"Es war ein Fehler von mir, dass ich diese Möglichkeit in Betracht gezogen habe", sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Hering reagierte damit auf scharfe Kritik an der Schaffung eines zweiten Chefpostens.
Hering war zuletzt zehn Jahre lang Präsident des Landtags in Mainz. Nachdem der Posten im neuen Parlament an den CDU-Mann Matthias Lammert ging, sollte der Westerwälder Hering auf einen neuen zweiten Chefposten bei der Lottogesellschaft mit Sitz in Koblenz wechseln. Dem hätte der Aufsichtsrat noch zustimmen müssen.
Die Personalie sorgte aber schon im Vorfeld für mächtig Unmut. Die rheinland-pfälzischen Grünen sehen einen zweiten Geschäftsführerposten als im Ländervergleich unüblich. Die Fraktion der AfD im Landtag kritisierte eine "Selbstbedienungsmentalität der neuen Landesregierung". Auch der Bund der Steuerzahler warf der neuen schwarz-roten Landesregierung vor, sich den "Staat zur Beute" zu machen.
Auch künftig nur ein Lotto-Geschäftsführer
Zuletzt wurde die Lottogesellschaft, deren Hauptgesellschafter das Land Rheinland-Pfalz ist, allein von Jürgen Häfner geführt. Häfner scheidet Ende Mai nach rund zwölf Jahren aus dem Amt aus. Seit 2014 war er nach Angaben der Lottogesellschaft alleiniger Geschäftsführer. Sein Nachfolger soll der langjährige CDU-Fraktionschef Christian Baldauf werden.
Nach Informationen der dpa soll es auch wie bisher bei einem Geschäftsführer bleiben. Darauf haben sich demnach die Regierungsparteien CDU und SPD geeinigt.
Hering zeigt sich einsichtig - Vertrauen in Politik gefährdet
Angesichts der harten Kritik entschied sich Hering, das Angebot nicht anzunehmen. "Ich war mir der Signalwirkung eines solchen Schrittes in dieser Art nicht bewusst und kann die in diesen Tagen geäußerte Kritik nachvollziehen", sagte Hering. Für ihn habe im Vordergrund gestanden, seine Erfahrungen, Netzwerke und Leidenschaften für den Sport und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Verbindung mit sozialen und karitativen Zielen einzubringen.
Ich würde mit einem solchen Schritt dazu beitragen, die Verdrossenheit gegenüber Politik und Politikern weiter zu fördern
"Die Annahme eines solchen Postens würde bei vielen den Eindruck hinterlassen, es gehe um hochdotiertes Postengeschachere", sagte Hering weiter. "Ich würde mit einem solchen Schritt dazu beitragen, die Verdrossenheit gegenüber der Politik und Politikern in diesen Zeiten weiter zu fördern und Vertrauen zu untergraben."
Das sei das Gegenteil von all jenem, wofür er sich in seiner politischen Laufbahn eingesetzt habe.
"Abgeordnetenwatch" kritisiert Vorgänge
Die Internet-Plattform "Abgeordnetenwatch" hat die Vorgänge um einen möglichen zweiten Geschäftsführer-Posten bei Lotto Rheinland-Pfalz scharf kritisiert. Auf SWR-Anfrage teilte eine Sprecherin mit, zwölf Jahre lang habe ein Geschäftsführer gereicht. Dass ausgerechnet nach einem Regierungswechsel ein zweiter Posten für einen Spitzenpolitiker geplant gewesen sei, werfe Fragen auf.
Es zeige: "Die Kontrolle kam von außen - nicht aus den zuständigen Gremien." Dass der langjährige rheinland-pfälzische Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) mittlerweile erklärt habe, dass er doch nicht zweiter Lottogeschäftsführer werden wolle, reiche nicht, so die Sprecherin weiter: "Der Rückzug ist das Mindeste." Offen bleibe, warum dieser Posten überhaupt entstehen sollte. Die Landesregierung sollte das jetzt transparent machen. Vertrauen entstehe nicht durch Rückzieher, sondern durch nachvollziehbare Entscheidungen. Da Rheinland-Pfalz 51 Prozent an Lotto halte, gebe es besondere Maßstäbe für Transparenz und Kontrolle, so die Sprecherin der Plattform.