Antworten auf Ihre Fragen zum Lipödem

Lipödem: Diagnose, Kosten, Therapie - das müssen Patientinnen wissen

Unser Bericht über das Lipödem hat gezeigt: Das Thema bewegt viele Betroffene und wirft noch mehr Fragen auf. Hier gibt es wichtige Antworten.

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Stand

Von Autor/in Lea Pflüger

"Warum zahlt meine Krankenkasse nicht, obwohl ich kaum noch laufen kann? - "Mein Arzt sagt, das sei nur Übergewicht. Stimmt das?" - "Kann die Pille ein Lipödem auslösen?"

So oder so ähnlich klingen viele der Kommentare, die uns nach unserer Berichterstattung über das Lipödem erreicht haben. Dahinter stehen Frauen, die seit Jahren mit Schmerzen, Scham und bürokratischen Hürden leben. Wir greifen die wichtigsten Fragen und Erfahrungen aus den Rückmeldungen auf und erklären, was derzeit bekannt ist.

Krankenkasse: Welche Hürden gibt es bei der Kostenübernahme?

Seit Juli übernehmen Krankenkassen bei Lipödem in allen Stadien die OP, die sogenannte Liposuktion. Das berichteten wir Anfang der Woche. Doch wie die Erfahrungen unser Leserinnen zeigen: so einfach ist das nicht.

Selbst mit allen Voraussetzungen perfekt erfüllt, weigern sich Kassen mit den tollsten Begründungen, die Kosten der OP zu übernehmen.

Für die Kostenübernahme einer Liposuktion beim Lipödem gelten strenge Vorgaben. Zunächst muss laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) über mindestens sechs Monate eine konservative Behandlung wie Kompression oder Bewegung stattgefunden haben, ohne ausreichende Besserung. In diesem Zeitraum darf man auch nicht zunehmen.

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Auch der BMI und die Waist‑to‑height‑ratio (WHtR) sind entscheidend. Liegt der BMI über 35, ist eine Liposuktion ausgeschlossen. Ein BMI von 35 wird als Adipositas Grad II (starkes Übergewicht) eingestuft. Bei einem BMI zwischen 32 und 35 ist eine Liposuktion laut Richtlinien nur möglich, wenn das Übergewicht überwiegend durch das Lipödem bedingt ist. Werden diese Grenzen überschritten, muss zunächst eine Adipositas‑Therapie erfolgen, bevor eine Liposuktion überhaupt in Frage kommt.

Der BMI steht schon lange in der Kritik, kein ausreichendes Maß für Übergewicht zu sein. Bei Lipödem-Erkrankten kommt laut Lymphologischem Informationsdienst zusätzlich hinzu, dass ein Lipödem den BMI künstlich "hochziehen" kann. Dadurch können Menschen mit Lipödem formal als "adipös" gelten, obwohl der restliche Körper relativ schlank ist.

Auch die Manuelle Lymphdrainage (MLD), eine spezielle Massagetechnik, die Schmerzen im Gewebe lindern kann, wird von der Krankenkasse übernommen, wenn sie verordnet wird. Physiotherapeuten oder Masseure benötigen eine spezielle Fortbildung, um die MLD durchführen zu dürfen.

Was kostet es, die Behandlung privat zu finanzieren?

Wer die strengen Voraussetzungen der gesetzliche Krankenkasse nicht erfüllt oder keine geeignete Kassenpraxis findet, muss die Liposuktion oft privat bezahlen. Laut der Internetseite des Lymphologischen Informationsdienstes liegen die Kosten dafür zwischen 2.500 und mehr als 5.000 Euro für eine Sitzung. Oft brauchen Betroffene mehrere Sitzungen.

Wie finde ich eine qualifizierte Praxis?

Die Arztsuche 116117 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bietet eine Filterfunktion für die Kategorie "Liposuktion bei Lipödem".

Hängen Faktoren wie Ernährung oder die Pille mit dem Lipödem zusammen?

Nach heutigem Wissensstand entsteht ein Lipödem nicht einfach durch falsche Ernährung oder die Anti‑Baby‑Pille, erklärt die Lipödem Gesellschaft (LipöG). Beides könne aber den Verlauf beeinflussen. Laut LipöG können hormonelle Veränderungen durch Einnahme oder Absetzen der Pille die Krankheit verschlimmern. Auch Pubertät, Wechseljahre oder dramatische Ereignisse, die extremen Stress in Körper und Psyche auslösen, können Auswirkungen haben. Eine gesunde Ernährung und ein aktiver Lebensstil könnten entzündliche Prozesse reduzieren und Symptome lindern, so die LipöG.

Bei der Ernährung ist inzwischen erforscht, dass insbesondere Zucker, Kohlenhydrate und alles, was Entzündungen im Körper anregt, sehr schädlich sind.

Gibt es immer mehr Fälle von Lipödemen?

Die Datenlage dazu ist unklar. In unseren Kommentaren vermuten einige: Wie viele Krankheiten, die überwiegend Frauen betreffen, sei das Lipödem nicht gut erforscht. Die Lipödem Gesellschaft stellt fest, dass Frauen früher und damit auch häufiger die Diagnose bekämen, heißt es auf SWR-Nachfrage. Die durchschnittliche Zeit bis zur Diagnose dauere aber immer noch 14 Jahre. Da das Thema in den vergangenen Jahren in Medien, sozialen Netzwerken und Fachkreisen häufiger aufgegriffen wird, werden mehr Fälle bekannt. Das heißt aber nicht, dass die Erkrankung häufiger auftritt.

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Autor/in
Lea Pflüger
Lea Pflüger ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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