen würde“.
Hasenjagd rund um Trippstadt: Für die Wissenschaft und mit Drohne
Für das Forschungsprojekt musste das Forscherteam erst mal auf Hasenjagd gehen. Aber anders, als es ein Jäger tun würde. Sogar eine Drohne kam zum Einsatz. Daran hing ein zwei mal zwei Meter großes Netz. Die Idee: über den Hasen fliegen und das Netz im richtigen Moment fallen lassen. "Klingt einfach", scherzt Hohmann, "war es aber ganz und gar nicht. In 50 Prozent der Fälle waren die Hasen schon weg, als das Netz am Boden landete." Nach einigen Fehlversuchen und mit viel Geduld war die perfekte Höhe dann gefunden. Schließlich wurde das Netz aus rund zehn Metern Höhe abgeworfen.
Durch die höhere Fallgeschwindigkeit konnten die Hasen nicht weg hoppeln und wurden mit Sendern ausgestattet. Am Ende konnten die Forscher aber nur fünf Feldhasen erwischen, was im Team für etwas Enttäuschung sorgte. Doch auch die kleine Anzahl von Tieren mit Sendern brachte durchaus überraschende Ergebnisse zu Tage, sagt Ulf Hohmann: "Unsere vermeintlichen Osterhasen waren nachts, wenn garantiert niemand zuschaut, sehr aktiv: Sie flitzen aus dem Wald auf die Wiesen, fressen, schlafen, fressen und flitzen – und legen dabei rekordverdächtige Strecken zurück." In wenigen Tagen durchforsten sie viele Quadratkilometer.
Feldhasen im Wald: Vor der Wiese ist der Weg das Ziel
Im Pfälzerwald gibt es auf zahlreichen Kilometern dichten Baumbewuchs, Wiesen sind oft weit voneinander entfernt. Nur dort können sich Feldhasen aber wirklich satt futtern. "Um von Wiese zu Wiese zu kommen, legen sie rekordverdächtige Strecken zurück", erzählt Hohmann. Manchmal sechs Kilometer in einer Nacht. Ein Feldhase mit GPS-Sender hat die Forscher besonders verblüfft: "In wenigen Tagen hat dieser Hase 6,5 Quadratkilometer (die Fläche von etwa 900 Fußballfeldern) durchforstet. Tagsüber lag er oft ganz gemütlich und unscheinbar im geschützten Wald." Sobald es dunkel wurde, hieß es: hopp, hopp, raus aus dem Versteck!
Besonders kurios: Die Tiere nutzen bei ihren Marathonstrecken am liebsten die von Menschen gemachten Waldwege. "Wo Autos fahren, stehen keine Bäume", erklärt der Verhaltensforscher. "Die Wegränder bekommen mehr Licht ab und bieten leckere Pflanzen. Für den Hasen offenbar die perfekte Kombination aus Buffet und Rennstrecke." Ein ziemlich ausgeklügeltes Nachtprogramm. Quer durch den Wald würde auch für "zu viel Aufsehen" sorgen. Hasen sind clever: "Wenn sie nur durch den Wald laufen würden, gäbe es viele Geräusche. Dadurch würden Uhus, Luchse oder Füchse auf sie aufmerksam“, sagt Hohmann.
Was knabbern die Hasen eigentlich im Wald?
Eine wichtige Frage, die sich die Forscher gestellt haben, war: Was hinterlassen die Hasen im Wald – außer ein paar ziemlich beeindruckender Laufrekorde? Die Antwort ist erstaunlich unspektakulär. Kotproben zeigen: Gefressen wird vor allem auf Wiesen und offenen Flächen. Zwar knabbern die Tiere stellenweise auch an jungen Ginstern, Tannen und Buchen. Doch ihr Einfluss auf die Waldvegetation ist gering. „Sie hatten mit Verbiss im Pfälzerwald reichlich wenig zu tun“, sagt Hohmann. "Rehe und Hirsche sind beim Thema Waldverbiss deutlich größere Player."