In Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) stellt das Familienunternehmen PolyMedics ein besonderes "Pflaster" für Brandwunden her. Der Erfinder Heinrich Planck nennt es "eine zweite Haut" für Opfer von schweren Verbrennungen. Die Herstellung ist aufwendig, fast alles muss von Hand gemacht werden. Für Kliniken mit Brandzentren zur Behandlung von schweren Verbrennungen in Deutschland und ganz Europa ist das kleine Unternehmen aber essenziell.
Ersatzhaut für die Brandopfer von Crans-Montana
Rund 70 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Brandwunden in Deutschland werden mit der "zweiten Haut" aus Kirchheim unter Teck behandelt - auch die Brandopfer nach der schlimmen Katastrophe von Crans-Montana in der Schweiz, erklärt Christian Planck, PolyMedics-Geschäftsführer.
"Für mich war sofort klar: Wir müssen schnell handeln", erzählt PolyMedics-Geschäftsführer Christian Planck. "Als ich morgens gesehen hatte, wie viele verletzte Personen dort sind, war mir klar, dass sie alles nicht lokal bedienen können, sondern dass die Patienten dann auf die verschiedenen Verbrennungszentren verteilt werden müssen." PolyMedics ist nach eigenen Angaben der Hauptpartner für die Verbrennungszentren in Europa und beliefert diese.
Feiertage: Die Abteilungsleiter liefern kurzerhand selbst aus
Es gab nur ein Problem: Wegen der Feiertage war der eigene Speditionsdienst nicht erreichbar. Also musste PolyMedics schnell selbst handeln: "Wir als Abteilungsleiter sind dann selbst ins Auto gestiegen und haben die Ware bis zur Grenze gebracht. Unser Außendienstmitarbeiter hat sie übernommen und dann wirklich bis zum OP gebracht und es den Ärzten beinahe in die Hand gedrückt", so Christian Planck weiter.
Denn bei Brandwunden ist vor allem die Zeit ausschlaggebend. Es braucht eine schnelle Behandlung, denn sonst drohen bleibende, schwerwiegende Schäden. Infektionen und Flüssigkeitsverlust sowie bleibende Bewegungseinschränkungen sind bei Verbrennungen immer eine große Gefahr, aber bei tiefen Brandwunden drohen schwere Komplikationen: Nerven werden zerstört und Gewebe kann absterben, die sogenannte Nekrose.
Schwerbrandverletzte an Silvester Körperlich und seelisch: Wenn eine Verbrennung tiefe Schäden hinterlässt
Nach dem Brand in Crans-Montana wird eins der Opfer im Stuttgarter Marienhospital behandelt. Auch die anderen Betten im Zentrum für Schwerbrandverletzte sind nach Silvester belegt.
Eigentlich wollte Heinrich Planck Medizin studieren
Christian Plancks Vater Heinrich war früher als Lehrstuhlinhaber für Textiltechnik an der Universität Stuttgart mehrere Jahrzehnte in der Forschung, bevor er PolyMedics gründete. Als Jugendlicher war es eigentlich Heinrich Plancks Wunsch, Medizin zu studieren. Schon damals hat ihn die Idee einer "zweiten Haut" für Wunden fasziniert. Denn es gab einen Auslöser für die Erfindung: "Mein Bruder hat damals mal eine Verbrennung gehabt. Und vielleicht hat mich das inspiriert, das zu machen", erzählt er.
Mein Bruder hat damals mal eine Verbrennung gehabt. Vielleicht hat mich das inspiriert.
Vor rund 30 Jahren bekam er dann die Möglichkeit, an seinem Traum zu arbeiten. Wenige Jahre später gab es das Ergebnis: "Suprathel" - eine weiße, dünne Membran aus künstlicher Milchsäure, die aussieht wie Papier. Für die Medizin ein Gamechanger: Die Membran liegt auf wie eine zweite Haut, lässt keine Bakterien an die Wunde und muss nicht gewechselt werden. Aufwendige und schmerzvolle Verbandswechsel ade.
Marienhospital in Stuttgart hat Entwicklung der Haut unterstützt
Das bestätigt auch Matthias Rapp, Leiter des Schwerbrandverletztenzentrums am Marienhospital Stuttgart. Er hat die Entwicklung der künstlichen Haut medizinisch begleitet. "Die Patienten sind viel schmerzarmer. Und wir brauchen weniger Verbandsmaterial, weniger Verbandszeit, die Wunden heilen schneller und letztendlich auch in einer besseren Qualität."