"Warum zahlt meine Krankenkasse nicht, obwohl ich kaum noch laufen kann? - "Mein Arzt sagt, das sei nur Übergewicht. Stimmt das?" - "Kann die Pille ein Lipödem auslösen?"
So oder ähnlich klingen viele der Kommentare, die uns nach unserer Berichterstattung über das Lipödem erreicht haben. Dahinter stehen Frauen, die seit Jahren mit Schmerzen, Scham und bürokratischen Hürden leben. Wir greifen die wichtigsten Fragen und Erfahrungen aus den Rückmeldungen auf und erklären, was derzeit bekannt ist.
- Krankenkasse: Welche Hürden gibt es bei der Kostenübernahme?
- Was kostet es, die Behandlung privat zu finanzieren?
- Wie finde ich eine qualifizierte Praxis?
- Hängen Faktoren wie Ernährung oder die Pille mit dem Lipödem zusammen?
- Gibt es immer mehr Fälle von Lipödemen?
- Was ist der Unterschied zwischen Lipödem und Lymphödem?
Krankenkasse: Welche Hürden gibt es bei der Kostenübernahme?
Seit Juli übernehmen Krankenkassen die Liposuktion bei Lipödem in allen Stadien. Das berichteten wir Anfang der Woche. Doch wie die Erfahrungen unser Leserinnen zeigen: so einfach ist das nicht.
Selbst mit allen Voraussetzungen perfekt erfüllt, weigern sich Kassen mit den tollsten Begründungen, die Kosten der OP zu übernehmen.
Für die Kostenübernahme einer Liposuktion beim Lipödem gelten strenge Vorgaben. Zunächst muss laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) über mindestens sechs Monate eine konservative Behandlung wie Kompression oder Bewegung stattgefunden haben, ohne ausreichende Besserung. In diesem Zeitraum darf man auch nicht zunehmen.
Neue Kassenleistung macht Frauen Hoffnung Lipödem: Wenn Fettgewebe zur täglichen Belastung wird - Was kann helfen?
Schwere Beine, Druckschmerzen und blaue Flecken: Hinter diesen Beschwerden kann ein Lipödem stecken. Woran Betroffene die Erkrankung erkennen und welche Therapien helfen.
Auch der BMI und die Waist‑to‑height‑ratio (WHtR) sind entscheidend. Liegt der BMI über 35, ist eine Liposuktion ausgeschlossen. Ein BMI von 35 wird als Adipositas Grad II (starkes Übergewicht) eingestuft. Bei einem BMI zwischen 32 und 35 ist eine Liposuktion laut Richtlinien nur möglich, wenn das Übergewicht überwiegend durch das Lipödem bedingt ist. Werden diese Grenzen überschritten, muss zunächst eine Adipositas‑Therapie erfolgen, bevor eine Liposuktion überhaupt in Frage kommt.
Der BMI steht schon lange in der Kritik, kein ausreichendes Maß für Übergewicht zu sein. Bei Lipödem-Erkrankten kommt laut Lymphologischem Informationsdienst zusätzlich hinzu, dass ein Lipödem den BMI künstlich "hochziehen" kann. Dadurch können Menschen mit Lipödem formal als "adipös" gelten, obwohl der restliche Körper relativ schlank ist.
Auch die Manuelle Lymphdrainage (MLD), eine spezielle Massagetechnik, die Schmerzen im Gewebe lindern kann, wird von der Krankenkasse übernommen, wenn sie verordnet wird. Physiotherapeuten oder Masseure benötigen eine spezielle Fortbildung, um die MLD durchführen zu dürfen.
Was kostet es, die Behandlung privat zu finanzieren?
Wer die strengen Voraussetzungen der gesetzliche Krankenkasse nicht erfüllt oder keine geeignete Kassenpraxis findet, muss die Liposuktion oft privat bezahlen. Laut der Internetseite des Lymphologischen Informationsdienstes liegen die Kosten dafür zwischen 2.500 und mehr als 5.000 Euro für eine Sitzung. Oft brauchen Betroffene mehrere Sitzungen.
Wie finde ich eine qualifizierte Praxis?
Die Arztsuche 116117 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bietet eine Filterfunktion für die Kategorie "Liposuktion bei Lipödem".
Hängen Faktoren wie Ernährung oder die Pille mit dem Lipödem zusammen?
Nach heutigem Wissensstand entsteht ein Lipödem nicht einfach durch falsche Ernährung oder die Anti‑Baby‑Pille, erklärt die Lipödem Gesellschaft (LipöG) . Beides könne aber den Verlauf beeinflussen. Laut LipöG können die hormonellen Veränderungen durch Einnahme der Pille die Krankheit verschlimmern. Eine gesunde Ernährung und ein aktiver Lebensstil könnten entzündliche Prozesse reduzieren und Symptome lindern, so die LipöG.
Gibt es immer mehr Fälle von Lipödemen?
Die Datenlage dazu ist unklar. In unseren Kommentaren vermuten einige: wie viele Krankheiten, die überwiegend Frauen betreffen, sei das Lipödem nicht gut erforscht. Trotzdem wird das Thema in den letzten Jahren in Medien, sozialen Netzwerken und Fachkreisen häufiger aufgegriffen. Dadurch werden mehr Fälle erkannt.