Im Zusammenhang mit dem Millionendiebstahl bei einer Werttransportfirma in Stuttgart 2022 hat am Dienstag ein weiterer Prozess vor dem Landgericht Stuttgart begonnen. Angeklagt ist ein 32-jähriger Mann, der die Beute fast vollständig für sich behalten haben soll. Ihm wird gemeinschaftlicher Diebstahl vorgeworfen. Am ersten Prozesstag sagte er, er sei nur der Fahrer gewesen. Ihm seien 10.000 Euro versprochen worden, die er aber nicht bekommen habe.
Vorgeschichte: Zehn Kilo Geldscheine in Sporttasche
Im Herbst 2022 war die damals 42 Jahre alte Mirnesa S. Mitarbeiterin einer Stuttgarter Werttransportfirma. Zu der Zeit hat sie nach eigenen Angaben einen rund 13 Jahre jüngeren Serben kennengelernt - den jetzt Angeklagten. Die Frau mit bosnischen Wurzeln hatte sich in ihn verliebt, wie sie in der Podcast-Serie "Die Millionendiebin" von DASDING, dem jungen Angebot des SWR, erzählt.
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2021 klaut Yasemin G. in Bremen mehr als 8 Millionen Euro. Ihr gelingt eine spektakuläre Flucht. Jahrelang taucht sie unter. Dann stellt sie sich der Polizei.
Der Mann habe von einer gemeinsamen Zukunft geschwärmt und sich schnell für ihren damaligen Job bei der Werttransportfirma interessiert. Er habe sie dazu überredet, ihren Arbeitgeber zu bestehlen, sagt sie. S. war zu dieser Zeit erst ein knappes halbes Jahr bei der Werttransportfirma. Am Freitag, den 14. Oktober 2022, nahm sie eine Sporttasche mit zur Arbeit. Als zwei Kollegen in die Pause gingen, habe sie einen Umzugskarton unter ihren Arbeitstisch gestellt. Darin packte sie bündelweise Geldscheine hinein, erzählt sie.
Es waren rund 1,25 Millionen Euro. "Ich hab's einfach nur eingeladen. Die größten Scheine natürlich", sagt sie. Im Archiv habe sie das Geld aus dem Karton in ihre Sporttasche umgepackt und Handtücher darübergelegt. "Es war sehr schwer, um die zehn oder zwölf Kilo, ich weiß nicht mehr genau", erzählt sie später dem SWR.
Nach Millionenraub Flucht nach Serbien
Wer das Geld gestohlen hatte, war relativ schnell klar: Es gab Videoaufnahmen aus dem entsprechenden Raum. Doch S. war monatelang wie vom Erdboden verschwunden. Über Österreich und dann über Slowenien und Kroatien sei sie nach Serbien geflüchtet. Bei der Flucht an ihrer Seite: der Angeklagte. Sie sollen gemeinsame Pläne gehabt haben. Doch dann soll sich der zärtliche und fürsorgliche Liebhaber nach Angaben von Mirnesa S. von einer ganz anderen Seite gezeigt haben.
Podcast-Serie Die Millionendiebin
Schnell reich werden für ein Leben ohne Sorgen? Davon hatte Mirnesa S. aus Stuttgart geträumt.
Doch ihr Traum endete im Gefängnis. Ein zweiter Helfer wurde verurteilt, von den 1,25 Millionen Euro und dem mutmaßlichen Kopf der Bande fehlt jede Spur.
Millionendiebin stellte sich
Aus Angst sei sie dann zu Bekannten nach Montenegro geflohen. Dort erfuhr sie, dass die Stuttgarter Polizei bereits mit einem internationalen Haftbefehl nach ihr suchte. Der Druck wurde so groß, dass sie sich stellte. Im Sommer 2023 wurde sie vom Landgericht Stuttgart zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. S. saß in Schwäbisch Gmünd im Gefängnis, aber wurde vorzeitig entlassen. Ein Komplize, dem vorgeworfen wurde, bei der Flucht geholfen zu haben, wurde ebenfalls festgenommen. Er kam mit einer Strafe auf Bewährung davon. Beide wollen von den 1,25 Millionen nur einige 10.000 Euro bekommen haben.
Von gestohlenem Geld fehlt weiter jede Spur
Der jetzt Angeklagte wurde im Sommer 2025 festgenommen, als er die Grenze von Griechenland nach Nordmazedonien überqueren wollte. Als griechische Grenzpolizisten seinen Reisepass kontrollierten, stellten sie fest, dass gegen ihn ein Haftbefehl vorlag. Wo das restliche Geld ist, ist weiter unklar.
Beim Prozessauftakt am Dienstag wirft der Angeklagte Mirnesa S. vor, gelogen zu haben. "Sie ist eine gute Schauspielerin, Sie werden es selbst erleben", sagte er vor Gericht. "Ich war nur der Fahrer." Mirnesa S. ist in Stuttgart anwesend, da sie als Zeugin geladen ist. "Klar, weil er der Fahrer war, war er auf der Flucht", sagt S. Dann hätte er sich ja auch stellen können, meint sie gegenüber dem SWR. Sie ist überzeugt davon, dass er weiß, wo das restliche Geld ist.
Mirnesa S.: "Der Raub war seine Idee."
S. sei froh, dass jetzt alles vorbei ist und müsse erstmal das Geschehene verarbeiten. Auf den Angeklagten sei sie hereingefallen: "Der Raub war seine Idee. Er hat mich manipuliert und benutzt." Durch den weiteren Prozess komme jetzt alles wieder hoch. "Der hat mich so verarscht. Ich muss jetzt wieder bei Null anfangen." Momentan lebe sie von Krankengeld, sie leide an schweren Depressionen.