Am fünften Verhandlungstag hat im Prozess wegen erpresserischen Menschenraubs am Landgericht Hechingen (Zollernalbkreis) das Opfer ausgesagt. Der 17-Jährige soll Anfang des Jahres gegen seinen Willen festgehalten und im April für mehrere Tage entführt worden sein. In einigen Punkten haben die Aussagen des Entführten vor Gericht den Polizeiakten widersprochen.
Widersprüche in Zeugenaussage zur Entführung
Am Dienstag hat der 17-Jährige gesagt, dass er sich an viele Dinge, die während der Entführung passiert sind, nicht mehr erinnern könne. Der Richter las ihm aber detaillierte Aussagen vor, die der Jugendliche direkt nach seiner Entführung im April bei der Polizei gemacht habe. So habe er der Polizei etwa gesagt, dass er mit einer Gaspistole bedroht worden sei oder dass ein Angeklagter ihm einen Zahn ausgeschlagen habe. Außerdem habe er bei der Polizei angegeben, dass ein anderer Angeklagter während der Entführung ständig gedroht habe, ihn mit einem Messer "abzustechen".
Vor Gericht hat der Jugendliche jetzt gesagt, dass er an diese Ereignisse keine klare Erinnerung mehr habe. Stattdessen gab er an, dass er sich in der Obhut der Angeklagten meistens "wohlgefühlt" habe. Nur in einzelnen Situationen habe er Angst empfunden. Etwa, als er in einer Kellerwohnung in Mössingen (Kreis Tübingen) mehrmals geschlagen wurde. Ansonsten sei ihm aber "nichts passiert". Die Darstellungen der Tat in der Polizeiakte hat er als "völlig übertrieben" bezeichnet.
16.000 Euro Ausgleichszahlung im Entführungsprozess
Trotzdem hat der Angeklagte einem Täter-Opfer-Ausgleich zugestimmt. Alle Angeklagten haben dem 17-Jährigen eine Entschädigung gezahlt oder wollen sie noch bezahlen. So bekommt das Opfer insgesamt 16.000 Euro von den Angeklagten.
Mittlerweile haben sechs der sieben Angeklagten ein Geständnis abgelegt. Mit vier der jungen Männer hat das Gericht vergangene Woche einen so genannten "Deal" ausgehandelt: Bei entsprechendem Prozessverhalten können sie mit einer geringeren Strafe rechnen. Der Hauptangeklagte hat sich bisher noch nicht zur Sache geäußert.
Prozess um mehrtägige Entführung
Vor Gericht stehen sieben junge Männer im Alter von 18 und 19 Jahren. Sie sollen den Jugendlichen im April für mehrere Tage festgehalten und an verschiedenen Orten im Kreis Tübingen und im Zollernalbkreis bedroht und geschlagen haben. Auslöser für die Entführung sollen Schulden durch Drogenhandel sein. Der Prozess wird am 16. Dezember fortgesetzt.