Wer regelmäßig mit dem Zug fährt, kennt es: "Toilette defekt", "Toilette außer Betrieb". Immer wieder die Frage auf langen Zugreisen: Wo kann man das "stille Örtchen" aufsuchen? Doch irgendwer hat ja genau diese Örtchen einmal gebaut. Eine Firma aus Salach (Kreis Göppingen) bezeichnet sich selbst als einen der führenden Hersteller für Toilettenkabinen für Eisenbahnen in der ganzen Welt. Dabei versucht sie sowohl innovativ zu sein, als auch auf die unterschiedlichen Ansprüche der verschiedenen Länder einzugehen.
Andere Länder, andere Ansprüche: Nicht jede Klokabine ist gleich
An einem Arbeitsplatz stapeln sich die Waschbecken für Finnland. "Die haben einen steinartigen Charakter, mit eingeschlossenen Kernen und Partikeln", sagt Jürgen Kaiser, Geschäftsführer von Satek. "Die skandinavischen Länder versuchen in ihren Fahrzeugen ein höheres Wohlfühlambiente zu erreichen." Nur ein paar Meter weiter stehen die fertigen Kabinen für Ägypten. Die wiederum werden entsprechend der Vorgabe mit Bidet-Funktion (Po-Dusche) ausgeliefert.
Satek baut die Kabinen für die Herstellerfirmen wie Stadler, Alstom oder Siemens, die wiederum bauen Züge für die ganze Welt. Und je nach Land gibt es verschiedene Ansprüche. Die Firma aus Salach hat zum Beispiel die gesamten Züge der Deutschen Bahn vom Typ ICE-4 und ICE-Neo mit Toilettenkabinen ausgestattet.
Kindersitze für die Reise mit der Bahn
Je nach Ausstattung und Umfang kostet eine Toilettenkabine bei Satek zwischen 17.000 und 30.000 Euro - pauschal ist das schwer zu sagen. Dabei sieht sich die Firma längst nicht nur als Hersteller von Kabinen mit Toiletten und Waschbecken. Spricht man mit einem der 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird klar, dass viele hier auch innovativ sein wollen und den Markt weiterentwickeln wollen.
Ein Ergebnis dieser Innovation zeigt Jürgen Kaiser stolz: "Das ist unser Babysitz für Kleinkinder, unser neustes Produkt". Den Sitz kann man aus der Kabinenwand ausklappen. Väter und Mütter können ihr Kind hineinsetzen, während sie auf die Toilette gehen und müssen das Baby nicht auf dem - womöglich schmutzigen - Boden krabbeln lassen.
Auch Vandalismus und "Zweckentfremdung" ein Thema
Dass ausgerechnet Zugtoiletten in der Vergangenheit immer öfter dadurch auffallen, dass sie nicht gereinigt, gewartet oder gar nicht funktionieren, lässt natürlich auch den Geschäftsführer in Salach nicht kalt. "Das liegt am Service und an der Reinigung", sagt er. Reparaturen von Kabinen werden hier ebenfalls vorgenommen. Auch wenn man in Salach für die Ausfälle im Betrieb wenig könne, versuche man zu reagieren, sagt Kaiser. Man baue zum Beispiel möglichst wenige Ecken und vielen Rundungen im Boden, damit die Reinigung schnell und unkompliziert ablaufen kann.
Auf der anderen Seite spiele auch Vandalismus eine große Rolle. Und speziell bei den Wickeltischen merken Bahnbetreiber, Zughersteller und die Bauer aus Salach, dass die ausklappbaren Tische oft weniger für Kleinkinder, sondern mehr für andere Tätigkeiten genutzt werden. Die Norm verlangt eigentlich, dass die Wickeltische bis zu 80 Kilogramm Belastung aushalten, aber die Hersteller verlangen inzwischen deutlich mehr. "Da sind manchmal dynamische Belastungen dabei, bei denen man zu zweit auf dem Tisch ist", sagt Kaiser. Wer eben eine lange Reise tut - muss sich irgendwie beschäftigen. Wie romantisch das ist, muss jedes Pärchen selbst wissen.