Viele Menschen machen sich seit Wochen Gedanken, wie sie das perfekte Silvester feiern können. Aber nicht jedem ist zum Feiern zumute. Für Haustierbesitzer und das Personal in Tierheimen und Tierrettungen wird die Nacht oft zu einer der stressigsten des Jahres, weil viele Tiere negativ auf die Böllerei reagieren. Sie können das laute Knallen und die grellen Lichtblitze nicht einordnen und bekommen Panik.
Auch Wildtiere sind von der Silvesterböllerei betroffen, sagt Ann-Sybil Kuckuk, Naturschutzreferentin des NABU Rheinland-Pfalz. "Menschen merken ja allein schon bei ihren Haustieren, wie ihre Tiere leiden. Dann kann man sich schon vorstellen, wie es Wildtieren geht. Haustiere bleiben in der Wohnung und haben Schutz und Herrchen und Frauchen können sie beruhigen. Wildtiere haben das nicht", meint die Expertin.
Vögel besonders betroffen
Im städtischen Raum seien besonders Vögel von den negativen Auswirkungen von Feuerwerk betroffen. "Für sie kommt die Knallerei aus dem Nichts. Wenn sie in Gruppen auf Bäumen zusammensitzen, wie Krähen oder Stare, schrecken sie auf, fliegen gleichzeitig hoch und können sich dann verletzen, weil sie zum Beispiel gegeneinander oder gegen Gebäude fliegen."
Verlust von Energie durch panische Flucht
Die Flucht kann für Vögel tödlich enden, auch, weil sie dabei viel Energie verlieren. "Die Vögel fliegen dann aus Panik in die Höhe, bis zu mehrere hundert Meter hoch, viel höher als sie es normalerweise tun. Gleichzeitig ist es Winter und kalt, sie haben weniger Nahrung und Angst", erklärt die Expertin.
Sie betont, dass Wasservögel wie Gänse und Enten teilweise mehrere Kilometer entfernt noch auf den Lärm und das Licht reagieren und flüchten. Aus Angst würden sie ihre Schlaf- und Rastgebiete teilweise mehrere Tage nicht mehr aufsuchen.
Unterbrechung von Winterschlaf
Doch nicht nur Vögel leiden unter dem Silvesterfeuerwerk. Auch für Tiere, die Winterschlaf halten, kann es gefährlich werden, wie Igel und Fledermäuse. Leonie Münzer ist Försterin und beim Forstamt Rheinhessen für Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.
Sie erklärt, dass sich Fledermäuse oft in Siedlungsbereichen aufhalten, weil sie ihre Winterquartiere auf Dachböden oder in Kirchtürmen haben. "Wenn Fledermäuse dann panisch aufwachen, müssen sie ihren gesamten Stoffwechsel hochfahren, um zu flüchten und das kann dann teilweise auch dazu führen, dass sie sterben."
Tiere in Siedlungsgegenden
Auch Rehe, Füchse und Waschbären halten sich in Siedlungsgegenden auf. Deswegen kann auch für sie die Böllerei zum Jahreswechsel zur Gefahr werden: "Sie erschrecken sich wegen dem Licht und dem Lärm und können sich dann in Zäunen und anderen Hindernissen verfangen. Wenn sie auf der Flucht sind, achten sie noch weniger darauf, ob es sicher ist, die Straße zu überqueren. So kann es zu Unfällen kommen", sagt Leonie Münzer.
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Wild zieht sich ins Unterholz zurück
Förster Stefan Dorschel leitet das Forstrevier Lenneberg, ein Waldgebiet zwischen Mainz, Heidesheim und Budenheim. Er erzählt: "In den ersten Januarwochen bemerken wir, dass in den Bereichen, wo wir unsere Hochsitze haben und das Wild beobachten, die Tiere weniger zu sehen sind. Sie ziehen sich eine Weile im Unterholz zurück, bevor sie sich wieder heraustrauen."
Sein Wunsch: "Dass Leute, die am Waldrand wohnen, sagen: Wir genießen es das ganze Jahr, hier zu wohnen. Dann gehen wir, um zu böllern, ins Ortsinnere und machen das nicht am Waldrand, um die Wildtiere zu schützen. Aber ich persönlich halte es für sinnvoll, das anders zu regeln und Feuerwerke zentral zu veranstalten."
Feinstaub, Müll, Mikroplastik
Ann-Sybil Kuckuk vom NABU Rheinland-Pfalz, macht darauf aufmerksam, dass bei Feuerwerk neben dem Tierleid unter anderem die Luft durch enorme Mengen von Feinstaub verschmutzt wird, Müll entsteht und Mikroplastik in die Natur gelangt. "Ich kann verstehen, dass Feuerwerk auch Spaß macht. Aber ein kurzer Moment Spaß hat große Auswirkungen auf Tiere. Deswegen sind wir vom NABU gegen private Böllerei, wie laut Umfragen mittlerweile auch viele Menschen aus der Bevölkerung. Können nicht auch Wunderkerzen oder ein kleines Tischfeuerwerk reichen?"
Silvesterfeuerwerk - ja oder nein? Hier darf zum Jahreswechsel geböllert werden - und hier nicht
In Rheinland-Pfalz gibt es kein allgemeines Böllerverbot an Silvester, aber bundesweite Einschränkungen gelten auch hier. Und einige Kommunen treffen eigene Regelungen.
Sie ergänzt: "Wir sind für zentral organisierte Feuerwerke mit Ausnahmeregelungen. Um die Freude am Feuerwerk aber nicht ganz zu nehmen, sehen wir Drohnen- und Lichtshows als eine deutlich störungsärmere Alternative an."