Nach dem schweren Zugunglück bei Riedlingen (Kreis Biberach) wurde am Freitag in der Klosterkirche Zwiefalten eine Gedenkfeier abgehalten. Rund 500 Menschen nahmen an dem ökumenischen Gedenkgottesdienst der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg im Münster teil.
Bewegende Worte bei Trauerfeier in Zwiefalten
Klaus Krämer, der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Ernst-Wilhelm Gohl, der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, richteten sich vor allem an die Hinterbliebenen der drei Verstorbenen, die Angehörigen der 36 Verletzten und die Rettungskräfte. Unter den Gottesdienstbesuchern in der vollbesetzten Klosterkirche waren viele Feuerwehrleute und Polizisten in Uniform. Auch Seelsorger waren gekommen, die auch am Rande des Gottesdienstes vor Ort als Ansprechpartner für die Trauernden präsent waren.
Auf viele Fragen haben wir keine Antwort. In dieser Stunde haben wir nur die Hoffnung: Die Verletzten mögen gesund werden, die Angehörigen getröstet, die Toten bei Gott ruhen.
Der katholische Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Klaus Krämer, sprach in Zwiefalten den Angehörigen sein Beileid aus. "Gemeinsam suchen wir Trost und Halt nach diesem unbegreiflichen Unglück." Krämer dankte allen Helfern, Rettungsdiensten, Notfallseelsorgern, Polizisten und Medizinern für ihren Einsatz.
Gedenkgottesdienst für die Öffentlichkeit und geladene Gäste
Rettungskräfte hatten in Gedenken an die Toten zuvor jeweils drei rote Rosen vor dem Altar abgelegt, auf dem drei Kerzen brannten. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, hatten jeweils drei weiße Rosen zum Altar gebracht.
Zum Gedenken an die drei Toten wurde zudem die größte Glocke, die Dreifaligkeitsglocke, geschlagen, die nur an hohen Feiertagen und zu besonderen Anlässen zu hören ist.
Kretschmann: "Schnelle und selbstlose Hilfe der Rettungskräfte"
Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) sagte, die Bilder der entgleisten und aufgetürmten Zugwaggons machten tief betroffen. "In solchen grausamen und unbarmherzigen Schicksalsschlägen stoßen wir alle an unsere Grenzen." Zugleich habe die schnelle und selbstlose Hilfe der Rettungskräfte gezeigt, dass Deutschland in solchen Unglücksfällen als "Gemeinschaft tätigen Miteinanders und gegenseitiger Unterstützung" funktioniere. "Wenn wir einander Glaube, Liebe und Hoffnung schenken, können wir auch wieder aufstehen, wenn uns schwere Ereignisse niederdrücken." Er hoffe, dass Angehörige der Toten und Verletzten diesen Trost empfinden könnten.
Opfer und Überlebende des Zugunglücks bei Riedlingen
Bei dem Zugunglück von Sonntagabend sind ein Lokführer (32), ein Auszubildender des Zugbetreibers (36) aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis sowie eine 70-jährige Reisende aus dem Kreis Sigmaringen ums Leben gekommen. 36 Menschen waren bei dem Unfall teils schwer verletzt worden, unter ihnen zwei Kinder im Alter von 7 und 13 Jahren.
Beim Unfall schoben sich die Waggons des entgleisten RE55 Sigmaringen-Ulm ineinander. Als Ursache vermuten Polizei und Staatsanwaltschaft einen Erdrutsch, der durch einen übergelaufenen Abwasserschacht verursacht wurde und die Gleise teilweise verschüttete. Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung rechnet damit, dass der Abschlussbericht voraussichtlich erst in einigen Monaten vorliegt.