Eine Serie an kuriosen Diebstählen von altem Speiseöl beschäftigt derzeit die Polizeipräsidien Ulm und Schwaben Nord. In mehreren Schnellrestaurants in den Landkreisen Heidenheim und Dillingen klauen Unbekannte immer wieder Altfett. Wobei, so kurios ist die Serie dann doch nicht, denn in anderen Gegenden gibt es ähnliche Fälle. Die Polizei Ulm hegt einen Verdacht, was dahinter stecken könnte.
Mehrere Diebstähle von Speiseöl in wenigen Tagen
Zunächst stahlen in Heidenheim Unbekannte in der Nacht auf den 31. Oktober mehrere Tonnen altes Frittieröl. Diese Woche waren dann zwei Schnellrestaurants in Lauingen und Giengen dran. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten gibt, konnte die Polizei bisher nicht bestätigen. Zumindest scheint es aber jedes Mal dieselbe bekannte Restaurantkette getroffen zu haben.
Warum das Altfett? Das Polizeipräsidium Ulm kann bisher nur mutmaßen. Der Verdacht: Der oder die Täter könnten das, je nach Aggregatzustand, flüssige oder feste "Gold" nutzen, um daraus Diesel-Kraftstoff zu machen. Unter anderem das sogenannte HVO100. Das darf seit Mai 2024 an Tankstellen verkauft werden. Hergestellt werden kann der Kraftstoff eben auch aus alten Fetten und Ölen, dem Diebesgut der bisher unbekannten Täter.
Aus Altfett wird Diesel für das Auto
Dass das Altfett ihrer Fritteusen zu Biodiesel weiterverarbeitet werden kann, das bestätigt auch die Presseabteilung der Fast-Food-Kette McDonald's gegenüber dem SWR. Dort lagert der "wertvolle Rohstoff" in Fässern, bevor er von Dienstleistern abgeholt und weiter verwertet wird. Zumindest wenn sie vorher nicht gestohlen werden.
Denn in einigen Schnellrestaurants habe es Diebstahlversuche und auch schon Diebstähle von Altfett gegeben, so McDonald's. Zu konkreten Vorfällen könne man sich aber "aufgrund von laufenden polizeilichen Ermittlungen nicht näher äußern".
Schäden für Restaurants, Entsorgungsunternehmen und den Staat
Normalerweise stellen zertifizierte Entsorgungsunternehmen der Gastronomie geeignete und zugelassene Sammelgebinde in verschiedenen Größen für das Altfett zur Verfügung, erklärt Heiko Lesch, Geschäftsführer des Unternehmens Altfettentsorgung und -recycling Lesch. Die aufgefüllten Behälter werden dann gegen eine Vergütung für die Restaurants abgeholt.
Die Entsorgungsunternehmen bereiten das gesammelte Altfett anschließend für die Biokraftstoff-Raffinerien auf. Wenn die Behälter vorher gestohlen werden, entsteht nicht nur bei den Restaurants und Entsorgungsunternehmen ein Schaden, so Lesch, sondern auch beim Staat. Denn für das Altfett gibt es einen Schwarzmarkt, "ähnlich wie bei Schrott oder Kupfer".
Lesch berichtet von zahlreichen Fällen bei seinen Kunden. Sein Unternehmen sammelt Altfett in ganz Süddeutschland. In einer Nacht sollen beispielsweise unbekannte Diebe entlang der A6 insgesamt acht Schnellrestaurants bestohlen haben - 3.500 bis 4.000 Kilo in wenigen Stunden. Der wirtschaftliche Schaden allein für sein Unternehmen beträgt in diesem Jahr Zehntausende Euro, so Lesch.
Diebstahl von Altfett: kein regionales Problem
Laut dem Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft, kurz BDE, ist der Altfett-Klau ein bundesweites Phänomen - und zwar seit Jahren. Erst vor wenigen Tagen hat es ein Fast-Food-Restaurant in Michelfeld im Landkreis Schwäbisch Hall erwischt. Hier nahmen die Täter rund 80 Liter altes Speiseöl mit. Der Wert: keine 50 Euro.
Diebstahl in Michelfeld stellt Polizei vor Rätsel Ungewöhnliche Beute: Unbekannte klauen Altfett
Diebe haben in Michelfeld bei einem Fast-Food-Restaurant 80 Liter Fett gestohlen. Was damit passieren soll, wissen auch die Ermittler nicht.
Und genau darin sieht der BDE auch ein Problem: Wegen des niedrigen Sachschadens werden einzelne Diebstähle oft als "Bagatelldelikte" bewertet, so ein Sprecher des Verbandes. Dabei handele es sich um "organisierte Kriminalität". Deshalb fordert er neue Schwerpunktstaatsanwaltschaften. Oder wenigstens, dass sich bestehende Staatsanwaltschaften zu Wirtschaftskriminalität dem Altfett-Diebstahl annehmen.