Pfingsttreffen in Ulm

Warum junge Banater Schwaben ihre Kultur feiern

Beim Treffen der Banater Schwaben in Ulm engagieren sich auch viele junge Menschen. Ihre Vorfahren sind vor Jahrhunderten auch mit Ulmer Schachteln nach Rumänien ausgewandert.

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Von Autor/in Anita Schlesak

Durch die sehr gut besuchte Ulmer Fußgängerzone ist am Samstag ein ganzer Zug von Menschen in prunkvollen Trachten gezogen. Zu Ländler, Walzer und der Banater Polka haben Tanzgruppen aus ganz Süddeutschland und Rumänien getanzt. Damit haben sie den Auftakt des Heimattages der Banater Schwaben gemacht. Die Stadt ist seit 1998 Partnerstadt der Banater Schwäbinnen und Schwaben. Mittendrin: viele junge Menschen.

Am Pfingstwochenende sind tausende Banater Schwaben zu ihrem traditionellen zweijährlichen Treffen nach Ulm gereist. Darunter auch viele junge Menschen, die sich für die Kultur begeistern. Gerade junge Banater Schwaben zogen durch die Ulmer Fußgänger und zeigten Tänze.
Am Pfingstwochenende sind tausende Banater Schwäbinnen und Schwaben zu ihrem traditionellen zweijährlichen Treffen nach Ulm gereist. Darunter auch viele junge Menschen, die sich für die Kultur begeistern. Gerade junge Banater Schwaben zogen durch die Ulmer Fußgänger und zeigten Tänze. Anita Schlesak

Musik, Tanz und Trachten

Eine von ihnen ist Anna Krispin, 29 Jahre alt. Sie gehört zur Tanzgruppe der Banater Schwaben Esslingen. Die Münsterländerin erzählt, dass sie erst durch ihre Hochzeit mit der donauschwäbischen Kultur in Berührung gekommen ist - und sofort begeistert war: "Ich habe die Musik gehört, habe angefangen mit ihm zu tanzen und gemerkt: Das macht mir so unheimlich viel Spaß, das möchte ich weiter machen!"

Anna und Lukas Krispin sind mit Herzblut bei den Banater Schwaben. Während Lukas schon von Kindesbeinen mit seinen Eltern zu den Treffen in Ulm reiste, lernte Anna die Bräuche erst mit ihrem Mann kennen - und lieben.
Anna und Lukas Krispin sind mit Herzblut bei den Banater Schwaben. Während Lukas schon von Kindesbeinen mit seinen Eltern zu den Treffen in Ulm reiste, lernte Anna die Bräuche erst mit ihrem Mann kennen - und lieben. Anita Schlesak

Aufwändige Tracht der Banater Schwaben

Ihre Kirchweihtracht ist typisch. Die Tracht der Mädchen ist mit fünf bis sechs Unterröcken und Schürze barock ausladend, so dass es beim Ankleiden Hilfe braucht. Die Trachten sind aufwendig zu pflegen, so müssen viele Röcke gestärkt werden. Dies ist bei den Männern anders.

Sie tragen ein weißes Hemd, schwarzes Leibchen, schwarze Schuhe und Hosen und zu festlichen Gelegenheiten einen schwarzen Hut. Dieser verschwindet teils komplett unter Schmuck, den wiederum traditionell die Frauen machen.

So aufwändig geschmückt werden die Hüte der Männer der Banater Schwaben. Ansonsten tragen die Männer eher schlicht ein weißes Hemd und ein schwarzes Leibchen, währen die Frauen eine aufwändige Tracht tragen. Am Samstag sind sie mit Musik und Tanz durch Ulm gezogen.
So aufwändig geschmückt werden die Hüte der Männer der Banater Schwaben. Ansonsten tragen die Männer eher schlicht ein weißes Hemd und ein schwarzes Leibchen, währen die Frauen eine aufwändige Tracht tragen. Am Samstag sind sie mit Musik und Tanz durch Ulm gezogen. Anita Schlesak

Von Kindesbeinen an bei Treffen in Ulm dabei

Einen dieser Hüte, über und über mit rosa Blüten geschmückt, trägt Lukas Krispin, der Mann an der Seite von Anna Krispin. Ihm wurde das Donauschwäbische schon in die Wiege gelegt.

An Pfingsten ist der Schwob in Ulm.

Der 30-Jährige ist Vize-Vorsitzender der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppe. Mit fünf Jahren habe er schon Tracht angehabt und aus dem Bollerwagen den Zuschauern gewinkt, berichtet er: "Es gibt bei uns seit Jahrzehnten den Spruch: An Pfingsten ist der Schwob in Ulm." Bei den Treffen werde die Gemeinschaft, Tradition und das Brauchtum zelebriert.

Trachtengruppen aus ganz Süddeutschland sind am Pfingstwochenende zum Treffen der Banater Schwaben angereist. Diese waren am Samstag in der Ulmer Fußgängerzone in ihren Trachten, mit Musik und Tanz nicht zu übersehen. Am Pfingstsonntag ging das Treffen in der Donauhalle weiter.
Trachtengruppen aus ganz Süddeutschland sind am Pfingstwochenende zum Treffen der Banater Schwaben angereist. Diese waren am Samstag in der Ulmer Fußgängerzone in ihren Trachten, mit Musik und Tanz nicht zu übersehen. Am Pfingstsonntag ging das Treffen in der Donauhalle weiter. Anita Schlesak

"Heimat im Herzen - Zukunft prägen" ist das diesjährige Motto in Ulm. Für die 28-jährige Elisa Polling ist das Motto absolut zutreffend. Ihre Eltern stammen aus dem Banat in Rumänien, sie selbst ist im hessischen Offenbach geboren. Schon immer sei die Familie zu den Treffen gereist: "Mit zwei hatte ich zum ersten Mal eine Tracht ein. Es ist ein Teil von mir."

Sie schätzt die Lebensfreude, die sich in Blasmusik und Volkstanz ausdrückt. Was die Banater Schwaben aber wirklich ausmache, sei die Gemeinschaft. Egal, mit wem man in Kontakt komme von den anderen Gruppen, man habe sofort Gemeinsamkeiten und kenne dieselben Geschichten von den Eltern. "Das verbindet stark", erklärt Elisa Polling: "Die Heimat ist auch bei uns im Herzen, obwohl wir nicht mehr die Erlebnisgeneration sind."

Die 28-jährige Elisa Polling ist im hessischen Offenbach geboren, ihre Eltern stammen aus dem Banat in Rumänien. Die Banater Schwaben haben schon immer eine Rolle in ihrem Leben gespielt. Die gemeinsame Geschichte verbindet.
Die 28-jährige Elisa Polling ist im hessischen Offenbach geboren, ihre Eltern stammen aus dem Banat in Rumänien. Die Banater Schwaben haben schon immer eine Rolle in ihrem Leben gespielt. Die gemeinsame Geschichte verbindet. Anita Schlesak

Insgesamt treffen sich bis zu 4.000 Banater Schwaben beim 26. Heimattag. Während am Samstag gerade die Jugend mit Tanz und Musik durch die Ulmer City zum Auswandererdenkmal im Fischerviertel zog, trifft sich das Gros am Sonntag in der Ulm Messe. Rund 15.000 Mitglieder zählt die Landsmannschaft insgesamt.

Die Banater Schwaben sind eine donauschwäbische Volksgruppe. Im 18. Jahrhundert warb die Habsburger Monarchie für das nach Kriegen dünn besiedelte Banat Siedler an. Das Banat liegt im Grenzgebiet des heutigen Serbien, Rumänien und Ungarn. Das Versprechen auf Land lockte viele Menschen aus Süddeutschland an. Für sie verfestigte sich der Begriff "Schwaben" und später "Banater Schwaben."

Auch Ulmer Schachteln wie diese vor dem donauschwäbischen Zentralmuseum gehören zur Geschichte der Banater Schwaben. Auf solchen reisten sie vor 300 Jahren ins rumänische Banat. Dort lockte Land. Viele kehrten im vergangenen Jahrhundert zurück. Alle zwei Jahre treffen sich die Banater Schwaben nun in Ulm.
Auch Ulmer Schachteln wie diese vor dem donauschwäbischen Zentralmuseum gehören zur Geschichte der Banater Schwaben. Auf solchen reisten sie vor 300 Jahren ins Banat. Dort lockte Land. Viele kehrten aufgrund schwieriger Lebensbedingungen im vergangenen Jahrhundert zurück nach Deutschland. Anita Schlesak

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 35.000 von ihnen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, die Verbliebenen wurden enteignet und zwangsumgesiedelt. In den 1980er Jahren begann eine Ausreisewelle aufgrund der schwierigen Lebensbedingungen.

1950 gründete sich in Deutschland die Landsmannschaft der Banater Schwaben. Sie will Aussiedlern bei der Eingliederung helfen, zur Völkerverständigung beitragen und Zusammenhalt und Kulturgut pflegen. Zum Pfingsttreffen in Ulm reisten nicht nur Banater Schwaben aus Deutschland an, sondern auch aus Rumänien.

Die Story hinter dem Roman „Mein innerer Schwarzwald“ Zwischen Schwarzwald und Steppe: Das Erbe der Banater Schwaben

Im Roman „Mein innerer Schwarzwald“ begibt sich Sigrid Katharina Eismann auf Spurensuche: Ihre Vorfahren wurden als Aufständige im 18. Jahrhundert ins rumänische Banat vertrieben.

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Europäische Kulturhauptstadt 2023 Die Stadt Timişoara – Das europäische Herz Rumäniens

Die Region Banat und Timişoara waren ungarisch, osmanisch, österreichisch, rumänisch. Jede dieser Herrschafts-Phasen hat Spuren hinterlassen.

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Anita Schlesak
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Onlinefassung
Christine Janke
SWR Aktuell Autorin Christine Janke

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