Wie konnte das passieren? Bei Tübingen-Pfrondorf hat im September ein Pferdehof gebrannt. Wenige Tage davor waren bei einem Brand bei Grosselfingen (Zollernalbkreis) rund 400 Hühner verendet. Die Ursache ist in beiden Fällen noch nicht klar. Die Ermittlungen laufen. Doch was sind eigentlich die größten Risiken für ein Feuer auf einem landwirtschaftlichen Anwesen?
Selbstentzündung beim Heu als Gefahr Nummer eins
Hauptgefahr für einen Brand auf einem Hof ist für Alexander Küsel vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ganz klar das Heu. Wenn es beim Einlagern feucht ist, kann es gären. Dabei entsteht Hitze, die das Heu entzünden kann.
Experte rät: Temperatur im Heu messen
Es gebe deshalb klare Leitlinien für den Umgang mit Heu, sagt Küsel: In den ersten beiden Wochen nach dem Einlagern sollte man täglich die Temperatur im Heu messen. Liegt sie über 60 Grad, kann es gefährlich werden. Dann sollte man das Heu umlagern - und vorsorglich die Feuerwehr informieren.
In den folgenden Wochen misst man die Temperatur dann in immer größeren Abständen. Solange bis keine Gefahr mehr besteht. Doch nicht alle Landwirte würden das durchziehen, meint Küsel. Oft fehle die Zeit.
Spinnweben als Brandbeschleuniger
Wenn es auf einem landwirtschaftlichen Anwesen dann erstmal brennt, gibt es verschiedene Faktoren, die dafür sorgen können, dass das Feuer schnell um sich greift. Nach Angaben von Klaus Merz, dem Vizepräsidenten des Landesfeuerwehrverbands Baden-Württemberg spielen hier Spinnweben eine entscheidende Rolle.
Denn die dünnen Fäden haben eine große Oberfläche und gleichzeitig genug Luft, um gut zu brennen. Außerdem wirken Staub oder Fett, die in Spinnweben gefangen sind, als zusätzliche Brandbeschleuniger. Es könne zu einer sogenannten Durchzündung kommen. Das bedeutet, dass das Feuer schnell auf einen großen Bereich überspringt.
Zahl der Großbrände auf Bauernhöfen nicht gestiegen
Ein weiterer großer Risikofaktor für Brände auf landwirtschaftlichen Anwesen sind Kurzschlüsse. Oft sei die Elektrik auf den Höfen veraltet, so Alexander Küsel vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Die Elektrik zu erneuern, ist aber teuer. Nicht jeder Landwirt könne sich das leisten, bestätigt Jörg Kautt, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Tübingen.
Wie viele Bauern- oder Reiterhöfe jedes Jahr in Deutschland brennen, wird nicht statistisch erfasst - weder von der Polizei, noch von der Feuerwehr oder den Versicherungen. Was Alexander Kösel aber hat, sind die Zahlen der Bauernhofbrände mit mindestens 500.000 Euro Schaden. Da habe sich in den letzten 25 Jahren nichts verändert. Es gebe in Deutschland im Schnitt zehn bis 60 pro Jahr. Einen Trend könne man nicht ablesen - und auch keinen Zusammenhang mit besonders heißen oder trockenen Jahren.