Auf einem Parkplatz in der Nähe des Bahnhofs in Horb (Kreis Freudenstadt) wurde einer Kundin ein Parkverstoß vorgeworfen. Das kommt wohl immer mal wieder vor, wie der SWR in einem Laden erfahren hat. Auf dem Parkplatz sind zwei Kameras installiert. Sie sollen automatisiert erfassen, ob sich die Leute an die Höchstparkdauer von zwei Stunden halten. Dabei kann es zu Fehlern kommen, wie Eden und Xenia Volohonsky aus Horb erfahren haben.
Das ist den beiden beim Parken in Horb passiert
Tochter Xenia Volohonsky war mit ihrem Auto um die Mittagszeit Brötchen holen. Ihr Vater Eden Volohonsky am nächsten Morgen auch - mit demselben Auto. Rund zwei Wochen später bekommt Xenia Post von einer Firma namens Nexobility. Die kontrolliert die Parkplätze in der Nähe des Bahnhofs. Zahlungsaufforderung: 35 Euro Vertragsstrafe wegen eines Parkverstoßes - so heißt es in dem Schreiben, das dem SWR und der Lokalzeitung "Schwarzwälder Bote" vorliegt. Sie hätte dort über 18 Stunden geparkt.
Parkverstoß? Zahlungsaufforderung und Androhung von Strafe
Xenia Volohonsky sucht Rat bei ihrem Vater. Der empfiehlt ihr auf die Schnelle, dass sie die 35 Euro überweisen solle, dann hätte sie ihre Ruhe. Die junge Frau will das aber nicht und pocht auf ihr Recht: "Ich hab dort doch nicht über Nacht geparkt. Das ist Humbug," sagt sie. Vater und Tochter haben eine Vermutung, was passiert sein muss: Zu den beiden in dem Schreiben genannten Zeiten haben sie tatsächlich dort mit Xenias Auto geparkt - sie am Vortag, er am Morgen danach. Nur kurz zum Brötchen holen. Vermutlich wurde Xenias Wegfahren und Edens Hinfahren nicht registriert. Xenia legt Widerspruch ein. Nexobility antwortet automatisiert: Die Bearbeitungszeit könne bis zu vier Wochen dauern, die Zahlungsfrist Ruhe in der Zeit.
Im ersten Moment denkt man, 35 Euro kann man ja irgendwie verkraften. Aber ich finde es einfach nicht gerecht und auch nicht in Ordnung.
Knapp sechs Wochen sind die beiden verunsichert, nutzen den Kunden-Parkplatz nur noch ungern. Der Vorwurf ärgert und beschäftigt sie. Vor allem der Ton des Schreibens stößt ihnen auf. Und dass in dem Schreiben nirgendwo steht, dass es auch möglich sein könnte, dass die Kameras oder die Software einen Fehler gemacht haben könnten. Eden fragt sich, ob das sogar eine Masche der Firma sein könnte, um Geld damit zu machen.
Parkmanagement-Firma Nexobility will Technik überprüfen
Auf SWR-Nachfrage bei Nexobility heißt es zu dem Fall der Volohonskys: "Es handelt sich hierbei nicht um einen Fehler. Unter bestimmten, ungünstigen Rahmenbedingungen kann es gelegentlich vorkommen, dass ein Kennzeichen nicht erkannt wird." Das käme allerdings nur sehr selten vor, heißt es weiter.
Geschäftsführer Sebastian Löffler sagte dem SWR, er werde die Technik vor Ort überprüfen lassen. Da die Kameras mittig auf dem Parkplatz stünden, könnte beispielsweise ein Sprinter die Sicht auf die Ein- und Ausfahrt blockiert haben. Sie wollten es den Kundinnen und Kunden eigentlich einfach machen mit dem Parken - völlig automatisiert. Nach eigenen Angaben managt das Stuttgarter Startup inzwischen 55.000 Parkplätze in Deutschland und anderen europäischen Ländern.
Natürlich ist das keine Masche. Wir leben ja von Empfehlungen.
Kunden in Horb sehen Vorteile und Verunsicherung
Dass man auf dem Horber Parkplatz nicht an Parkscheibe oder einen Parkzettel denken muss, wissen die Kundinnen und Kunden zu schätzen, wie der SWR vor Ort erfahren hat. Gleichwohl ist auch eine gewisse Verunsicherung aufgrund von Erfahrungen wie denen von Xenia und Eden Volohonsky da. Im Internet stehen noch weitere Beschwerden.
Nach knapp sechs Wochen Wartezeit ist Xenia nun froh, mit dem Thema abzuschließen: "Die Zahlungsaufforderung wurde storniert", heißt es in einer E-Mail von Nexobility. Die Firma bittet um Entschuldigung für die verspätete Rückmeldung. Den beiden hätte darüber hinaus auch eine Entschuldigung für die falschen Vorwürfe, wie sie sagen, gut getan.