Mit Mama am Abend gemütlich auf der Couch sitzend noch ein Buch vorgelesen bekommen. Das sind Stunden, die viele Kinder nie mehr vergessen. Lesen fördert die Vorstellungskraft von Kindern. Der Transfer von Geschriebenem hin zu Bildern im Kopf - das ist es, was Lesen so wertvoll macht und schon früh diese Fähigkeiten von Kindern positiv beeinflussen kann. In Zeiten von KI befürchten Experten, dass Kinderbücher immer inhaltsleerer und floskelhafter werden. Verliert Lesen durch die KI vielleicht sogar an Wert?
Droht meinem Kind Gefahr durch KI?
Laut Maximilian Heitkämper, Fachbereichsleiter Digitales und Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V. können KI-Bücher im Zweifel sogar gefährlich für Kinder sein. Denn bei solchen schnittmusterartig KI-generierten Schnellschüssen könne die Qualität vorher nicht überprüft werden. "Im schlimmsten Falle habe ich da vielleicht sogar Informationen drin, die für Kinder verstörend sind. Die vielleicht auch gefährdend sind, wenn Handlungsempfehlungen gegeben werden […] die dann auch wirklich gesundheitsgefährdend sein können."
Auf dem Markt herrscht Goldgräberstimmung
Die Verbraucherzentrale hat das Thema "KI im Buchmarkt" schon länger auf dem Schirm. Auf dem Markt herrsche geradezu eine "Goldgräberstimmung", sagt Heitkämper. Die Verbraucherzentrale RLP stellt eine "regelrechte Flut an KI generierten Kinderbüchern" fest, die über die großen Plattformen angeboten werden. Bei Kinderbüchern müsse man besonders kritisch sein, da sie "oftmals auch sensible Themen ansprechen und daher hochwertig sein sollten".
Keine einheitliche KI-Deklarierungspflicht
Ein weiteres Problem: Es gibt keine verbindliche Regelung dafür, wie KI-geschriebene Bücher gekennzeichnet werden müssen. Heitkämper erklärt, ab August 2026 gelte zwar eine EU-weite Kennzeichnungspflicht für Bilder, Töne, Videos und Texte, die über Themen von öffentlichem Interesse informieren. Dieser "AI-Act" der EU betrifft aber voraussichtlich keine (Kinder-)Bücher.
Eine solche Kennzeichnungspflicht wünschen sich auch viele Buchautoren. Einer von ihnen ist Stefan Gemmel aus Morbach (Landkreis Bernkastel-Wittlich). "Die Politik hängt der Entwicklung komplett hinterher. Die KI entwickelt sich ständig weiter, während wir noch versuchen, dem Stand von vor einem Jahr Gesetze zu geben."
Menschliches Schreiben berührt Kinder über Emotionen und lässt sie Lösungsansätze entwickeln, während sie lesen.
Autoren haben keine Angst - aber Sorgen
Angst vor der KI habe er nicht. "Ich denke, es wird die Menschen geben, die sich auf günstige KI-Bücher stürzen. Aber es wird auch die geben, die weiterhin explizit Bücher von Menschen kaufen wollen. Der große Unterschied ist: Die KI reproduziert nur noch und greift auf das zurück, was es bereits gibt", sagt Gemmel.
“Menschliches Schreiben berührt Kinder über Emotionen und lässt sie Lösungsansätze entwickeln, während sie lesen. Wenn ich ein Kind in der Seele berühren möchte, dann muss ich mit etwas Neuem kommen und die Gefühlswelt der Kinder widerspiegeln. […] Da kann KI nicht mithalten", so Gemmel. Durch die Reproduktion des bereits Geschriebenen, werde die KI immer genau das vermissen lassen: "Die menschliche Erfahrung, menschliche Emotionen und menschliche Empathie", so Gemmel.