Durch die sehr gut besuchte Ulmer Fußgängerzone ist am Samstag ein ganzer Zug von Menschen in prunkvollen Trachten gezogen. Zu Ländler, Walzer und der Banater Polka haben Tanzgruppen aus ganz Süddeutschland und Rumänien getanzt. Damit haben sie den Auftakt des Heimattages der Banater Schwaben gemacht. Die Stadt ist seit 1998 Partnerstadt der Banater Schwäbinnen und Schwaben. Mittendrin: viele junge Menschen.
Musik, Tanz und Trachten
Eine von ihnen ist Anna Krispin, 29 Jahre alt. Sie gehört zur Tanzgruppe der Banater Schwaben Esslingen. Die Münsterländerin erzählt, dass sie erst durch ihre Hochzeit mit der donauschwäbischen Kultur in Berührung gekommen ist - und sofort begeistert war: "Ich habe die Musik gehört, habe angefangen mit ihm zu tanzen und gemerkt: Das macht mir so unheimlich viel Spaß, das möchte ich weiter machen!"
Aufwändige Tracht der Banater Schwaben
Ihre Kirchweihtracht ist typisch. Die Tracht der Mädchen ist mit fünf bis sechs Unterröcken und Schürze barock ausladend, so dass es beim Ankleiden Hilfe braucht. Die Trachten sind aufwendig zu pflegen, so müssen viele Röcke gestärkt werden. Dies ist bei den Männern anders.
Sie tragen ein weißes Hemd, schwarzes Leibchen, schwarze Schuhe und Hosen und zu festlichen Gelegenheiten einen schwarzen Hut. Dieser verschwindet teils komplett unter Schmuck, den wiederum traditionell die Frauen machen.
Von Kindesbeinen an bei Treffen in Ulm dabei
Einen dieser Hüte, über und über mit rosa Blüten geschmückt, trägt Lukas Krispin, der Mann an der Seite von Anna Krispin. Ihm wurde das Donauschwäbische schon in die Wiege gelegt.
An Pfingsten ist der Schwob in Ulm.
Der 30-Jährige ist Vize-Vorsitzender der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppe. Mit fünf Jahren habe er schon Tracht angehabt und aus dem Bollerwagen den Zuschauern gewinkt, berichtet er: "Es gibt bei uns seit Jahrzehnten den Spruch: An Pfingsten ist der Schwob in Ulm." Bei den Treffen werde die Gemeinschaft, Tradition und das Brauchtum zelebriert.
"Heimat im Herzen - Zukunft prägen" ist das diesjährige Motto in Ulm. Für die 28-jährige Elisa Polling ist das Motto absolut zutreffend. Ihre Eltern stammen aus dem Banat in Rumänien, sie selbst ist im hessischen Offenbach geboren. Schon immer sei die Familie zu den Treffen gereist: "Mit zwei hatte ich zum ersten Mal eine Tracht ein. Es ist ein Teil von mir."
Sie schätzt die Lebensfreude, die sich in Blasmusik und Volkstanz ausdrückt. Was die Banater Schwaben aber wirklich ausmache, sei die Gemeinschaft. Egal, mit wem man in Kontakt komme von den anderen Gruppen, man habe sofort Gemeinsamkeiten und kenne dieselben Geschichten von den Eltern. "Das verbindet stark", erklärt Elisa Polling: "Die Heimat ist auch bei uns im Herzen, obwohl wir nicht mehr die Erlebnisgeneration sind."
Insgesamt treffen sich bis zu 4.000 Banater Schwaben beim 26. Heimattag. Während am Samstag gerade die Jugend mit Tanz und Musik durch die Ulmer City zum Auswandererdenkmal im Fischerviertel zog, trifft sich das Gros am Sonntag in der Ulm Messe. Rund 15.000 Mitglieder zählt die Landsmannschaft insgesamt.
Die Banater Schwaben sind eine donauschwäbische Volksgruppe. Im 18. Jahrhundert warb die Habsburger Monarchie für das nach Kriegen dünn besiedelte Banat Siedler an. Das Banat liegt im Grenzgebiet des heutigen Serbien, Rumänien und Ungarn. Das Versprechen auf Land lockte viele Menschen aus Süddeutschland an. Für sie verfestigte sich der Begriff "Schwaben" und später "Banater Schwaben."
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 35.000 von ihnen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, die Verbliebenen wurden enteignet und zwangsumgesiedelt. In den 1980er Jahren begann eine Ausreisewelle aufgrund der schwierigen Lebensbedingungen.
1950 gründete sich in Deutschland die Landsmannschaft der Banater Schwaben. Sie will Aussiedlern bei der Eingliederung helfen, zur Völkerverständigung beitragen und Zusammenhalt und Kulturgut pflegen. Zum Pfingsttreffen in Ulm reisten nicht nur Banater Schwaben aus Deutschland an, sondern auch aus Rumänien.