Ob beim Wocheneinkauf oder an der Zapfsäule – die Preissteigerungen treffen viele Menschen hart. Die neue Folge der ARD-Reportage "Bundesvibe" begleitet drei Familien, die immer wieder neu abwägen müssen, wie sie mit den Preissteigerungen umgehen. Darunter auch Sarah und Felix Schwenk. Das junge Paar bewirtschaftet den Benzinger Hof, einen Milchviehbetrieb in Dornstetten (Kreis Freudenstadt) im Nordschwarzwald, bereits in der achten Generation.
Arbeit auf dem Hof: "Ohne Diesel läuft hier nichts"
Auf ihrem Hof halten die Schwenks 600 Tiere, darunter Milchkühe, Jungtiere und Kälber. Die beiden führen den Betrieb mit Leidenschaft, wie die beiden auch auf Social Media zeigen. Doch die Energiekrise trifft sie spürbar: Diesel, Dünger und andere Betriebskosten steigen, während der Milchpreis fällt. "Ohne Diesel läuft bei uns gar nichts", sagt Landwirtschaftsmeister Felix Schwenk. Rund 80.000 Liter Diesel benötigt der Hof pro Jahr. Zwar sind die Dieselpreise zuletzt leicht gesunken, eine Traktor-Tankfüllung mit rund 500 Litern koste dennoch über 1.000 Euro.
Der Diesel ist das Elixier des Hofes. Ohne Diesel läuft eigentlich gar nichts.
Inzwischen hat die Bundesregierung ein Entlastungspaket beschlossen: Die Energiesteuer auf Diesel und Benzin soll für zwei Monate um circa 17 Cent pro Liter gesenkt werden. "Dann haben wir eine befristete Lösung über zwei Monate", sagt Felix Schwenk. "Aber wir brauchen das ganze Jahr über Diesel – und auch darüber hinaus. Daher ist es nur eine befristete Lösung und ob die wirklich ankommt, ist die Hauptfrage".
Gestiegene Preise auch beim Düngemittel
Der Anstieg der Düngemittelpreise durch den Krieg im Nahen Osten macht den Schwenks ebenfalls zu schaffen. "Im letzten Jahr lag eine LKW-Ladung Stickstoffdünger bei 12.500 Euro, jetzt kostet sie über 20.000 Euro", sagt Felix Schwenk. Um Kosten zu sparen, will er beim Maisanbau den Düngereinsatz halbieren. "Wir haben das Glück, dass wir noch Gülle haben, da kann man viel überbrücken". Trotzdem mache er sich Sorgen über mögliche Engpässe im nächsten Jahr.
Keine Kontrolle über den Milchpreis
Anders als etwa Unternehmer oder Spediteure können die Schwenks die gestiegenen Kosten nicht an die Verbraucher weitergeben. Den Milchpreis etwa könnten sie nicht beeinflussen. "Wir haben ein bisschen zu viel Milch auf dem Markt, und der Einzelhandel nutzt das schamlos aus, die Preise massiv zu drücken", sagt Felix Schwenk. Vergangene Woche erst hatte der Landesbauernverband davor gewarnt, dass die Milcherzeugerpreise "regelrecht abstürzten", während die Betriebskosten für die Landwirte stiegen. Das sei existenzgefährdend für die Betriebe.
Viel selber machen: So sparen die Schwenks Kosten im Betrieb
"Wir können immer nur versuchen, unsere Kosten im Griff zu halten", sagt Sarah, die sich um die Finanzen des Hofs kümmert. Zum Beispiel, in dem sie beim Personal einsparen und selbst mehr arbeiten. Alle Investitionen fließen in den Hof, private Wünsche wie die Erneuerung der Hoffassade oder ein Garten müssen warten.
Möglichst viel selbst zu machen ist auch das Motto in der Küche. Mit ihrer Schwiegermutter verpflegt Sarah mittags die gesamte Hofbelegschaft. Dazu gehören neben Felix Eltern auch seine Oma, die beiden kleinen Töchter, zwei Mitarbeiter und ein Azubi. "Auch Kleinigkeiten können ja schon viel ausmachen", sagt Sarah. Sie macht etwa Brot und Joghurt selbst und streckt Fleischbällchen mit Haferflocken. Lebensmittelverschwendung ist für die Familie keine Option: Übrig gebliebene Gurken aus der Vesperdose der Kinder landen im Salat.
Trotz gestiegener Preise sehen die Schwenks die aktuelle Situation pragmatisch: "In der Landwirtschaft gibt’s gefühlt immer irgendeine Krise. Und wir sind bis jetzt immer durch jede durchgekommen", sagt Sarah. Eine Hoffnung, die sie mit vielen Familien teilen.
Drei Familien, drei Herausforderungen – Die ARD-Reportage "Bundesvibe"
"Bundesvibe" blickt auch über Baden-Württemberg hinaus. Neben den Schwenks begleitet die ARD-Reportage auch Julia Batzdorf aus Neumark bei Zwickau. Die alleinerziehende LKW-Fahrerin saniert ein altes Fachwerkhaus und sieht sich mit steigenden Bau- und Spritpreisen konfrontiert. Eine weitere Geschichte kommt aus Köln: Fanny Winter und ihr Mann Alexander suchen dringend nach bezahlbarem Wohnraum. "Alles wird teurer - Wie wir sparen" ist ab heute in der ARD-Mediathek zu sehen.