Manfred Schrader hat 100.000 Euro an die Musikschule in Tübingen gespendet. Damit möchte er einigen Kindern aus sozial schwachen Familien den Musikunterricht ermöglichen. Sie sollen 18 Jahre lang kostenlos Unterricht bekommen.
Große Spende trotz Bescheidenheit
"Eigentlich mag ich den ganzen Rummel um meine Person gar nicht, aber da muss ich jetzt wohl durch", sagt Schrader. Er war nie Großverdiener, arbeitete als Ingenieur und hat sein Geld immer sorgfältig zusammengehalten. Jetzt im Alter hat er eine stattliche Summe angespart und suchte nach einer sinnvollen Möglichkeit zu spenden. Also rief er bei der Stadt an und landete bei Sozialbürgermeisterin Gundula Schäfer-Vogel. Gemeinsam fanden sie ein Projekt, das ihn begeisterte: Stipendien für Musikunterricht.
Spende für Musikunterricht
"Ich bin kein Musiklehrer, aber als ich ein kleiner Junge war, spielte mein Vater Klavier. Wir lagen in den Betten und hörten die Musik vom oberen Stockwerk. Das hatte fast etwas Überirdisches", erzählt Schrader. Trotz schwieriger Bedingungen nahm er während des Zweiten Weltkriegs selbst Klavierunterricht und spielt noch heute auf der digitalen Orgel. Nun möchte er Kindern aus ärmeren Familien die Chance geben ein Musikinstrument zu lernen.
Gleiche Chancen für alle Kinder
Schrader wuchs wohlbehütet als Sohn eines Amtsrichters auf und hatte einen guten Start ins Leben. Sein bester Freund aus einer Handwerkerfamilie hatte diese Chancen nicht. Schrader konnte studieren, der Weg seines Freundes war jedoch vorgezeichnet. Er musste den Handwerksbetrieb übernehmen.
"Er hat es zwar genauso weit gebracht wie ich, denn Handwerk zahlt sich immer aus", sagt Schrader. Dennoch wurde ihm die Ungerechtigkeit im Laufe des Lebens immer klarer. "Ich hatte das starke Gefühl, meine Bilanz gegenüber der Allgemeinheit stimmt nicht. Das möchte ich jetzt im Alter ausgleichen und der Gesellschaft etwas zurückgeben."
Seine drei Kinder akzeptieren, dass sie auf einen Teil des Erbes verzichten müssen. "Sie bekommen noch genug. Es ist nicht gut, wenn man zu viel erbt."
Stipendium für sozial schwache Familien
Mit der Spende wird ein Stipendienprogramm für sozial benachteiligte Familien finanziert. Insgesamt sieben Kinder sollen ausgewählt werden, die bereits an der Musikschule sind und aus Familien mit Bonuscard kommen. Für sie kostet eine 45-minütige Klavierstunde pro Woche rund 55 Euro im Monat, regulär wären es 110 Euro.
Mit dem Stipendium wird der gesamte Betrag übernommen und das bis zu 18 Jahre lang. Bricht ein Kind ab, rückt ein anderes nach. "Wir wollen Kindern eine Chance geben, die bereits gezeigt haben, dass sie Spaß an Musik haben und ambitioniert sind", sagt Schulleiter Ingo Sadewasser.
Wenn die Stipendien starten, möchte Manfred Schrader selbst vorbeikommen und den Kindern beim Musizieren zuhören - "es ist immer ein Erlebnis, Kindern beim Musizieren zuzuhören".