In Bodelshausen (Kreis Tübingen) werden 64 Wohnungen renoviert, während die Mieter darin wohnen. Das hat zu Problemen und Protesten einiger Bewohner geführt. Die verantwortliche Kreisbaugesellschaft kommt den Mietern nun entgegen.
Leben im Ausnahmezustand während Sanierung
Özlem Yilmaz ist frustriert. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt sie in Bodelshausen in einer Dreizimmerwohnung. Wohlfühlen kann sie sich dort nicht mehr. Die Möbel sind mit Folie verhüllt, Kabel hängen aus den Wänden, das Bad gleicht einem Rohbau.
In der Küche gibt es kein fließendes Wasser mehr. Auf der Küchenablage stehen zwei Backbleche, darauf kleine Pizzahappen und Chicken Nuggets in Dino-Form. Seit das Wasser zum Kochen und Abspülen draußen geholt werden muss, stellt sich Özlem Yilmaz nicht mehr an den Herd. Für warme Mahlzeiten wird nur noch der Backofen eingeschaltet oder sie holt Döner für die ganze Familie.
Ständig Handwerker in der Mietwohnung
Die Wohnungen liegen in vier Häusern, rund die Hälfte davon sind Sozialwohnungen. Seit März wird dort Haus für Haus renoviert. Momentan läuft die Sanierung am dritten Gebäude, das vierte folgt im Herbst. Ursprünglich hieß es, die Bäder würden innerhalb von vier bis sechs Wochen fertiggestellt. Doch zusätzliche Arbeiten wie der Austausch der Türen verzögerten den Zeitplan. Bei der Bewohnerin Katharina Schreitel etwa sind bereits neun Wochen vergangen. Die Handwerker waren immer wieder in der Wohnung, Privatsphäre kaum vorhanden.
Container-Bäder: umstrittene Lösung
Während der Bauarbeiten erhielten die Bewohner Ersatz: sogenannte Container-Bäder direkt vor den Häusern, ausgestattet mit Toilette, Dusche, Waschbecken und sogar Heizung. Auf dem Papier eine praktikable Lösung – in der Realität für einige jedoch ein Zumutung: Bei Katharina Schreitel ist das Bad bereits fertig, doch die Zeit der Renovierung war "grauenhaft". Der Boden vor den Containern sei matschig und rutschig gewesen, im Inneren hätten Spinnen gesessen. Ihre Kinder weigerten sich zu duschen und wichen zu Verwandten aus.
Renovierung statt Rauswurf aus Wohnung in Bodelshausen
Aber warum dieser ganze Stress für alle Beteiligten? Matthias Sacher, Geschäftsführer der Kreisbaugesellschaft Tübingen, die die Wohnungen vermietet, erklärt: Die Alternative wäre eine Kündigung ohne Ersatzwohnung gewesen. Dann zwei Jahre Leerstand und schließlich eine stark erhöhte Miete: von aktuell sechs Euro pro Quadratmeter auf bis zu 14 Euro, so Sacher. Durch die schrittweise Renovierung im bewohnten Zustand steige die Miete dagegen nur auf acht Euro pro Quadratmeter, und die Menschen könnten in ihrem vertrauten Umfeld bleiben.
Zugeständnisse an die Bewohner
Auf die Kritik reagierte die Kreisbaugesellschaft. Den Mietern wurden zwei Monatswarmmieten erlassen. Außerdem haben Handwerker die Wege zu den Containern verbessert: Holzböden und Teppichbahnen sollen den Zugang erleichtern, Beleuchtung sorgt nachts nun für mehr Sicherheit. Auch die Putzhilfe soll häufiger kommen. Geschäftsführer Sacher ruft die Anwohner zudem dazu auf, Probleme direkt an den Bauleiter zu melden und verspricht: Bis Weihnachten sollen alle Bäder fertig sein.
Nicht alle Mieter sind unzufrieden
Für Özlem Yilmaz und Katharina Schreitel reicht das jedoch nicht aus. Yilmaz hat einen Anwalt eingeschaltet und nur noch die Kaltmiete überwiesen. Schreitel hingegen empfindet die Sanierungsarbeiten als unnötig.
Viele andere Bewohner hingegen können es kaum erwarten, ihr neues Bad zu benutzen. Eine Mieterin berichtet, dass sie mit Nachbarn soviel gesprochen hat wie schon lange nicht mehr. Ein positiver Nebeneffekt der Sanierung der Mietshäuser in Bodelshausen.