Ein Surf-Spot, mitten in Ulm, auf dem sich Surf-Fans von nah und fern tummeln, davon träumen die Mitglieder des Vereins "Ulm Surfing". Für ihre Vision vom Ritt auf der Welle mitten in der Stadt sind sie seit Jahren aktiv. Ihr Plan: Im Blau Park in der Ulmer Weststadt soll eine sogenannte stehende Welle entstehen. Und damit eine der angesagtesten Sportstätten der Stadt.
Meines Erachtens müsste man echt mal schauen, wo gibt es an der Blau unbedenkliche Standorte für so eine Welle.
300 Tage im Jahr Spaß beim Surfen auf der Blau?
Seit sechs Jahren plant die Gruppe um den Vereinsvorsitzenden Moritz Reulein das Projekt. Nun ist es etwas konkreter geworden. "Wir haben eine Machbarkeitsstudie machen lassen und die kam zum Ergebnis, dass es hier möglich wäre, 300 Tage im Jahr zu surfen", so Reulein bei einer Pressekonferenz.
Die Studie stammt von der Firma Dream Wave. Mit ihr zusammen will der Verein die Welle genau an der Stelle in Ulm bauen, an der sich die Blau in die Große und in die Kleine Blau teilt. Finanziert werden soll sie laut Verein durch Sponsoring, Crowdfunding und Fördermittel der Stadt und des Landes. Bis es soweit ist, muss der Plan aber noch einige Hürden nehmen.
Stadt Ulm: Projekt noch in "sehr früher Phase"
Die Stadt Ulm dämpft die Hoffnungen der Surferinnen und Surfer auf eine stehende Welle etwas. "Das Projekt befindet sich aus Sicht der Stadt noch in einer sehr frühen Phase. Es ist derzeit noch nicht abschließend geklärt, ob eine Umsetzung an diesem Standort möglich sein wird", heißt es auf Anfrage von der Stadt. Es seien noch rechtliche Fragen zu klären und die Untere Wasserbehörde der Stadt Ulm müsste zustimmen.
Sicherheitsbedenken nach Tod an Münchner Eisbachwelle
Außerdem muss die Welle für Surferinnen und Surfer möglichst sicher sein. Wie gefährlich eine Fluss-Welle sein kann, zeigte sich erst im April an der berühmten Eisbachwelle in München. Dort war eine Surferin schwer verunglückt und einige Tage später gestorben.
Im Gegensatz zur geplanten Welle in Ulm sei die Eisbachwelle aber auch nicht extra zum Surfen gebaut worden, so Reulein. "Dahinter sind Störsteine im Wasser, um die Welle zu bremsen. Und an diesen Störsteinen kann man sich verletzen", erklärt der erste Vorsitzende von Ulm Surfing. "Diese Störsteine gibt es aber bei uns nicht."
Naturschutzbeauftragter sorgt sich um seltene Vogelarten
Störsteine mag es in der Blau nicht geben. Was es aber gibt, sind laut Günther Krämer seltene Vogelarten. Er ist der Naturschutzbeauftragte für den Ulmer Westen und damit auch für den Blau Park. "Das Problem ist hier, dieser Bereich der Blau ist ein Hotspot der Artenvielfalt", erklärte Krämer.
Auf dem ganzen Ulmer Blau-Abschnitt gebe es nicht so viele besonders geschützte Arten wie hier. Unter anderem ist laut Krämer das letzte Paar des Grünfüßigen Teichhuhns an genau dieser Stelle ansässig.
Und auch die Bestände von Wasseramsel und Eisvogel würden aus Sicht des Naturschutzbeauftragten unter der Welle leiden. Hauptgrund dafür seien nicht die Baumaßnahmen, die für das Projekt erforderlich werden, sondern der dauernde Betrieb im Blau Park. Bereits jetzt würden Radfahrer und Hunde die Vögel beim Brüten stören.
Ganz gegen eine Welle auf der Blau ist Krämer trotzdem nicht. "Meines Erachtens müsste man echt mal schauen, wo gibt es an der Blau unbedenkliche Standorte für so eine Welle."
Welle in Ulm euphorisiert Surferinnen und Surfer
Egal, wie lange es noch dauert, allein die Idee einer stehenden Welle auf der Blau sorgt bei den Mitgliedern von Ulm Surfing jetzt schon für leuchtende Augen. "Ich stell' mir das dann so vor, dass hier dann noch ein kleiner Kiosk steht. Und man ein paar Freunde trifft", sagt die Surferin Dani zu den Plänen des Vereins. "Mir würde es so viel bedeuten, ich liebe Fluss-Surfen einfach", schwärmt ihre Freundin Moana.
"Nach der Arbeit oder vor der Arbeit mit Freunden abhängen und ein bisschen surfen", plant Ulm Surfing-Mitglied Matthias bereits seinen kommenden Sommer an der Blau. Bis es soweit ist, muss das Projekt aber noch einige Hürden nehmen. Und es wird noch viel Wasser die klare Blau hinunter fließen.