Der Messerangriff ist ein halbes Jahr her, doch er bewegt die Beschäftigten des Ulmer MediaMarkts bis heute: Mitte Januar hatte ein Mann das Geschäft betreten, ein Messer gezückt und unvermittelt von hinten auf einen Angestellten eingestochen. Tatverdächtig ist ein 30-jähriger Mann aus Eritrea. Am Dienstag, zum Prozessauftakt, hat sein Verteidiger eine Erklärung des Angeklagten verlesen. Darin hat der 30-Jährige die Taten in vollem Umfang gestanden.
Opfer bei Angriff lebensgefährlich verletzt
Bei dem Angriff war der Verkäufer lebensgefährlich verletzt worden. Er ist Nebenkläger in dem Prozess. Das Opfer und der Angeklagte kannten sich nach bisherigen Erkenntnissen nicht.
Das Erschreckende, was mein Mandant gesagt hat, und er hatte auch vollkommen recht, dass jemand, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, dass der so eine Tat begeht.
Ihrem Mandanten, dem Opfer des Messerangriffs, gehe es inzwischen besser, er sei aber noch nicht wieder ganz hergestellt. Je näher der Prozess gerückt sei, desto schlechter sei es dem jungen Mann aber gegangen, sagte die Rechtsanwältin des Opfers dem SWR.
Für den jungen Mann - und er habe da auch vollkommen recht - sei erschreckend und nicht nachvollziehbar, dass jemand im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte so eine Tat begeht, erklärte die Vertreterin der Nebenklage. Es bleibe ein "riesengroßes Fragezeichen".
Täter hat auch Polizeibeamte mit einem Messer angegriffen
Der mutmaßliche Angreifer war nach der Tat auf der Straße vor dem Elektronikfachmarkt von der Polizei gestellt worden und hatte die Beamten mit einem Messer angegriffen. Die Polizisten schossen und verletzten den 30-Jährigen schwer.
Vor Gericht hat der Angeklagte am Dienstag die Taten gestanden. Sein Verteidiger, Thorsten Storp, hat dazu eine Erklärung seines Mandanten verlesen. Dem SWR sagte Storp, dass der Angeklagte im Nachhinein sich selbst nicht erklären könne, warum es zu diesem Aggressionsausbruch gekommen sei und dass er sich schäme.
Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen Eritreer, der bereits - mit Unterbrechungen - mehr als vier Jahre in Haft gesessen hatte. Der abgelehnte und eigentlich ausreisepflichtige Asylbewerber konnte wegen Pass-Problemen nicht abgeschoben werden. Er war erst wenige Wochen vor dem Angriff im MediaMarkt aus einer Haft entlassen worden.
Es ist klar zum Ausdruck gekommen, dass er sich schämt.
Angriff von Überwachungskamera aufgezeichnet
Opfer des Angriffs in dem Ulmer Elektronikmarkt war ein 25-jähriger Verkäufer. Er war von hinten angegriffen worden. Der Täter stach mehrfach auf sein Opfer ein.
Der Angriff soll von der Überwachungskamera des Marktes aufgezeichnet worden sein, die Aufnahmen könnten vor Gericht verwendet werden. Verletzt wurden auch zwei weitere Angestellte des Marktes, die dem Opfer zu Hilfe eilten.
Opfer nach der Tat im Koma
Der lebensgefährlich verletzte Angestellte lag nach der Tat lange im Krankenhaus, zwölf Tage sogar im Koma. Die Tat begleite ihn bis heute, erklärte seine Rechtsanwältin. Er sei zwar jetzt in der Wiedereingliederung – allerdings nicht an seinem bisherigen Arbeitsplatz. Kundenkontakt sei für ihn nicht mehr möglich, er werde jetzt in einem anderen Bereich des Hauses eingesetzt, sagt seine Anwältin Catharina Müller.
Im MediaMarkt Ulm gibt es wohl niemanden, an dem die Tat spurlos vorbeigegangen ist. Dass der Prozess gegen den Tatverdächtigen jetzt begonnen hat, das wissen alle – nur darüber reden möchte offenbar niemand. Eine Mitarbeiterin der Unternehmenskommunikation bittet dafür um Verständnis.
Hilfs- und Gesprächsangebote stehen allen Mitarbeitenden zur Verfügung und werden wahrgenommen.
Auch heute noch gelte: Hilfs- und Gesprächsangebote stünden allen Beschäftigten zur Verfügung und würden auch angenommen. Zumindest rechtlich wird die Tat jetzt aufgearbeitet. Der Prozess wird nach bisheriger Planung noch fünf weitere Verhandlungstage bis Mitte August umfassen.