Ingelore Prochnow ist heute 82 Jahre alt. Ihr Vater war ein polnischer Zwangsarbeiter. "Das Kind, Ingelore Rohde hieß ich damals, ist am 5. April 1944 im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück geboren", so Prochnow. Aufgewachsen ist sie bei Adoptiveltern. Ihnen musste sie versprechen, niemals nach ihren leiblichen Eltern zu suchen. Erst nach deren Tod brach sie ihr Versprechen. Ihre leibliche Mutter hat Prochnow zweimal getroffen, doch die beiden blieben sich fremd. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt.
Mutter Deutsche, Vater polnischer Zwangsarbeiter
Auch Detlef Klingenhäger, 1946 geboren, ist ein Kind verbotener Liebe. Auch sein Vater: polnischer Zwangsarbeiter. Seine Mutter: Deutsche. "Die Liebe hat gehalten nach dem Krieg noch", so Klingenhäger. "Das war sehr schwierig, gerade in der Nachkriegszeit, weil die Familie meiner Mutter da natürlich ganz fürchterlich gegen war. Und meine Großmutter hat meinen Vater wohl sehr schlecht behandelt, so dass er dann irgendwann im Frühjahr 1947 nach Amerika ausgewandert ist."
Klingenhäger blieb zurück - mit einem Satz seiner Großmutter, den er nie vergessen hat: "Wenn der Krieg nicht gewesen wäre, wärst du nicht da." Seinen Vater hat er niemals wieder gesehen.
Zwei Schicksale, die für viele stehen
Prochnows und Klingenhägers Erfahrungen stehen beispielhaft für die Geschichten vieler anderer Kinder - Geschichten, die lange verschwiegen wurden und heute endlich gehört werden. Erzählt werden sie jetzt in der Ausstellung "Trotzdem da" in der KZ-Gedenkstätte Osthofen.
"Das ist unglaublich wertvoll, denn tatsächlich ist es ja so, dass nicht mehr viele Zeitzeuginnen da sind, die direkt aus dieser Zeit berichten können", sagt Gedenkstätten-Leiterin Martina Ruppert-Kelly. "Und insofern sollten wir jede Chance wahrnehmen, die wir noch haben, Leute direkt zu befragen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen."
Mehr zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus
Biographien im Nationalsozialismus Trier unter den Nazis: Neue Forschung zu den Tätern im Dritten Reich
Ein Sadist im KZ Hinzert und ein Trierer Nazifunktionär, der nach dem Krieg Karriere machte. Die Trierer Uni hat neue Forschungen zum NS-Regime in der Region Trier vorgestellt.
Ausstellung Wider das Vergessen: Neue Wege der Erinnerungskultur in der Gedenkstätte KZ Osthofen
Erinnerung an die NS-Zeit wachhalten und zeitgemäß weiterentwickeln. Dieser Herausforderung stellt sich die Gedenkstätte KZ Osthofen und geht unkonventionelle Wege: Mit einer abstrakten Performance.